Wartungskosten

Das Kosten-1x1 für 4x4-Autos Das Kosten-1x1 für 4x4-Autos

Wartungskosten

— 25.11.2002

Das Kosten-1x1 für 4x4-Autos

Machen kurze Wartungsintervalle ein preiswertes Auto unter dem Strich teuer? Wir haben die Unterhaltskosten für drei beliebte Allradler für einen Zeitraum von drei Jahren aufaddiert. Das Ergebnis: Wartungskosten sind keine Peanuts.

Wie lang ist das Wartungsintervall?

Fahren Sie gern in die Werkstatt? Kein Autofahrer wird diese Frage freudig mit "Ja" beantworten. Schließlich gehen in der Regel empfindlich hohe Geldbeträge über den Tresen. Und für die meisten Autofahrer ist es schwierig, die präsentierten Rechnungen nachzuvollziehen. Beim Vergleich der Wartungsintervalle sind krasse Unterschiede zwischen den einzelnen Allrad-Modellen festzustellen.

Mitsubishi Pajero Classic – die wiederbelebte V-20-Baureihe also – und der Pajero Sport schießen hier den Vogel ab und zwingen die Kunden alle 7500 Kilometer in die Werkstatt. Das sind zwar im Wesentlichen lediglich Ölwechsel, aber lästig ist's allemal – jedenfalls für Vielfahrer. Dabei geht der Trend auch bei Allradlern in Richtung längere Wartungsintervalle. Das andere Extrem markiert Renault: Der Kangoo 4x4 muss nur alle 30.000 Kilometer in die Werkstatt. Für den brandneuen Mégane gibt der Hersteller sogar 60.000 Kilometer bis zum Besuch der Werkstatt an.

Fallen kurze Wartungsintervalle wirklich ins Gewicht? Unsere Rechnung beweist: Ja – obwohl bei Allradlern die hohe Versicherungs-Einstufung den Anteil der Wartungskosten an den Gesamtkosten relativiert. Vielfahrer mit 30.000 Kilometern Fahrleistung pro Jahr spüren die Unterschiede: Beim extrem wartungsarmen Kangoo 4x4 liegt der Anteil der Wartungskosten an den Gesamt-Unterhaltskosten (ohne Wertverlust) bei 6,0 Prozent, beim wartungsintensiven Pajero Classic hingegen bei stolzen 17,9 Prozent.

Wartungskosten fallen ins Gewicht

Die Wartungskosten lassen sich auch unter einem anderen Gesichtspunkt betrachten: Den hohen Versicherungs-Einstufungen kann kein Allrad-Fahrer entgehen. Einzig eine geschickte Wahl des Fahrzeugs lässt sparen zu. Und zwar beim Wertverlust (bei jüngeren Allradlern stets der größte Kostenfaktor), der Steuer (via Auflastung besteht bei einigen Modellen eine Sparmöglichkeit) und bei den Wartungs- und Werkstattkosten.

Dass letztere eben keine Peanuts sind, verdeutlicht das folgende Beispiel: Ein Vielfahrer mit Kangoo 4x4 hat nach drei Jahren und 90.000 Kilometern 704 Euro für Wartungskosten in der Werkstatt gelassen, ein Pajero-Classic-Fahrer 2574 Euro – mit dem Differenzbetrag ließe sich eine nette Pauschalreise für zwei Personen locker finanzieren. Der Fairness halber sei gesagt, dass der Vergleich nach 120.000 Kilometern für den Renault nicht ganz so günstig ausfallen würde, weil dann auch bei dem Franzosen der (teure) Zahnriemen-Wechsel ansteht, der beim Mitsubishi bereits bei 90.000 Kilometern fällig ist.

Die Wartungskosten fallen immerhin so stark ins Gewicht, dass nach drei Jahren und 90.000 Kilometern die Gesamtkosten des Pajero Classic mit gut 14.000 Euro (auch hier ohne Wertverlust gerechnet) die der Mercedes-M-Klasse um 1000 Euro übertreffen – und dabei rechnet man die M-Klasse (10.000 Euro höherer Kaufpreis) der nächst höheren Fahrzeugkategorie zu. Auch wenn beispielsweise der 7500-Kilometer-Ölwechsel beim Mitsubishi nur 62 Euro kostet, sind kurze Wartungsintervalle über die Jahre hinweg eine spürbare Kostenbelastung. Vielfahrer sollten bei der Wahl ihres Fahrzeugs also auf die Wartungsintervalle achten.

Ölwechsel – wie oft und wie teuer?

Andererseits: Sind Intervalle von 30.000 Kilometern nicht zu optimistisch? Fährt man da nicht viel zu lange mit altem Öl durch die Lande und ruiniert den Motor? "Keine Angst vor langen Wartungsintervallen", sagt Hubert Paulus, Ingenieur beim ADAC-Technik-Zentrum in Landsberg. "Durch die geringer gewordene Alterungsneigung moderner Motoröle sind Kilometer-Intervalle von 30.000 unproblematisch – vorausgesetzt, dass der Besitzer den Ölstand regelmäßig kontrolliert. Denn die Wartungsintervalle sagen nichts über den Ölverbrauch des jeweiligen Motors aus."

Die modernen synthetischen Longlife-Öle sind aber nicht ganz billig. Deshalb sind ältere Motoren, die zwar öfter einen Ölwechsel brauchen, aber mit billigen Ölsorten auskommen, im Unterhalt unter dem Strich nicht zwangsläufig teurer. Ölwechsel-Intervalle von 7500 Kilometern aber sind nach Ansicht des ADAC-Ingenieurs "nicht mehr zeitgemäß und erinnern an alte VW-Busse". Im Falle des Pajero Classic kommt das Dea-Leichtlauföl Viscobil SL SAE 10 W-40 zum Einsatz. Paulus: "Das ist kein billiges Öl. Ich verstehe nicht ganz, dass es so oft gewechselt werden soll – rein technisch ist es jedenfalls nur schwer zu rechtfertigen."

Wer schon einem Modell den Vorzug gibt, das ihn mit kurzen Wartungsintervallen und den daran hängenden Garantie-Bestimmungen oft in die Werkstatt treibt, kann zumindest durch geschickte Wahl der Werkstatt Kosten sparen. Werkstätten auf dem Land sind in der Regel preiswerter als solche in der Stadt, die mit höheren Standortkosten kalkulieren müssen.

Werkstattkosten – Stadt-Land-Gefälle

So verlangt etwa der Nissan-Vertragshändler in Nürnberg, also in der Großstadt, 64 Euro für die Arbeitsstunde. Das Nissan-Autohaus Stadlbauer im rund 40 Kilometer entfernten Heideck, einem kleinen Flecken auf dem Land, begnügt sich mit 44 Euro die Stunde (jeweils netto, ohne Mehrwertsteuer).

Noch ein paar Preisbeispiele: Der Mitsubishi-Vertragshändler in München-Feldmoching nimmt 62 Euro netto die Stunde, Mitsubishi am Westbahnhof in Frankfurt/Main 58 Euro, Markenkollege Automobile Südstadt AG (ASAG) aus Nürnberg 56 Euro, und Mitsubishi Heinemann im ländlichen Neuwied-Niederbieber rechnet die Arbeitsstunde mit 47 Euro netto ab. So kostet hier die 15.000-Kilometer-Inspektion 167 statt der sonst üblichen 200 Euro.

Ähnlich krass fallen die Unterschiede bei den Stundensätzen in der Stadt und auf dem Land bei Toyota aus; bei unserer Kurzumfrage stellten wir Unterschiede von bis zu 20 Euro pro Arbeitsstunde fest. Das Toyota-Autohaus Hirscheider im ländlich geprägten Hilpoltstein (bei Nürnberg) nimmt 57 Euro für die Stunde – die beiden Toyota-Vertragswerkstätten in München stellen ihren Kunden netto 65 Euro (Autohaus Feldmoching) und 85 Euro (Toyota-Autohaus Wieser) in Rechnung. Dabei ist Wieser mit seinen 85 Euro nicht etwa ein krasser Ausreißer nach oben, sondern bewegt sich im üblichen Rahmen: Beim Münchner Land-Rover-Vertragshändler Avalon haben wir neulich sogar 87 Euro netto hingeblättert.

Werkstatt-Preise nur auf Nachfrage

Was bei unseren Recherchen auffiel: Werkstattkosten sind ein heikles Thema. Die Branche redet im Allgemeinen nicht gern darüber. Um Informationen über die statt-Stundensätze und um Kostenvoranschläge für anstehende Inspektionen gebeten, reagierte mancher Vertragshändler erstaunt oder unwirsch – offenbar ist man noch immer keine kritischen, vergleichenden Verbraucher gewohnt. Zumindest nicht bei den Werkstattpreisen.

In einer Zeit, in der jedem Bau-Handwerker ein Kostenvoranschlag abverlangt wird, bevor er sich überhaupt Hoffnungen auf Erteilung eines Auftrags machen darf, gilt die Frage nach den Kosten in der Auto-Branche offenbar noch immer als eine Art Majestäts-Beleidigung. Während viele Autofahrer mittlerweile die Sprit-Preise an den Tankstellen vergleichen, tun sie dies bei den Werkstattpreisen offenbar noch immer nicht. Dabei geht es gerade hier so oft ins Geld. Denn menschliche Arbeit ist traditionell teuer in Deutschland.

Ob die zahlreichen wiederbelebten Alt-Modelle auf dem Offroad-Markt unter diesen Umständen wirklich ein günstiger Kauf sind, ist zweifelhaft – zumindest bei Vielfahrern. 7500-Kilometer-Intervalle wirken wie ein Rückfall in die Zeiten, als die langen Garantiezeiten japanischer Autos mit hohen Wartungskosten erkauft wurden – und damit vom Kunden selbst. Dabei kann es zum Beispiel Mitsubishi erwiesenermaßen besser: Der "kleine" Pajero Pinin und der moderne Pajero der V-60-Baureihe müssen alle 15.000 Kilometer in die Werkstatt. Das ist zumindest Durchschnitt.

Service-Intervalle gängiger Allradler

Je moderner das Modell, um so länger die Intervalle. Da kann der alte Pajero selbst als Neuwagen nicht mithalten. Üblich sind 15.000 Kilometer, nach 30.000 oder mehr Kilometern ist fast schon eine rein deutsche Spezialität.

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.