Weiterbildung in Amerika

Glock läßt US-F1 zittern Glock läßt US-F1 zittern

Weiterbildung in Amerika

— 06.04.2005

Glock läßt US-F1 zittern

Nach seinen guten Vorsaison-Tests will Timo Glock bei den ChampCars angreifen. Seine Saisonziele: bester Rookie und die Stars ärgern.

Im Bewußtsein der eigenen Stärke

Echte Freude schwingt in der Stimme mit: "Endlich wieder Rennen fahren!" Timo Glock (23) ist erleichtert. Und freudig aufgeregt. Die Ungewißheit ist vorbei. Einen Testjob in der Formel 1 bei Jordan hätte er haben können. Aber er wollte nicht mehr hinterherfahren. So wie im letzten Jahr, als er vier Grand Prix im hoffnungslos unterlegenen Auto von Eddie Jordan absolvierte, dabei durch glückliche Umstände (Wertungsausschluß der BMW-Williams in Kanada) sogar zwei Punkte einheimste.

Jetzt greift der AUTO BILD MOTORSPORT-Fahrer wieder an. In der ChampCar-Serie, mit einem Lola-Cosworth des Teams Rocketsport. Und wie. Ohne lange Eingewöhnungzeit trumpfte Glock in der sogenannten Vorsaison auf. Bei seinem ersten Test in Fontana gehörte er sofort zu den Schnellsten. In Sebring, bei der letzten offiziellen Probefahrt vor dem Saisonstart am 10. April in Long Beach, legte er ganz unbekümmert eine Tagesbestzeit hin. In der amerikanischen Formel 1 beginnt bereits das große Zittern vor dem (noch) unbekannten Deutschen. Erobert da etwa nach Basketball-Star Dirk Nowitzki ein neues "German Wunderkind"den US-Sport?

"Langsam", bremst Timo Glock und ist erst mal froh, "daß ich wieder eine Chance bekomme, mich in Szene zu setzen. Mein Team macht ganz offenbar einen hervorragenden Job." Mit seinem extravaganten Teamchef Paul Gentilozzi versteht sich der im niedersächsischen Lohne/Dinklage heimisch gewordene Odenwälder ebenso gut wie mit seinem Renningenieur David Watson. Das stärkt das Selbstbewußtsein, das macht zuversichtlich. "Ich will bester Neueinsteiger in der Serie werden, mindestens ein Rennen gewinnen und die Stars ein bißchen ärgern", formuliert Glock seine Saisonziele. Nicht großspurig, eher beiläufig. Ganz im Bewußtsein der eigenen Stärke eben. Denn bei den ChampCars hat der Fahrer weit mehr Einfluß auf den Erfolg als in der Formel 1.

Mehr Überholmanöver, mehr Spaß

16 Piloten hatten zwei Wochen vor dem ersten Saisonstart ihr Cockpit fix. Mit Top-Stars wie Bourdais (26, zehn Siege, Meister 2004), Tracy (36, 28 Siege, Meister 2003), Cristiano da Matta (31, elf Siege, Meister 2002, zuletzt F1 für Toyota) oder Jimmy Vasser (39, zehn Siege, Meister 1996) bekommt es Glock in den USA zu tun. Aber auch mit Rookies wie Marcus Marshall (26), Andrew Ranger (18) oder dem früheren F1-Piloten Jos Verstappen (33). 20 Autos, hoffen die Organisatoren, werden es beim ersten Rennen insgesamt sein. Die sich technisch übrigens weitgehend gleichen. Das verlangt das Regelwerk.

Cosworth-Motoren (2,65-l-V8-Turbo, ca. 850 PS), Slick-Reifen (Bridgestone), Stahlbremsen, Front- und Heckflügelprofile sind identisch. Außerdem vertrauen alle Teams auf Chassis von Lola. Das sorgt für große Leistungsdichte. Ebenso wie die Tatsache, daß die elektronischen Steuergeräte für die Motoren vor jedem Rennen den Autos zugelost werden. "Die Aerodynamik ist nicht so sensibel wie in einem Formel 1. Man kann viel besser Überholen", freut sich Glock. "ChampCar fahren macht jede Menge Spaß."

Start ist in Kalifornien. In den Straßen von Long Beach. Für Glock das erste kleine Problem seines US-Abenteuers: Er kennt die Strecke nicht. "Ich schaue mir noch ein Video vom letzten Rennen hier an", grinst Glock. Wichtiger ist da wohl Donnerstag die erste Streckenbegehung vor dem Rennen. "Ich muß lernen, wo die Bodenwellen sind, wo die Bremspunkte." Und, entscheidend, wieviel Raum bis zur nächsten Mauer ist ...

Zaghafte Hoffnungen in der Lausitz

Der Ernst beginnt am Freitag mit dem ersten Qualifying. Dann müssen sich auch Glocks Konkurrenten an einige Neuigkeiten gewöhnen. Das Training Freitag und Samstag wurde um jeweils 15 Minuten verkürzt – für mehr Action auf der Strecke. Nicht die einzige Regeländerung in diesem Jahr. Markanteste Neuerung: Das bisher obligatorische Boxenstopp-Fenster wurde abgeschafft. Nun bestimmen allein die Teams über ihre Strategie. Das soll mehr Spannung in die Rennen bringen.

Ob's funktioniert, bekommen deutsche Fans in diesem Jahr auch wieder am Bildschirm mit. Eurosport hat sich die ChampCar-Rechte für die nächsten drei Jahre gesichert. Sieben der 14 Rennen werden 2005 live übertragen, die anderen zeitversetzt in voller Länge. Kommentatoren sind wieder das bewährte Duo Manfred Jantke und Stefan Heinrich. 2006 sollen alle Rennen live zu sehen sein. Nach jahrelangem Überlebenskampf beginnt die Serie dann wieder zu expandieren. Ein Rennen in China (Peking) ist bereits fest vereinbart, eines im japanischen Otaru (nördlich Sapporo) soll 2007 folgen.

Auch am EuroSpeedway in der Lausitz gibt es wieder zaghafte Hoffnung auf ein Comeback der ChampCars. Noch sprechen die Kosten dagegen. Knapp zehn Millionen Euro für Antrittsgeld, Reise-, Fracht- und Veranstaltungskosten würden das Spektakel teuer werden lassen. Zuviel für die chronisch finanzschwache Rennstrecke. Aber mit Timo Glock hat man jetzt endlich ein nationales Zugpferd.

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