WEC: CanAm Challenge

WEC: CanAm Challenge

— 11.10.2017

Das Rennauto ohne Regeln

Die CanAm-Sportwagenserie war die verrückteste Meisterschaft aller Zeiten: Die Autos ohne Regeln kommen nun im historischen Sport wieder zum Einsatz.

Sex, Drugs and Rock ‘n‘ Roll. Sie passt perfekt zur Hippie- und Flower-Power-Zeit der späten 60er-Jahre mit der gesellschaftlichen und sozialen Rebellion: eine Rennserie ganz ohne Regeln. Na ja, fast: Die Räder mussten verkleidet sein, zwei Sitze angebracht  werden und der Motor mindestens 2,5 Liter Hubraum haben. Ansonsten aber durften sich die Techniker in der CanAm-Sportwagenmeisterschaft (Canadian American Challenge) austoben. Und das taten sie auch: Autos, die schneller waren als die Formel-1-Renner jener Zeit, Motoren mit über 1000 PS, Chassis mit Ventilatoren am Unterboden, die die Luft unter dem Fahrzeug absaugten und es damit noch mehr auf den Asphalt drückten.

Die waghalsigen Autos und die horrenden Preisgelder lockten schon damals Stars aus der Formel 1, IndyCar und der Sportwagenszene zur CanAm. Und auch der Deutsche Georg Hallau (55) stieg von der European Sports Car Challenge mit zeitgenössischen Sportwagen in den historischen CanAm Challenge Cup um.

Der 8,1-Liter-V8-Sauger von Chevrolet leistet 826 PS

„Irgendwann wird man ja erwachsen, da will man mit den großen Spielzeugen hantieren“, grinst er. Hallau fährt einen Lola T310, mit dem David Hobbs 1972 Gesamtsiebter in der CanAm wurde. Der 8,1-Liter-V8-Sauger von Chevrolet leistet 826 PS. Hallau: „Das weiß ich aufs PS genau. Man will ja wissen, mit welchem Biest man sich anlegt.“ 

Auch wenn alles erlaubt war: Die Technik zur damaligen Zeit war noch so unausgereift, dass keinerlei elektronische Fahrhilfen installiert sind – keine Servolenkung, kein ABS, aber auch kein Bremskraftverstärker. Die Piloten, die heute im CanAm Challenge Cup fahren, müssen mit 80 Kilogramm Bremsdruck auf das Pedal steigen. Außerdem verfügen die Prototypen noch nicht über ein synchronisiertes Getriebe. Das heißt: Beim Schalten muss noch Zwischengas gegeben werden. „Mein erster Eindruck, als ich damit auf die Strecke ging: Ich habe gemerkt, dass man Kurven auch einhändig fahren kann, denn die zweite Hand brauchst du in den Can-Am-Fahrzeugen zum Schalten. Das ist anders, als wenn du – wie in den heutigen Rennwagen – Wippenschaltung hast.“

Georg Hallau startet im LolaT310 im CanAm Challenge Cup

Die meisten der rund 14 CanAm-Sportwagen, die derzeit am Start stehen, sind übrigens schneller als in den Jahren von 1966 bis 1974, als sie im Rennen eingesetzt wurden. Zwar darf an den Autos grundsätzlich nichts gemacht werden, aber durch die neuen Materialien hat sich der Hubraum vieler Triebwerke auf 8,8 Liter erhöht. „Die Blöcke sind fester, die Nockenwellen schärfer, die Zylinder härter – auch die Stoßdämpfer haben sich weiterentwickelt. Die Materialtechnik ist halt nicht stehen geblieben“, erklärt Peter Schleifer (60), der als Serienorganisator selbst ins Steuer greift.

Der Lola T310 von Hallau, der in Hockenheim beim Jim Clark Festival im April den dritten Platz erzielte, ist mit 2,17 Meter der breiteste aller CanAm-Sportwagen. Das offene Reglement brachte auch exotische Bastler-Autos hervor: Der Mac‘s it des Engländers Jack Hoare von 1970 hatte an jedem Rad einen 110 PS starken Zweitakt-Motor. Nobuharu Matsushita war damit in Monterey aber 30 Sekunden langsamer als der Rest des Feldes. Der Shadow Mk2 war so klein wie ein Gokart, hatte aber wuchtige Flügel und einen fast 1000 PS starken Chevy-Antrieb. Das Chassis des Autocoast Ti22 war aus Titanium statt Aluminium

Autor: Michael Zeitler

Fotos: Hersteller / BossGP

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