Wahl zum AUTO 1 von Europa 2007

Wahl zum Auto1 von Europa 2007 Wahl zum Auto1 von Europa 2007

Wahl zum AUTO 1 von Europa 2007

— 02.03.2007

Das Rennen um Europas Spitze

Das große Finale von Europas wichtigstem Autopreis: 18 Autos und 34 Jury-Mitglieder trafen sich in der Nähe von Rom zum ultimativen Test. Unter ihnen eine Legende am Steuer.

Walter Röhrl hat seinen eigenen Kopf, und der passt jetzt gerade unter keinen Helm. Je mehr der Streckenposten diskutiert, je mehr er gestikuliert, desto sturer lehnt der zweifache Rallye-Weltmeister eine Kopfbedeckung ab. "Wenn ich nachher schnell fahre, dann setze ich einen Helm auf", sagt Röhrl, "jetzt will ich nur ganz langsam den Kurs kennenlernen." Irgendwann gibt der Streckenposten nach – und Walter Röhrl Gas. Er braucht genau zwei Kurven, dann fasst sein Beifahrer zum ersten Mal nach rechts und klammert sich am Haltegriff des Opel Corsa fest. Meine Güte, wenn das jetzt langsam sein soll – was ist bei Röhrl dann erst schnell? Das "Genie auf Rädern" (O-Ton Niki Lauda) hat auch kurz vor seinem 60. Geburtstag nichts verloren. Nichts von seiner Präzision, nichts von seinem Gefühl. All das setzt er jetzt hier in Rom ein, um als Mitglied der Experten-Jury das neue AUTO 1 zu ermitteln – den Sieger beim wichtigsten Automobilpreis Europas. Zwei Tage lang testen 34 Fachleute (24 Motorjournalisten, fünf Rennfahrer, fünf Techniker) leidenschaftlich die 18 Autos, die die Leser der europäischen AUTO BILD-Gruppe zu ihren Favoriten bestimmt hatten. Die Sieger werden dann am 7. März 2007 auf dem Genfer Salon ausgezeichnet. Doch vor der Gala steht der Gasfuß – und den setzt kaum einer so gefühlvoll ein wie Altmeister Röhrl. Während er den Corsa über den vier Kilometer langen Handlingkurs scheucht, spricht er über die Vorzüge des 90 PS starken Turbodiesels: "Das Auto lenkt sehr gut ein, es untersteuert leicht, reagiert kaum auf Lastwechsel und bleibt immer gutmütig. Die Bremse spricht schon auf geringen Druck an."

So testet die Jury, Teil 1

Man merkt schon, Röhrl ist von dem fünffachen Leser-Favoriten (Sieger in Griechenland, Polen, Kroatien, Litauen und Serbien/Montenegro) angetan. Eine Note will der Regensburger dem Corsa allerdings noch nicht geben: "Ich möchte erst die Konkurrenzmodelle testen, um ein Gesamtbild zu bekommen." Es ist wirklich unglaublich, wie akribisch der Mann vorgeht. Obwohl von den Rennfahrern vor allem subjektive Eindrücke gefragt sind, führt der vierfache Monte-Carlo-Sieger jedes Fahrzeug noch mal extra auf Zeit – und trägt die Ergebnisse danach in sein eigenes, handgeschriebenes Testbuch ein. "Diese Gründlichkeit hatte ich schon immer", sagt Röhrl. "Wenn ich ein Fahrzeug beurteile, dann will ich das auch gewissenhaft machen. Schließlich hat man als Autotester Verantwortung."

So testet die Jury, Teil 2

Diese Verantwortung tragen an den beiden Tagen alle Jury-Mitglieder, und sie gehen gründlich damit um. Der junge DTM-Pilot Mattias Ekström ist da ein gutes Beispiel. Obwohl bei Audi unter Vertrag und dem Spaß am Schleudern bestimmt nicht abgeneigt, sagt der 28-Jährige über das Audi TT Coupé: "Das Fahrwerk und die Bremsen sind toll, und die Schaltung ist geil. Aber das ESP müsste früher und weicher eingreifen." Nur fünf von zehn möglichen Punkten bekommen die Fahrer-Assistenzsysteme des TT bei ihm. Wie unterschiedlich die Kriterien sind, nach denen Rennfahrer, Techniker und Journalisten vorgehen, zeigt ein Abstecher zu Nils Finderup. Der Chefredakteur der dänischen AUTO BILD sitzt in einem Citroën C4 Picasso und tastet das Cockpit mit seinen Händen ab. "Wir Dänen sind bei Autos nicht so emotional wie andere Nationen. Schon wegen der 180 Prozent hohen Steuer werden wir zum Realismus gezwungen. Weil die Autos bei uns so teuer sind, müssen sie lange halten. Darum achten wir sehr auf Qualität." Seine Meinung über den Franzosen-Van: "Ziemlich weich, kein deutscher Standard – allein das Blinker-Geräusch klingt schon eher billig. Aber der Wagen ist sehr geräumig und dafür verhältnismäßig günstig zu haben."

Ein Stück weiter, in den Garagen der Techniker, macht Stefan Schlesinger vom Automobilclub von Deutschland (AvD) die Motorhaube eines Skoda Roomster auf – und bekommt den Mund nicht mehr zu: "Endlich mal ein Auto, bei dem man noch an den Motor kommt! Und sogar die Glühlampen kann man noch allein wechseln! Das gibt es heute ja nur noch selten." Auch sonst ist der kantige Tscheche einer von Schlesingers Favoriten: "Die Spaltmaße sehen sehr gut aus, und das Auto ist auch innen überall sauber auslackiert. Das habe ich schon schlechter gesehen. Die hinteren Sitze könnten zwar ein bisschen mehr Auflagefläche für die Oberschenkel haben – aber für ein Auto in dieser Preisklasse kann man nun wirklich nicht meckern."

Ein heiseres Brüllen lässt den AvD-Mann verstummen. Er dreht den Kopf und sieht, wie Walter Röhrl sich hinter die kurze Windschutzscheibe des Lamborghini Gallardo Spyder kauert und den 520 PS starken Sportwagen (Spitze 314 km/h) auf der Geraden beschleunigt. Den Rennfahrer erkennt man freilich nur anhand seiner Größe, denn das Gesicht ist von dem schneeweißen Kopfschutz verdeckt. Der Streckenposten lächelt. Wer sagt’s denn: Wenn es sein muss, passt eben doch ein Helm – auf diesen eben noch so sturen Kopf ……

Die Tester: fünf Rennfahrer, fünf Techniker und 24 Chefredakteure

Die Experten-Jury

Rennfahrer Christina Surer (Schweiz), Walter Röhrl (Deutschland), Mattias Ekström (Schweden), Filipe Albuquerque (Portugal), Paul Belmondo (Frankreich) • Journalisten Bernd Wieland (Deutschland), Alessandro Pasi (Italien), Laurent Chiapello (Frankreich), David Johns (Großbritannien), Tonie Broekhuijsen (Niederlande), Vitezlav Kodym (Tschechien), Hirant Kasapoglu (Türkei), Petros Pitsinis (Griechenland), Stanislaw Sewastianowicz (Polen), Sinisa Tkalcevic (Kroatien), Stefan Donat (Schweiz), Severin Karl (Österreich), Sergio Veiga (Portugal), Ralf Petrov (Bulgarien), Oleg Vasylevskyy (Ukraine), Tönu Tramm (Estland), Jarmo Markkanen (Finnland), Milan Adámek (Slowakei), Ilmars Likums (Lettland), Kristof Karlovitz (Ungarn), Vitoldas Milius (Litauen), Tito Klein (Spanien), Vladan Slavkovic (Serbien/Montenegro), Nils Finderup (Dänemark) • Techniker Stefan Schlesinger (Deutschland), Fabio Carletti (Italien), Antoine Jacquot (Frankreich), Kim Adam (Großbritannien), Daniel Garro (Spanien).

Das testen die Rennfahrer

Die fünf Rennfahrer achten bei ihren Tests auf Motorcharakteristik, Beschleunigung, Elastizität, Spitzengeschwindigkeit, Bremsleistung, Anhalteweg, Fahrwerk, Handling, Schaltung und die Leistung der Fahrer-Assistenzsysteme.

Das bewerten die Journalisten

Die 24 Chefredakteure der europäischen AUTO BILD-Gruppe bewerten das Außen- und Innendesign, das Image, den Qualitätseindruck, das Raumkonzept, die Bedienfreundlichkeit, den Fahrspaß und Fahrkomfort, die Alltagstauglichkeit und das Preis-Leistungs-Verhältnis.

Das beurteilen die Techniker

Die fünf Techniker kümmern sich um die Konstruktion, die Passformen und Verarbeitung, die Innenraummaterialien, die aktive und passive Sicherheit, die Lademöglichkeiten, die Innenraumgeräusche, den Verbrauch, die Abgaswerte und die Reparaturfreundlichkeit.

So geht's weiter: die Preisverleihung in Genf

Das AUTO 1 of Europe, die sechs europäischen Klassensieger sowie alle 24 Landessieger werden am 7. März 2007 in Genf auf der großen AUTO-1-Gala gekürt. Hier, im Rahmen des Genfer Automobilsalons, verleiht die internationale AUTO BILD-Gruppe zudem den "AUTO 1 Innovation Award" für die beste technische Neuentwicklung des Autojahrgangs. Die Verleihung des AUTO 1-Awards findet traditionell am Abend des zweiten Presse-Tages des Genfer Salons statt. Sämtliche Spitzenmanager der Auto-Branche sind an diesem Abend zu Gast. Durch die Veranstaltung führt wie in den vergangenen Jahren Désirée Nosbusch. Die Höhepunkte gibt es als Videoclip auf autobild.de.

Autor: Alex Cohrs

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.