Wasteland World Car Show

Wasteland World Car Show

— 06.06.2016

Endzeitstimmung

PS-Monster, falsche Waffen und leicht bekleidete Mädchen: AUTO BILD war Gast auf der ersten Wasteland World Car Show in Kalifornien.

Neulich war Tony Marshall hier, jetzt ist Ares Valkyrie Innit da. Und der Parkplatz ist nur noch "Wasteland", ein Ödland. Torrance, ein Vorort von Los Angeles. Nicht sehr hübsch, aber von der Apokalypse bislang noch verschont, auch wenn es heute vor dem Alpine Village nicht so aussieht. Hier treffen sich üblicherweise deutsche Auswanderer, die in den 60er-Jahren nach Amerika kamen. Sie feiern das Oktoberfest mehrmals im Jahr, und deshalb treten hier auch gern mal alte German Schlagerstars auf.

Auf einem Parkplatz treffen sich die Fans der Postapokalypse

Käfer-Armee: Selbst die VW-Legende bleibt nicht verschont und wird mit Waffen ausgerüstet.

Schwer zu sagen, warum sich die schwarz gekleideten Menschen diesen Parkplatz vor dem Alpine Village ausgesucht haben für die erste Wasteland World Car Show, aber Ares Innit findet es trotzdem "freakin’ cool". Sie steht auf der Motorhaube dessen, was mal ein Ford F-250 Pick-up Truck war. Bevor sie mit dem Schweißgerät loslegte. Ihr Ford hat keine Fenster mehr, keine Frontschürze, dafür dicke, sinnlose Ketten, dicke Reifen und einen Sitz auf dem Dach. "Der geilste Platz zum Runterballern", sagt Ares und hantiert mit ihrer Wasser-Pumpgun aus Styropor. Das Dach muss immer extrastabil sein. Jeder steht oben auf seinem Auto und brüllt irgendwas. Es herrscht Endzeitstimmung hier, und die ist ganz fröhlich. Ares ist verrückt nach "Mad Max", dieser Krawall-Saga über eine post-apokalyptische Zeit, die im vergangenen Jahr nach mehr als drei Jahrzehnten Pause mit einem neuen Film in die Kinos kam.

Alle hier eint die Liebe zu einem Endzeitfilm-Epos

Alternative Auto-Szene: Die Umbauten sind inspiriert von den Fahrzeugen der Endzeitfilm-Serie "Mad Max".

Und das eint die Typen hier. Alle sind "Mad Max"-Maniacs. Ihre Autos sollen aussehen, als seien sie nach der großen Zeitenwende, nach dem Weltuntergang, mit dem, was dann noch herumlag, zusammengedengelt. Sie selbst tragen Leder und Metall und Frauen wie Ares viel nackte Haut drumherum. Dafür hat sie eine gewaltige Irokesenfrisur, zerrissene Netzstrümpfe und ein loses Mundwerk. "Meine Mom hasst mich für das hier", erklärt sie gut gelaunt. "Und für das, was ich mit ihrem Truck angestellt habe, würde sie mich am liebsten killen. "Ihr Freund habe ihr das Schweißen beigebracht. Die Karre sei aber voll straßentauglich. "Ich bin damit ja auch hergefahren." Alle Autos sehen so aus, als könne man damit einen Guerillakrieg gewinnen – oder zumindest ein Stockcar-Rennen. Auch das von Mike Muchow. Dessen Monstertruck mit Rennmotor und 760 Newtonmeter Drehmoment trägt am Heck zwei rostige Tanks, dazu gewaltige Auspuffrohre und rostige Ketten, die vermuten lassen, Mike könnte damit auch Panzer abschleppen. Alles nur Show.

Muchow erzählt, wie er mit dem Monstrum auf dem Highway kilometerlang hinter einem Toyota Prius hergurken musste, "weil der Typ einfach nicht den Weg frei machte, obwohl ich 'ne verdammte Harpune auf das Dach montiert hatte und mein Truck einen Höllenlärm macht". Vielleicht hätte Mike noch die eiserne Maske aufsetzen sollen, die er jetzt trägt.

Die archaische Brutalo-Attitüde ist natürlich nur gespielt

Martialisch aber harmlos: Das Kriegerische, das gespielt Brutale mögen die Wastelanders besonders.

"Was ihr hier seht, ist eine neue Art von Autokultur", sagt Jared Butler, der Organisator der Show. Im September treffen sich noch viel mehr "Mad Max"-Verrückte in der Wüste Kaliforniens, doch jetzt hat er die Krawallkarren erstmals auch in der Stadt versammelt. "Die Umbauten sind eine Mischung aus klassischem, eher funktionellem Handwerk und einem künstlerischen Statement." Automobile Anarchie könnte man es nennen. "Konterkultur" ist es für Jared Butler. Man könne in dieser Szene auch ohne teure Umbauten dabei sein, anders als in der klassischen amerikanischen Hot-Rod-Szene. Das Kriegerische, das gespielt Brutale, das die Wastelanders, wie sie sich selbst nennen, so lieben, mag so manchen zufälligen Besucher des Treffens irritieren oder abstoßen. Für Butler ist es kein Problem. Er verweist gern darauf, wie freundlich die Wastelanders doch eigentlich sind.

Von Tony Marshall hat er zwar noch nie etwas gehört. Aber wenn der ein cooler postapokalyptischer Reiter eines rostigen Trucks sei, könne er beim nächsten Mal gern auftreten und ein paar Songs singen. Das wäre für die Wastelanders dann aber wohl wirklich der Weltuntergang.

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