VW Vento von Gregor Hartwig

VW Vento von Gregor Hartwig VW Vento von Gregor Hartwig

VW Vento von Gregor Hartwig

— 07.11.2005

AIRgeizig

Wenn der arme Opi wüßte, was die Schrauber aus seinem heißgeliebten Schätzchen gezaubert haben. Mit viel Chrom, Gold, jeder Menge Leder und Alcantara sowie einem Airride-Fahrwerk schaffte Gregor das, wofür sich die Jugend auf der Straße die Hälse verrenkt.

50.000 km und eine unberührte Rückbank

Viele Geschichten beginnen so: Man braucht ein neues Auto und blättert im regionalen Teil der Tageszeitung. Gregor erging es da nicht anders. Er suchte nach einem VW Vento und fand ihn in einer Kleinanzeige. Ruckzuck war der Besitzer kontaktiert, man verabredete sich schon gleich für den nächsten Tag. Und somit trat der Käufer aus Gera den Weg in seine Landeshauptstadt Erfurt an.

Der Besitzer wies Gregor erst einmal darauf hin, daß auf der Rückbank des Vento noch nie jemand gesessen hatte. Der 2,0-Liter-Motor (auch aus dem GTI bekannt) hatte erst knappe 50.000 Kilometer auf der Uhr und auch sonst war der Wagen in Top-Zustand, weswegen Gregors Augen immer größer wurden. Die des Rentners füllten sich wohl eher mit Tränen, denn der wollte den Wagen eigentlich nicht hergeben. Er wurde von seiner Frau dazu bekniet, sein Schätzchen zu verkaufen. Dafür sollte er den Civic seiner Tochter übernehmen, weil die ein neues Auto haben wollte, aber nicht mehr genug Geld für ihren Gebrauchten bekam.

Ein durchaus schlechter Tausch, aber Gregor freute das um so mehr. Allerdings war das letzte Wort in Sachen Preis noch nicht gesprochen. Der Rentner verlangte 2500 "Goldstücke" mehr als in der Anzeige angegeben. Gregor brachte das nicht aus der Fassung, denn immerhin war es der Wagen durchaus wert.

Sechs Schlösser bis zur gecleanten Lösung

Zu Hause fing Gregor dann mit dem Umbau des Vento an. Er sollte etwas ganz Besonderes werden, genauso wie der Wagen für den Rentner etwas Besonderes war. Allerdings hätte sich der rüstige Herr selbst in seinen kühnsten Träumen seinen Wagen so nicht vorgestellt.

Am längsten hatte der Metall- und Maschinenbauer mit dem Türöffnungsmechanismus zu tun, der vom TÜV vorgeschrieben war, um die cleanen Türen eingetragen zu bekommen. Bis alles richtig funktionierte, gingen dabei sechs Schlösser drauf. Mit einem kleinen Metallhaken zwischen Scheibe und Gummidichtung, der kaum zu sehen ist, zieht der 25jährige jetzt die Tür auf. Beim Bau des bösen Blickes samt Kotflügelverlängerung und anderen Karosseriearbeiten ließ sich Gregor von der Firma Zschiegner unter die Arme greifen.

Fette Felgen brauchen fette Kotflügel. Deswegen wurden sie vorn nach außen gezogen und hinten zusätzlich Blech angeschweißt, um die jeweils 9x16 Zoll Schmidt Revolution Modern Line unterzubringen. Vorn haben diese eine Einpreßtiefe von 34 und jeweils 8-Millimeter-Spurplatten pro Seite und hinten eine ET 8. Die Felgen ließ der Thüringer nachträglich SLC-veredeln und die Schrauben vergolden. In den rechten Kotflügel paßte man zur besseren Luftfilterbeatmung einen Luftauslaß aus dem T4 ein. An der Front entstand zusätzlich ein Eigenbau-Grill und die Kennzeichenöffnung wurde verschlossen. An den Ecken blitzen Begrenzungsleuchten vom BMW E30.

Ungestörter optischer Genuß im Motorraum

Die Original-Seitenspiegel sowie die Nebel- und Rückfahrleuchten verschwanden. Die Spiegel wurden durch superschicke Teile von Projekt Zwo ersetzt, die Leuchten wurden nie wieder gesehen. Weil das Heckblech nun schon mal bearbeitet wurde, konnte man auch gleich die Kennzeichenaussparung verkleinern, passend für ein 40er Schild.

Als nächstes kam die Innenausstattung dran. Bevor man mit dem Motorumbau anfing, mußte diese ausgebaut und zum Sattler gebracht werden. Der hüllte den gesamten Innenraum in beiges Leder und Alcantara. Auch die Säulen und der Himmel wurden nicht vergessen. Die Endstufen von Rockford landeten aufgrund von Platzproblemen auf der Hutablage, denn im Kofferraum zauberte Car Akustic Gera einen HiFi-Ausbau mit einem 15-Zoll-Monitor zum Ausklappen. Rundherum kommen Woofer von Rockford zum Einsatz, um die Beats und die Szenarien der Playstation 2 ordentlich an das Ohr des Zuhörers zu dröhnen. Die Spielekonsole versteckt sich übrigens im Handschuhfach.

Dann wurde der Motorraum von allen optisch störenden Dingen wie Servo-, Spritzwasser-, und Ausgleichsbehälter, Luftfilterkasten, Lüfter und Steuergerät befreit, um eine cleane Optik zu schaffen. Die Batterie versteckte man, die Heizung und andere Kleinigkeiten verschwanden ganz und gar. Die Spritzwand wurde entfernt und alle Bleche in Sichtweite wurden geglättet und teilweise neu eingeschweißt. Zum Schluß entstand ein Motorraum, in den das 115-PS-Triebwerk perfekt hineinpaßt. Natürlich nicht, ohne vorher Motor und Getriebe zu lackieren und unendlich viele Schrauben, Schlauchschellen, Rädchen, Lichtmaschine und Ventildeckel zu verchromen oder zu vergolden.

Technische Defekte trübten den Fahrspaß

Passabel war der Wagen nun schon, es fehlte nur noch die passende Farbe. Da sie dezent sein sollte und das beige Leder gut zur Geltung bringen mußte, entschied sich Gregor für eine original Volkswagen-Farbe. Das Graumetallic entsprach genau seinen Vorstellungen. Passend dazu wurden die Scheinwerfer und Rückleuchten abgedunkelt.

Das Wichtigste an einem Auto sind immer Felgen und Fahrwerk. Für die richtigen "Schuhe" hatte Gregor schon gesorgt. Fehlte also nur noch das Fahrwerk. Weil es gerade im Trend lag und aufgrund der schlechten Straßen rund um Gera einfach besser zu fahren ist, entschied man sich für ein Luftfahrwerk. Um jeglichem Ärger aus dem Weg zu gehen, ließ es Gregor von einem autorisierten Händler einbauen, doch etliche Defekte trübten den Fahrspaß.

Im kommenden Winter wird Gregor zusammen mit seinem Kumpels von der East-Society das Fahrwerk selbst auf Lkw-Komponenten umbauen. Durch Filter wurde das Zischen beim Ablassen des Airride-Fahrwerks schon deutlich leiser, fast lautlos senkt sich der Wagen jetzt zu Boden. Es lebe der Erfindergeist. Dem Vorbesitzer wird Gregor nächstes Jahr einen Besuch abstatten, um ihm das Airride-Projekt zu demonstrieren.

Autor: Sebastian Schulz

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.