Heidfeld

WEC: Private LMP1

— 02.09.2016

Frust statt Lust

Der brutale Kampf der Konzerne Porsche, Audi und Toyota mit den 1000-PS-Langstrecken-Prototypen sorgt dafür, dass die Privatteams nicht mithalten können.

Er macht gute Miene zum bösen Spiel, scherzt mit den Mechanikern, lächelt den Fans zu. Aber ein zufriedener Nick Heidfeld (39) sieht anders aus. „Es macht immer weniger Spaß“, bringt Quick Nick es im Gespräch mit ABMS auf den Punkt. „Die Autos sind schön zum Fahren, aber es fehlt der Wettbewerb. Die Hersteller enteilen uns, und viele Privatiers gibt es nicht mehr, mit denen wir uns messen können.“ Ab dem Rennen in Mexiko am Wochenende nur noch zwei, um genau zu sein: ein Wagen von Rebellion, einer von Kolles. Der zweite Rebellion, in dem auch Heidfeld saß, ist gestrichen.

Während die Hersteller dreistellige Millionensummen investieren, um sich um Zehntelsekunden zu bekriegen, sind Privatteams in der Topkategorie LMP1 der Sportwagen-WM chancenlos. 6,637 Sekunden war der schnellste Privatier am Nürburgring langsamer als die Pole-Zeit. Auf nur 5,148 Kilometern!
Immerhin: Für 2017 sollen die Privatteams schneller gemacht werden: mehr Abtrieb durch breitere Heck- und Frontflügel, hubraumfreie und über die Saison hinweg in der Anzahl unbeschränkte Motoren, 28 Kilogramm Gewichtsreduzierung.

Heidfeld bleibt skeptisch: „Das ist nicht so einfach. Wir sind mit dem Gewicht am Limit, das Auto leichter zu machen, verursacht wieder hohe Kosten.“ Er schlägt daher einen anderen Ansatz vor: „Uns sechs bis sieben Sekunden schneller zu machen, ist sehr schwierig. Aus meiner Sicht müsste man die Werksteams langsamer machen."

Nick Heidfeld behält trotzdem sein Lächeln

Auch die Öffnung zu hubraumfreien Motoren ist nur in der Theorie ein Vorteil: Mit AER (Advanced Engine Research) gibt es nur einen ernsthaften Anbieter von LMP1-Kundenmotoren. Deren 3,6-Liter-V6-Biturbos sind aber mehr als 300 PS schwächer als die Hybrid-Triebwerke der Werksteams und schöpfen schon jetzt das erlaubte Hubraumlimit von 5,5 Litern nicht aus.

Und: 2017 werden die Motoren der kleineren LMP2-Kategorie 100 PS zulegen – und damit fast gleiche Leistung haben wie die AER-Aggregate! Der Rückstand der LMP2-Teams von rund 3,5 Sekunden pro Runde (Nürburgring) auf private LMP1-Autos schrumpft also weiter.

Interesse gibt es trotzdem: Das US-Topteam Penske buhlt um einen Start beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Zu ABMS sagt Inhaber Roger Penske: „Bekäme ich ein Kundenauto von Porsche, Audi oder Toyota, wäre ich dabei.“ Aber die Hersteller glauben, dass die technisch komplizierten Fahrzeuge von Privatiers nicht betrieben werden können. Doch es gibt Hoffnung: Weil es in der LMP2-Kategorie ab 2017 mit Gibson nur noch einen Einheitsmotor geben wird, werden bei Nissan Kapazitäten frei. Die Japaner könnten nach ABMS-Informationen in Zusammenarbeit mit Cosworth einen IndyCar-Motor oder auch einen LMP1-Kundenmotor bauen.
Vorschau Mexiko: Auf historischen Spuren

Autor: Michael Zeitler

Fotos: picture-alliance; Getty Images

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