Ecclestone & Weber

Weber: Formel-1-Krise ist hausgemacht

— 07.08.2014

Kritik an Ecclestone & den Weicheiern

Die Formel 1 befindet sich in der Krise. Michael Schumachers Ex-Manager Willi Weber sieht die Gründe dafür vor allem bei F1-Boss Bernie Ecclestone liegen.

Für die Freistellung im Bestechungsprozess um Bernie Ecclestone hagelte es bereits massiv Kritik. Auch in der Formel 1 werden die kritischen Stimmen immer lauter, dass der 83-jährige Brite für die derzeitige Krise der Königsklasse verantwortlich gemacht wird. „Es gibt viele Gründe für den Niedergang der Formel 1", sagt Willi Weber (72), Ex-Schumacher-Manager, in der aktuellen SPORT BILD. "Der erste ist: Der Fisch stinkt 
am Kopf. Bernie Ecclestone ist viel zu
 alt, um im Zeitalter der
neuen Medien noch
richtig durchzublicken!“ Weber ist nicht mehr aktiv im Geschäft. Daher traut er sich das auszusprechen, was viele aktuell involvierte nicht tun.

Abneigung gegen Social Media

Die Zahlen belegen es: Bei den TV-Zuschauern ist die Quote in den letzten Jahren deutlich eingebrochen

Auch mit FIA-Präsident Jean Todt geht Weber hart ins Gericht, bescheinigt dem Franzosen „nicht die Kraft, sich durchzusetzen. Diese Herren denken nur an ihre eigenen Interessen und machen so den Sport kaputt“, wettert Weber weiter. Mercedes-Sportchef Toto Wolff macht die Sturheit und die mangelnde Offenheit Ecclestones für Neues verantwortlich für die Probleme. Wolff in der morgen erscheinenden AUTO BILD MOTORSPORT: „Das Publikum wandert vom Fernseher immer mehr ins Internet. Ich hatte deshalb schon einige Diskussionen mit Bernie über Social Media und verstehe, wo seine Abneigung gegenüber den neuen Medien herkommt.“

Es geht ums Geld

Das Problem: Ecclestones Firma FOM generiert einen Großteil ihres Umsatzes über die traditionellen TV-Stationen. Wolff weiter zu AUTO BILD MOTORSPORT: „Bernie will seine Hauptpartner aber nicht verärgern. Und: Soziale Medien kann man noch nicht monetarisieren – obwohl da ein großes Zuschauerpotenzial drinsteckt. Das ist Bernies gordischer Knoten, den wir durchschneiden müssen.“ Lange Zeit lassen darf sich die neue Garde der Mächtigen in der Königsklasse damit aber nicht – sonst stirbt die Formel 1. Nicht nur an der Strecke, wie zuletzt im ehemals Formel-1-verrückten Hockenheim, wo nur 52 000 (von 67 000) Tickets verkauft wurden, sondern auch am Bildschirm geht das Interesse zurück!

Immer weniger Fans

Keine Weicheier: Weber wünscht sich wieder mehr Kämpfertypen wie Ex-Schützling Schumacher in der F1

Die Fernsehquoten belegen das: Schauten 2001 auf RTL durchschnittlich 10,44 Millionen Fans die Rennen am Fernseher, kommt der Kölner Privatsender heute nur noch auf durchschnittlich 3,97 Millionen Zuschauer (siehe Grafik oben). Die Fahrer rätseln, warum immer weniger Fans ihnen die Daumen drücken wollen. Weltmeister Sebastian Vettel (27) sagt in Bezug auf die vielen leeren Plätze zuletzt bei seinem Heimrennen traurig: „Es kann doch nicht sein, dass die Engländer es mehr zu schätzen wissen, wenn zwei deutsche Autos und ein deutscher Fahrer um den Sieg kämpfen, als die Deutschen selbst!“

Charakterköpfe fehlen

Geht es jedoch nach Willi Weber, sind auch die Fahrer selbst schuld – vor allem durch ihr Gejammer. „Wer will denn die Weicheier von heute sehen, die über Funk nur noch rumheulen?“, fragt Weber in SPORT BILD genervt. Ihm fehlen die Charakterköpfe, wie früher es Schumacher, Senna oder Villeneuve waren. Webers Wunsch: „Wir müssen die alten Werte der Formel 1 reaktivieren. Geile, schnelle Autos mit infernalischem Sound und Piloten, die nicht nur auf der Strecke ans Limit gehen.“ Der Ex-Schumi-Manager ist sich sicher: „Fans brauchen Vorbilder. Sonst schalten sie den Fernseher aus.“

Autoren: Frederik Hackbarth, Bianca Garloff, Ralf Bach

Fotos: Getty Images / ABMS

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