VWs merkwürdige Filterpolitik

VWs merkwürdige Filterpolitik

— 22.08.2003

Ruß – oder nicht Ruß?

Für den Rußfilter wird Aufpreis fällig, sagt VW-Chef Pischetsrieder. Trotzdem erhält ihn ein Passat-Modell bald serienmäßig. Wie denn nun?

Volkswagen zeigt noch keine klare Linie beim Einsatz von Rußfiltern in Dieselmodellen. In einem Interview mit der "Bild"-Zeitung am Freitag (22. August) kündigte VW-Chef Bernd Pischetsrieder den Partikelfilter fürs nächste Jahr an – aber "gegen Aufpreis". Dennoch kommt im Herbst ein Passat mit serienmäßigem Filter auf den Markt.

Dabei verpasste Pischetsrieder Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) einen Seitenhieb: Hätte dieser die schärferen Abgasvorschriften (Euro 4, ab 2005) schon früher bekannt gegeben, dann wären VW hohe Investitionen in verbesserte Motoren erspart geblieben, monierte er. Nun erreichen zwar über die Hälfte der Diesel-VW auch ohne zusätzliche Maßnahmen Euro 4, doch der Rußfilter wird dadurch auf die Zubehörliste verbannt. Jetzt entscheidet also nicht die Abgasnorm, sondern der Kunde über "Ruß oder nicht Ruß". Pech für die Umwelt, denn selbst die kleinsten Partikel können nach Expertenmeinung Krebs, Asthma, Kreislaufbeschwerden und Allergien hervorrufen.

Trittin hatte die Autoindustrie zum Einsatz von Rückhaltesystemen wiederholt aufgefordert, jedoch nicht dazu verpflichtet. Die Hersteller zeigten sich in Sachen Filter "verstockt", polterte der Minister schließlich. Forderungen aus der Koalition, andernfalls die Diesel-Steuer zu erhöhen, wies Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) allerdings ab. VW-Boss Pischetsrieder formuliert das so: "Wenn man von der Umweltpolitik Verlässlichkeit erwartet, ist man wohl ohnehin schief gewickelt ..."

Um guten Umwelt-Willen zu zeigen, präsentieren die Wolfsburger auf der IAA ein Passat-Modell mit serienmäßigem Ruß-Killer, das im Herbst auf den Markt kommen soll. Nach Angaben eines VW-Sprechers wird das bis 2004 wohl auch der einzige rußfreie VW-Diesel bleiben – zum neuen Golf, der am Montag (25. August) offiziell vorgestellt wurde, gab es noch keinen Kommentar. Immerhin kann der Konzern mit Mercedes-Benz Schritt halten: Die Stuttgarter bieten schon ab Oktober rußfreie Diesel an. Für einen Aufpreis von 580 Euro.

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