Bilder: Werbepannen von Autoherstellern

Kuh auf einer Wiese Werbung Mini Cooper Roadster

Werbepannen von Autoherstellern

— 16.02.2012

Das ging nach hinten los

Mit ausgefallener Werbung wollen Hersteller auf ihre Autos aufmerksam
machen. Nur blöd, wenn die Werber ihre Ideen nicht zu Ende denken – wie zum Beispiel bei Mercedes und Mini.

In Indien hätte es Boykottaufrufe gehagelt. "Mehr als 200 Pferde und weniger Emissionen als eine Kuh" – mit diesem Slogan hat Daimler die neue M-Klasse beworben. Eine Beleidigung, fand aber auch die Landwirtschafts-Lobby hierzulande, wo die Rindviecher nicht heilig sind. Kühe produzierten "hochwertige Nahrungsmittel für die Menschen", schrieb erbost der Bauernverband. "Eine Leistung, mit der Ihr Geländewagen nicht konkurrieren kann." Besonders blöd: Legt man den AUTO BILD-Testverbrauch zugrunde, ist der Kuh-Vergleich der Werber nicht nur schräg, sondern schlicht falsch. Daimler entschuldigte sich nun für die "überspitzte" Formulierung und zog die Anzeige zurück.

Übersicht: Alle News und Tests zur Mercedes M-Klasse

Auch diese Werbung von Mini ging nach hinten los: Statt Lust auf Frischluftfahrten brachte Hoch "Cooper" nur eisige Kälte.

Der Fall ist aktuell nicht die einzige Werbepanne eines Autoherstellers. Mini versuchte mit dem Lieblingsthema der Deutschen zu punkten – dem Wetter. Wäre auch zu schön gewesen: Zum Marktstart des neuen Roadster strahlt der kleine Sportflitzer mit der Sonne um die Wette, und das verantwortliche Hochdruckgebiet hört auf den Namen "Cooper". "Mini macht das Wetter", war stolz auf der Website der BMW-Tochter zu lesen, in deren Auftrag eine Werbeagentur die Namensrechte gekauft hatte. Ärgerlich nur, dass Hochdruckgebiete im Winter häufig vor allem eines bedeuten: klirrende Kälte. "Cooper" war plötzlich verantwortlich für geplatzte Wasserleitungen, Stromausfälle und Hunderte Kältetote in Europa. BMW bedauerte zerknirscht.

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"Ich glaube nicht, dass das einen negativen Effekt hatte", meint derweil Thomas Heun, Professor für Markenkommunikation und Werbung. Zwar habe man das gewünschte Ziel verfehlt, aber beide Marken hätten schnell und richtig reagiert. Kreativität, Lautstärke oder wie im Fall Mini der Versuch, das Image der Marke durch Guerilla-Aktionen positiv aufzuladen. "Das erste Ziel von Werbung besteht darin durchzudringen", sagt Heun. Aufmerksamkeit um jeden Preis – mit diesem Motto machten auch in den vergangenen Jahren Autohersteller von sich reden. Bei Renaults "Rackerwochen" stieg der gewährte Rabatt mit der Anzahl der Kinder. Chevrolet ließ seine Kunden für Preisnachlässe gar zum "Froschhopping" antreten. Kirchenvertreter waren damals von der "Dressur" verärgert. Bei BMW werden sie derweil besonders gespannt dem Wetterbericht lauschen. Nach Hoch "Cooper" wird nämlich schon bald Tief "Minnie" unser Wetter bestimmen.

Autor: Benjamin Gehrs

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