BMW i3 beim Flaggenhändler

Wertverfall bei Elektroautos

— 04.04.2014

Morgen Elektroschrott?

Ob BMW i3 oder VW E-Golf: Der aktuellen Elektroauto-Generation droht die
Entwertung. Die Reichweite wächst rasant, und die Batteriekosten sinken.

Geschmeidig und kraftvoll – im direkten Vergleich lässt der neue VW E-Golf seine konventionellen Geschwister alt aussehen. Von zwei eklatanten Nachteilen mal abgesehen: der mit 130 bis 190 Kilometern zu geringen Reichweite und dem mit 34.900 Euro zu hohen Preis. Alles wird besser, verspricht jetzt Volkswagen-Entwicklungsvorstand Heinz-Jakob Neußer. Was optimistisch klingt, wird wahrscheinlich beim Wiederverkauf zum Bumerang für die Besitzer. Deut­liche Sprünge bei der Batterieentwick­lung können zu einem hohen Wertverlust der zurzeit topmodernen Autos führen.

Stromspeicher wachsen, Preise sinken

"Die Restwerte von E-Autos liegen um 25 bis 30 Prozent niedriger", sagt Bettina Heinen von LeasePlan.

Konkret redet Neußer von einem Stromspeicher, der statt der 24,2 Kilo­wattstunden (kWh) im heutigen E-Golf "bald" 40 kWh fasst. Genug für bis zu 315 elektrische Kilometer. Was genau "bald" ist, verrät Volkswagen nicht. Bis Ende des Jahrzehnts, sagt die Pressestelle. Ein führender VW-Manager erwartet den nächsten Schub in der Batterietechnologie schon 2016. Gleichzeitig fallen die Kosten wegen der beginnenden Massenproduktion und optimierter Fertigungsverfahren. Branchenkenner berichten hinter vor­gehaltener Hand von Systempreisen unter 300 Euro pro gespeicherter Kilo­wattstunde. Mitsubishi etwa hat den Listenpreis für seinen elektrischen Kleinwa­gen seit Markteinführung um 32 Prozent auf nun 23.790 Euro gesenkt. Opel ruft für den Ampera statt 43.900 Euro nur noch 38.300 Euro auf. "Wir gehen bei Elektroautos von Restwerten aus, die um 25 bis 30 Pro­zent unter denen ursprünglich gleich teurer Standardfahrzeuge liegen", sagt Bettina Heinen vom weltgrößten Lea­singanbieter LeasePlan. Das Unter­nehmen hat über 1,3 Millionen Fahr­zeuge im Markt. Stromer sind nur im Promillebereich dabei. Exakte Schät­zungen veröffentlicht man darum mangels Erfahrung nicht, verweist aber auf die radikalen Entwicklungen bei Elektronikprodukten wie Digital­kameras oder Flachbildfernsehern.

Upgrade bei Batterien?

Eckhard Fahlbusch vom Bundesver­band Elektromobilität sieht die Gefahr einer Entwertung dagegen nicht: "Die Hersteller geben lange Garantien auf die Batterien." Beim E-Golf et­wa sind es acht Jahre oder 160.000 Kilometer. "Wir sprechen also von 2022. Der scheinbar negative Effekt sinkender Preise bei steigender Kapazität kommt dann auch den Bestandsautos zugute", so Fahlbusch. Wenn der Neuwagen-Akku günstig und speicher­stark ist, ist er das für den Gebrauchten als Ersatzteil genauso. Aus technischer Sicht ist also auch ein Upgrade vorstellbar – vorausge­setzt, zukünftige Batteriesysteme wer­den, wie in der Softwarebranche üblich, abwärtskompatibel konstruiert. Bei Volkswagen jedenfalls gibt man sich gelassen: "Sollte der Markt Nachrüst­lösungen fordern, werden wir diese zu einem späteren Zeitpunkt anbieten."

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.