Wiesel 2 San Typ gegen VW Sharan TDI

Wiesel 2 gegen Sharan TDI Wiesel 2 gegen Sharan TDI

Wiesel 2 San Typ gegen VW Sharan TDI

— 27.06.2002

Wiesel gegen Diesel

Der eine transportiert Soldaten, der andere die Familie. Beiden gemeinsam ist der Motor: ein 1,9-Liter-Diesel von VW.

20 Jahre Ersatzteil-Garantie

Die Frage meines Chefs war eindeutig: "Haben Sie gedient?" "Nee, wieso? Soll ich nach Kabul?" "Später, aber erst mal fahren Sie nach Kiel." Dort sitzt Rheinmetall Landsysteme, eine Tochter des Düsseldorfer Rheinmetall-Konzerns. Und die bauen den Wiesel 2. Kein Panzer, sondern, wie ich belehrt werde, ein hochmobiles, leicht gepanzertes, luftverladbares Kettenfahrzeug, das auch in unwegsamem Gelände schonend und unter Schutz Verletzte retten kann. Okay. Dann ist der Sharan so was wie ein beschränkt mobiles, mehrspuriges Kraftfahrzeug, das auf mittelfesten Untergründen unter Papis Schutz bis zu sechs Gören zur Schule oder zum Fußball befördern kann.

Kaum zu glauben: Beide besitzen den gleichen Antrieb, den 1,9-Liter-Diesel-TDI. Unterschiedlicher kann man solch ein Aggregat wohl kaum verwenden. 110 PS sind es im Wiesel, 115 im Sharan. Doch einfach nur den Vierzylinder in den Panzer setzen und fertig ist nicht. Der Kunde, in diesem Fall unsere Bundeswehr, hat so ihre eigenen Vorstellungen. Sie verlangt beispielsweise höchste Dauerhaltbarkeit und bis zu 20 Jahre eine reibungslose Ersatzteilversorgung. Daher darf in der Zwischenzeit am Motor nichts geändert werden.

Im Wiesel sitzt der Selbstzünder tief unten, gekapselt und geschützt, die Motorhaube ist mit Stahlplättchen verschraubt. Die Kraftübertragung erfolgt über ein Automatikgetriebe von ZF. Angetrieben werden nur die vordersten Räder, der Rest läuft über die Kette mit.

1,9-Liter Hubraum für vier Tonnen Stahl

Zeit zu fahren: Einstieg von oben wie in einen Gullischacht. Es ist eng, unbequem und unübersichtlich. Das Steuerrad, Lenkhändel oder salopp "Brezel" genannt, fühle ich nur auf den Oberschenkeln, den Hebel für die Fahrstufen erspähe ich links irgendwo in den Tiefen zwischen Blech und Dutzenden von Leitungen.

Was für ein Krach! Und ich habe noch Glück, bei offener Luke fahren zu dürfen. Wehe, es heißt: Deckel dicht. Die Orientierung läuft dann nur über Sehschlitze. Das Anfahren erfordert Gefühl. Zu groß sind all die Widerstände (Ketten, Hydraulik). Rasselnd sprintet der Wiesel los. Imposant für vier Tonnen. Die Lenkung ist so direkt wie im Gokart, braucht Gewöhnung.

Bis zu 70 km/h rennt der Wiesel auf der Straße. Jetzt vorsichtig bremsen. Die Verzögerung ist enorm. Ein zu fester Tritt, und die Ketten würden blockieren. Nicht gesicherte Passagiere fänden sich augenblicklich mit Knochenbrüchen an den harten Stahlwänden wieder. Fragt hier jemand nach ABS? Will der Wiesel wenden, reicht beim Automatikhebel die Stellung "W". Dann läuft eine Kette vorwärts, die andere rückwärts, das Gefährt dreht praktisch "auf dem Teller".

Keine Chance hätte der Sharan auch auf den so genannten APG-Höckern (Nato-Einheitsbahn). Unscheinbare Metallbuckel, die aber so fies montiert sind, dass sie den Wiesel zum Fliegen bringen und den Sharan mit schwersten Rahmenschäden zerstören würden.

Technische Daten

Ich überstehe den "Einsatz" in Kiel unbeschadet und denke, wie viel Hightech und Knowhow doch notwendig sind, um bei Bedarf Soldaten in Krisengebieten zu schützen beziehungsweise zu retten. Und steige in den Sharan, um gemütlich wie zu Hause auf dem Sofa zurück nach Hamburg zu fahren. Manchmal kann es auch gut sein, nicht gedient zu haben. Obwohl: Der Wiesel wäre fast ein Grund, es nachzuholen.

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