VWs erste Dakar-Touareg

VWs erste Dakar-Touareg VWs erste Dakar-Touareg

VWs erste Dakar-Touareg

— 13.02.2003

Testfahrt de Luxe

2004 will VW mit dem Touareg den Dakar-Sieg. Umgebaute Serienmodelle übten schon mal die Wüstentour.

Touareg mit Renntechnik

Als die Rallye Dakar in Marseille langsam Fahrt aufnimmt, gehören die Startnummern 526 bis 531 zu den am stärksten umlagerten Autos im Feld. Die sechs Werks-VW ziehen Fans ebenso magisch an wie Ingenieure fremder Teams. "Ich muss mir doch mal angucken, womit die Deutschen uns in Zukunft schlagen wollen", begründet Mitsubishi-Teamchef Dominique Serieys unverhohlen sein Interesse.

Kleiner Schönheitsfehler: Nummer 526 und folgende kleben nicht auf den Tarek-Buggys von VW-Pilotin Jutta Kleinschmidt und Kollegen, sie kennzeichnen sechs Touareg als offizielle Begleitfahrzeuge der Wolfsburger Werksmannschaft. Am Steuer unter anderem: Motorsportboss Rudolf-Helmut Strozyk und Teamchef Erwin Weber.

Damit hat die VW-Organisationsleitung die mit Abstand luxuriöseste Methode aller rund 2000 Dakarbegleiter gewählt, die gut 8600 Kilometer von Marseille in den Zielort Sharm-el-Sheik am Roten Meer zurückzulegen. Edle Holzeinlagen zieren Armaturentafel und Türverkleidungen des in der Serienversion jenseits von 70.000 Euro angesiedelten Luxus-Geländewagens – an einigen Stellen allerdings herzlos durchbohrt für ein paar zusätzliche Stromkabel.

Drei Schalensitze statt Ledergestühl

Die Sechsgangautomatik entledigt die Fahrer jeglicher Schaltarbeit. "Die Automatik wählt, egal ob bei Weichsand, Düne oder Asphalt, stets den richtigen Gang", kontert VW-Ingenieur Armin Meixner, unter dessen Regie die Dakar-Touareg entstanden, die Kritik handschaltungstreuer Offroad-Puristen. Das Eingreifen in die Schaltlogik per Lenkradwippen-Tiptronic wurde laut Meixner selbst in der Sahara höchstens zum Ausnutzen der Motorbremskraft gebraucht.

Abgesehen von Holz und Automatik, ist allerdings wenig geblieben von der Wohnzimmeratmosphäre des Serien-Touareg. Drei Schalensitze statt Ledergestühl, Sechspunktgurte und Aluminiumbodenplatten statt flauschigem Teppich verbreiten kargen Rallye-Alltag.

Wie vom Dakar-Veranstalter vorgeschrieben, sind die Touareg mit einem Überrollkäfig, Feuerlöscher, Wassertanks mit fünf Litern Kapazität pro Insassen und wie die "richtigen" Rallyeautos mit einem Notsender ausgestattet. Dazu kommen ein vom Veranstalter gestelltes Satellitennavigationssystem und ein elektronischer Wegstreckenzähler (Easytrip). Da die Regeln ebenfalls abseits befestigter Straßen Helme vorschreiben, sorgt eine Drei-Wege-Gegensprechanlage für ungehemmte Kommunikation zwischen Fahrer und seinen beiden Kopiloten.

Spezial-Auspuff spart 30 Kilo Gewicht

Den Platz des vierten Passagiers nimmt eine große Alukiste ein, in der Ersatzteile für Notfälle rüttel- und staubsicher verpackt sind. "Gebraucht haben wir während der 19-tägigen Wüstentour allerdings nur gelegentlich einen neuen Luftfilter und ein paar Stoßdämpfer", sagt Armin Meixner. "Außerdem haben wir jeden Abend den Diesel-Filter entwässert, das war's."

In Grenzen halten sich vor der Dakar-Tortur auch die Eingriffe in die Technik: Der zehnzylindrige Fünfliter-Turbodiesel (313 PS, 750 Nm Drehmoment) wurde lediglich mit einem "Luftfilter für staubreiche Länder" Sahara-tauglich gemacht. Acht Millimeter starke Aluminiumplatten schützen Motor/Getriebe, Hinterachsdifferenzial und Seitenschweller vor den Tiefschlägen der Wüste. Eine spezielle Auspuffanlage erhöht nicht nur die Bodenfreiheit, sie spart auch noch rund 30 Kilo Gewicht.

Martialisch aussehen lassen die Service-Touareg (Gesamtgewicht fast drei Tonnen) die wuchtigen Schmutzfänger, die aufs Dach verlegten Rückleuchten (Vorschrift) und die Dachboxen fürs Gepäck der Besatzung. Dank spezieller Sportstoßdämpfer mit außen liegenden Ölreservoirs und Stahlfedern statt serienmäßiger Luftfederung wuchs die Bodenfreiheit auf 215 mm vorn und 235 mm hinten.

Kompressor als Luftfederungs-Überbleibsel

"Wir werden noch höher gehen", verrät Ingenieur Meixner, der auch mit der Bereifung noch nicht ganz glücklich ist. Die auf die kleinere Bremsanlage der Sechszylinder-Version umgebauten V10-Touareg liefen auf 7,5-Zoll-Felgen und 17 Zoll großen Pneus (Dimension 235/65/17). Meixner: "Wir brauchen eine noch kleinere Bremse, um 16-Zoll-Reifen fahren zu können."

Überbleibsel der Serienluftfederung ist der im vergitterten Kofferraum eingebaute Kompressor. Genutzt wurde der allerdings zum Aufpumpen der Reifen, wenn für Passagen durch weichen Sand der Luftdruck kurzfristig reduziert werden musste. Daneben lagern im umfunktionierten Gepäckabteil Sandbleche, Schaufel, zwei Ersatzräder und ein 80-Liter-Zusatztank (Gesamtkapazität damit 180 Liter, Reichweite offroad etwa 800 km).

Obwohl die sechs Gelände-VW lediglich als Begleitfahrzeuge dabei waren, wurde der erhoffte Werbeeffekt längst erzielt. Die Motorsportabteilung muss fast täglich Interessenten abwimmeln, die unbedingt einen Touareg in Dakar-Version kaufen wollen. Am liebsten inklusive Sponsorenbeklebung und Startnummer.

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