Werkstatt-Recht

Wenn Richter reparieren

Werkstatt-Recht

— 15.04.2003

Wenn Richter reparieren

Pfuschen, mogeln, abkassieren: Streit mit der Werkstatt ist alltäglich. So setzen Sie Ihre Rechte durch.

Worüber oft gestritten wird

Sein Schätzchen zum Nachsehen oder zur Reparatur in die Werkstatt bringen, das ist für viele Autofahrer fast so schlimm wie ein Zahnarztbesuch. Wer sieht schon, wo die bohren, schrauben, spachteln? Und dann die gepfefferte Rechnung! Reklamation ist Kundenalltag, und oft müssen Richter Streit entscheiden. Hier die häufigsten Fälle vor Recht und Gesetz.

• Eine berechnete Arbeit wurde tatsächlich gar nicht ausgeführt, ein aufgeführtes Teil nicht getauscht. "Dann besteht natürlich kein Anspruch auf Bezahlung dieses Postens", so AUTO BILD-Rechtsexperte Rolf-Peter Rocke, "er kann aus der Rechnung genommen, erstattet oder nachträglich ausgeführt werden."

• Eine Reparatur wurde nicht fachgerecht ausgeführt, häufig bei Unfallschäden. Blech bleibt wellig, Teile sitzen schief, die Spur ist falsch eingestellt. In diesen Fällen muss die Werkstatt nachbessern, bis die Arbeit nach dem Stand der Handwerkskunst fachgerecht ausfällt. Gelingt ihr das nicht, kann der Kunde den Fehler woanders beheben lassen, die Werkstatt muss die Kosten erstatten. Alternativ kann der Kunde auch den Werklohn mindern.

• Doch oft stellt sich Pfusch erst später heraus. Beispiel: Eine Scheibe wurde ersetzt, der Rostschutz am Rahmen darunter aber vergessen. Dann kommt es darauf an, wie schnell sich Folgen zeigen. Nach dem seit 2002 geltenden Recht muss die Werkstatt zwei Jahre lang Sachmängelhaftung leisten, kann diese Frist in ihren Reparaturbedingungen aber auf ein Jahr verkürzen. Erkennt die Werkstatt den Mangel nicht in dieser Frist an oder sagt sie nicht die Prüfung zu, muss vor Fristablauf Klage eingereicht oder zumindest ein gerichtliches Beweissicherungsverfahren eingeleitet werden.

Tipps für den Werkstatt-Besuch

• Häufiger Ärger: Ein Fehler wird zwar behoben – aber erst nachdem im Nebel der möglichen Ursachen gestochert wurde und dem Kunden auch dafür die Rechnung präsentiert. Grundsätzlich gilt: Ist eine Fehlerursache nicht eindeutig, kann die Werkstatt auch Schritte abrechnen, die mögliche Fehlerquellen ausschließen. Sie muss dabei aber nach den anerkannten Regeln des Handwerks sinnvoll vorgehen. Wird etwa zum Beheben eines Motorruckelns erst nach Austausch des Steuergerätes sowie der Zündkerzen ein verdreckter Luftfilter als Ursache erkannt, muss der Kunde auch nur den Filter bezahlen.

Denn die Werkstatt hätte diesen als billigstes Teil zuerst tauschen müssen. Das klingt gut, doch die Lebenserfahrung zeigt: Recht haben und Recht bekommen sind oft zweierlei. Vor einem guten Anwalt sollte sich der Autofahrer deshalb erst eine gute Werkstatt suchen, auf (vermeintliche) Billigangebote verzichten. Denn Vertrauen entscheidet – in der Werkstatt wie beim Zahnarzt.

Tipps für den Werkstatt-Besuch Vor allem wichtig: Zeit nehmen, das gilt für die Auftragserteilung wie die Abnahme. Am besten den Wagen persönlich abgeben. Die zu erledigenden Arbeiten mit dem Meister nicht am Schreibtisch, sondern am Fahrzeug durchsprechen. Pauschalaufträge ("TÜV-klar machen") vermeiden. Für den Fall, dass die Kosten den voraussichtlichen Rahmen übersteigen, Rückruf vereinbaren. Bei Abholung gilt: Nicht einfach mit dem Auto vom Hof fahren, sondern die erledigten Arbeiten anhand der Rechnung am Auto erläutern lassen. Mängel sofort reklamieren, die Arbeit dann nicht abnehmen. Bei Streit zuerst die Schiedsstelle des Kfz-Handwerks (Handelskammer) einschalten.

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