Weltrekord mit 321 km/h

Weltrekord mit 321 km/h auf Eis Weltrekord mit 321 km/h auf Eis

Weltrekord mit 321 km/h

— 16.03.2007

Nobler Eisbrecher

Mit einem 560 PS starken Bentley Continental GT knackte Rallye-Ass Juha Kankkunen den Geschwindigkeitsrekord auf Eis: 321 km/h!

Weiß, so weit das Auge reicht. Die Sonne schimmert verschwommen durch den trüben Himmel, lässt einen schmalen, bläulichen Streifen aufblitzen, der sich durch die flache Schneewüste zieht. Der Wind pfeift stetig, wirbelt immer wieder den pulvrigen Schnee auf. Dann rauscht es vehement aus einer Richtung, lauter und lauter. Ein pechschwarzer Bentley Continental GT nähert sich wahnwitzig schnell. Wie aus dem Nichts fegt er über die Piste im Schnee, die bis auf das darunter liegende Eis frei gekratzt ist. Hinter dem Steuer sitzt der vierfache Rallye-Weltmeister Juha Kankkunen. Sein Ziel: das Guinnessbuch der Rekorde. Und dafür muss er schneller sein als 296,34 km/h, die bisher eingetragene Höchstgeschwindigkeit auf Eis.

Zwölf Kilometer über das Meer

MAT-Team (Mäkela Auto-Tuning) hat schon viele Motorsport-Disziplinen in Skandinavien gewonnen. Doch diesmal gilt es, sich mit völlig anderen Vorraussetzungen anzufreunden. Keine Rennstrecke, sondern das zugefrorene Meer muss mit Vollgas befahren werden. Möglich ist das nur im hohen Norden, wie hier, am Golf von Bothnia. Zwischen Schweden und Finnland, einfacher gesagt unter dem Bauch des sibirischen Tigers, sind die Bedingungen ideal: Minus 30 Grad Celsius haben die Wellen erstarren lassen und eine 70 Zentimeter dicke Eisschicht auf die hohe See gezaubert. Eine zwölf Kilometer lange Strecke räumten die Rekordjäger vom Schnee. Kankkunen muss Anlauf nehmen, denn die Durchschnittsgeschwindigkeit auf einem festgelegten Kilometer zählt. In beiden Richtungen gemessen, alles innerhalb einer Stunde.

Bloß in der Spur bleiben

Eisbrecher: Der Bentley erreichte kurzzeitig sogar 331 km/h.

560 PS starke Sechsliter-W12 steht seit fünf Kilometern unter Vollgas, hat den Bentley langsam, aber stetig beschleunigt. Juha Kankkunen weiß, dass es jetzt darauf ankommt, keinen Fehler zu machen. Mit maximaler Geschwindigkeit erreicht er die Startmarkierung der Messstrecke. Das Lenkrad festhalten, bloß den Geradeauslauf beachten. 90 Meter legt der fast serienmäßige Continental GT jetzt innerhalb einer Sekunde zurück. Jedes kleinste Zucken würde ihn aus der Spur bringen. Doch Kankkunen, der Mann mit ewigem Schnäuzer, bleibt cool. 331 km/h hatte er zwischendurch kurz auf dem Tacho. So schlecht kann der Schnitt nicht werden. Hinter der Zielmarkierung braucht er 500 Meter, um zu bremsen. Ohne Spikes in den serienmäßigen Winterreifen für den skandinavischen Markt würde nichts gehen. Der Bentley dreht – auf geht's zum Durchgang in Gegenrichtung.

Ein Rekord für das Regal

Neuer Rekord: Juha Kankkunen freut sich auf den Guinness-Eintrag.

Die Messelektronik liefert Gewissheit: Genau 321,65 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit aus beiden Läufen, neuer Rekord. "Der Bentley lief tadellos", freut sich Kankkunen, nachdem er ausgestiegen ist. "Ich bin erstaunt, wie stabil und sicher er sich bei diesen hohen Geschwindigkeiten angefühlt hat. Obwohl die Strecke nicht gerade eben ist und überall verstreuter Pulverschnee lag." Die Finnen sind glücklich. Denn schließlich mussten sie an mehreren Tagen anrücken, um optimale Bedingungen vorzufinden. Jetzt ist es geschafft. Auf natürlichem Eis, weder aufgeraut noch mit Chemikalien behandelt. Denn das hat Guinness so vorgeschrieben. Die nächste Ausgabe des Buches der Rekorde wird ganz bestimmt in Juha Kankkunens Regal stehen.

Autor: Martin Westerhoff

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