Weg mit dem Müll!

Der Saubermann von Lampertheim Der Saubermann von Lampertheim

Weg mit dem Müll!

— 18.03.2002

Der Saubermann von Lampertheim

Deutschland räumt auf: Städte und Gemeinden kämpfen gegen den Müll auf unseren Straßen. Im hessischen Lampertheim ein Vollzeitjob.

Diesterweg und seine Saubermänner

Falsche Stadt, ganz sicher. Für eine Geschichte über Müll ist das hier definitiv die falsche Stadt. Lampertheim, meine Güte, da klingt doch schon der Name nach Ordnung und Sauberkeit. Da heißen die Hotels noch "Deutsches Haus" und "Kaiserhof". Da ist die Fußgängerzone nach 20 Uhr fast menschenleer. Und da findet man auf dem Weg vom Bahnhof ins Zentrum nicht eine weggeworfene Kippe. Wieso, um alles in der Welt, brauchen die einen Saubermann?

Lampertheim ist eine 32.000-Seelen-Stadt in Hessen und ein gutes Beispiel dafür, dass sich endlich etwas tut mit dem Müll auf unseren Straßen. Wurde ja auch Zeit: Allein auf den Autobahnen werden jährlich 52.000 Tonnen weggeworfen. Nicht in die Mülleimer, sondern aus dem Fenster. Motto: Wirf und weg.

Aber jetzt ist Schluss, Deutschland räumt auf. Viele Städte und Gemeinden legen harte Strafen fest, stellen Müllsheriffs ein und machen Jagd auf die Dreckspatzen. Lampertheim auch. Ordnungsamt-Mitarbeiter Götz Diesterweg (49) ist hier seit Jahresbeginn der Saubermann, und zwar hauptberuflich, mindestens acht Stunden am Tag, mindestens fünf Tage die Woche, bei Bedarf auch gern mal länger. Da isser nich so. Nur: Was soll der Mann im scheinbar so ordentlichen Lampertheim denn finden?

500 Euro Bußgeld vom Ordnungsamt

"Sie, da werden Sie sich wundern", hesselt der gelernte Kfz-Mechaniker und startet sein weißes Müllmobil. Mit Tempo 20 kriecht Diesterweg im Seat Inca durch den Morgenverkehr, den Blick auf den Straßenrand gerichtet. Schon nach wenigen Minuten ein abrupter Halt an einem kleinen Waldstück: Direkt an der Straße liegen zwei blaue Müllsäcke, angefault und aufgerissen.

Leere Sektflaschen kommen da zum Vorschein, Würstchengläser, Katzenfutterdosen. Ekelig, dreckig und angeschimmelt. Aber kneifen gilt nicht: Diesterweg muss einen Blick in den Sack werfen, um den Übeltäter eventuell zu überführen. "Manche Leute werfen aus Versehen die Briefumschläge mit ihrer Adresse drauf gleich mit weg", sagt Diesterweg. Klingt dämlich, ist es auch. Den Müllsündern drohen ein unangenehmer Besuch vom Saubermann - und bis zu 500 Euro Bußgeld vom Ordnungsamt.

"Sie, das nehmen wir gleich mit", entscheidet Diesterweg. Früher wäre der Bauhof mit zwei Arbeitern angerückt, jetzt lädt der Müllfahnder die beiden Säcke in seinen Kastenwagen. Selbst durch die Trennscheibe müffelt es daraus noch in die Fahrerkabine. Dreck, lass nach!

Harte Zeiten für die Schmutzfinken

Auf dem Weg zum Sammelplatz hält Diesterweg plötzlich neben einem roten Golf GTI. Der TÜV ist überfällig, die Steuerplakette abgekratzt. Auch das ein Fall für den Saubermann: Der Golf-Fahrer bekommt einen roten Aufkleber an die Scheibe und sieben Tage zum Entfernen des Wagens.

Andernfalls rückt der Abschleppwagen an. Garantiert. Diesterwegs Motto: "Man kann mit mir reden, aber nicht verhandeln." Vor allem nicht, wenn es um schwerere Umweltsünden geht. Als er an der Landstraße nach Worms einen Kanister Altöl und eine Autobatterie entdeckt, wird der Mann zornig. "Stellen Sie sich mal vor, hier spielen Kinder. Wenn da eines die Batteriesäure ins Auge bekommt ..." Mit Reden ist es dann nicht mehr getan. "Sie, wenn ich den erwische, der bekommt gleich eine Anzeige."

Diesterweg will sich künftig auch mal nachts an beliebten Müllabladeplätzen auf die Lauer legen. Und demnächst einen sieben Wochen langen Lehrgang zum Hilfspolizisten besuchen. "Dann kann ich eine illegale Müllentsorgung an Ort und Stelle ahnden." Das werden harte Zeiten für die Schmutzfinken.

Tut aber auch Not: Bis zum Dienstschluss findet der Saubermann noch drei Fernseher, ein Radio, ein Tonbandgerät, 40 Bodenplatten, zwei Fahrräder, Autoreifen, Altkleider und Dutzende Müllsäcke. Alles an einem Tag - im scheinbar so ordentlichen Lampertheim.

Der Kampf gegen den Müll

Keine Schonzeit mehr für Umweltflegel: Der Deutsche Städtetag fordert härteres Durchgreifen gegen Müllsünder - und trifft auf breite Resonanz. In Frankfurt zum Beispiel fahnden 120 Mitarbeiter des Ordnungsamtes und kassieren saftige Strafen (20 Euro für eine Zigarettenkippe), in Hamburg sollen Politessen künftig auf saubere Straßen achten, selbst die Kleinstadt Delmenhorst in Niedersachsen hat zwei Mitarbeiter nur für die Mülljagd abgestellt. Und: Die "Aktion Saubere Landschaft" (Kaiserswerther Str. 115, 40880 Ratingen) prämiert bis zum 2. Mai Aktionen gegen den Müll mit bis zu 7500 Euro.

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