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Wehrlein zwischen Formel 1 und DTM

— 27.06.2015

Pascals (fast) perfekte Woche

Besser kann es kaum laufen: Nach zwei erfolgreichen Testtagen in der Formel 1 gewinnt Pascal Wehrlein für Mercedes den ersten DTM-Lauf am Norisring.

Für Pascal Wehrlein waren die letzten sieben Tage eine Woche der Superlative. Nach dem Formel-1-Test in Spielberg am Dienstag und Mittwoch, folgte am Samstag gleich beim ersten DTM-Lauf am Norisring der Sieg beim prestigeträchtigen Stadtrennen. Eine perfekte Woche also? „Fast perfekt“, erklärt Wehrlein mit einem Schmunzeln. „Wir haben ja morgen noch ein Rennen. Wenn morgen da am Ende das gleiche Resultat steht, dann kann man sich noch mehr freuen“, sagt der Sieger vom Samstag. Der Hunger nach Erfolgen ist scheinbar noch nicht gestillt, getreu dem Motto: Immer weiter, unermüdlich weiter...

199 Runden Formel 1

Unter der Woche war Wehrlein in Spielberg beim Test noch im Formel-1-Mercedes unterwegs

An Beschäftigungsmangel leidet Wehrlein aktuell nicht. Unter der Woche saß der 20-Jährige in Österreich noch im Formel-1-Boliden. Absolvierte erst 132 stattliche Runde für Force India, am Tag darauf raste er nach 67 weiteren Umläufen zur Tagesbestzeit im Mercedes. Test- und Simulatorfahrten erledigt der Deutsche für die Silberpfeile und ist somit direkt am Erfolg von Nico Rosberg und Lewis Hamilton in der Königsklasse beteiligt. Als er kürzlich in einem Twitter-Interview von einem Fan gefragt wurde, welchen der beiden F1-Stars er denn lieber als Teamkollegen hätte, antwortete Wehrlein übrigens ganz selbstbewusst: "Völlig egal - solange ich das Formel-1-Auto fahre!"

Die Umstellung zwischen den verschiedenen Motorsport-Welten ist für Schichtarbeiter Wehrlein dabei allerdings nicht immer ganz einfach. „Zwar gewöhnt man sich sehr schnell an ein Auto - aber ich in meinem Fall muss mich dann ja immer wieder umgewöhnen, weil es wirklich zwei komplett unterschiedliche Autos sind“, erklärt er im Gespräch mit AUTO BILD MOTORSPORT. Einfach den Schalter umlegen, das geht nicht. „Vor allem am Anfang merke ich das. Es ist immer wieder anders, ins Auto zurückzukommen, denn man muss erst wieder das Gefühl für die Reifen und für die Limits des Fahrzeugs entwickeln.“
So lief das Rennen am Norisring: Wehrlein siegt bei Vierfach-Erfolg für Mercedes



Wehrlein: „Das macht es auf beiden Seiten nicht einfach umzusteigen - vom DTM-Auto ins Formel-1-Auto und wieder zurück.“ Doch die Perspektive für die Zukunft lässt Wehrlein auf größere Aufgaben hoffen, der endgültige Sprung in die Königsklasse bleibt sein Ziel. Schritt für Schritt jedoch. Auf die Frage was schöner ist, in der Formel 1 zu testen oder der DTM zu siegen, antwortet der Mercedes-Youngster: „In der DTM zu siegen... denn dann kann ich vielleicht bald noch mehr in der Formel 1 testen!“

Norisring-Sieg eine Teamleistung

Das i-Tüpfelchen: Wehrlein darf auf dem Norisring den Siegerpokal in die Höhe stemmen

Wird die DTM-Welt also bald zu klein für den Aufsteiger? Fast hätte man diesen Eindruck bekommen können, als Wehrlein am Samstag auf dem Norisring lässig zu seinem zweiten Karriere-Sieg cruiste. „Dafür muss ich mich aber ausschließlich beim Team bedanken. Ich hatte heute viel Glück“, so der Mercedes-Pilot, der verrät: „Ich wollte wie die anderen auf Regenreifen losfahren, mein Ingenieur hat mich jedoch zu Slicks überredet.“ Im Nachhinein erwies sich die Entscheidung als Glücksgriff. Auch, weil Wehrleins direkte Konkurrenten um den Sieg allesamt Marken-Kollegen waren.

„Teamkollegen kann man immer länger standhalten als Fahrern von anderen Marken“, weiß auch Wehrlein. „Man darf dann davon ausgehen, dass es keine dummen Aktionen gibt. Mit vier Fahrern an der Spitze sind wir natürlich kein großes Risiko mehr eingegangen.“ Der Nichtangriffspakt verhalf Wehrleins Reifen-Poker zum großen Wurf. „Am Ende haben beide Strategien funktioniert, meine war allerdings deutlich riskanter, denn die anderen Fahrer hatten am Schluss bessere Reifen. Da kommt man schon ins Schwitzen“, beschreibt Wehrlein die Herausforderung, die er am Samstag trotzdem ganz cool meisterte - und sich deshalb wohl auch in Zukunft weiterhin abseits der DTM beweisen darf.

Autor: Frederik Hackbarth

Fotos: Picture-Alliance

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