Wiesmann GT

Wiesmann GT Wiesmann GT

Wiesmann GT

— 03.05.2004

Der GT vom Telgenkamp

Schwarz, breit und stark – so präsentiert sich der Prototyp des Wiesmann GT. Offiziell kommt er erst im August auf die Straße. AUTO BILD test & tuning hatte die Gelegenheit, ihn schon jetzt zu fahren.

Pralle Rundungen wie Jennifer Lopez

Dülmen, seien wir ehrlich, das klingt ein wenig provinziell. Und wer die "Stadt der Wildpferde und Radwanderer" (Eigenwerbung) am Rande der A 43 von Münster nach Recklinghausen besucht, findet sein Vorurteil weitgehend bestätigt. Eine Manufaktur exklusiver Sportwagen erwartet man hier nicht. Fündig wird man auch erst außerhalb: Hier, im Industriegebiet Telgenkamp, residiert Wiesmann Auto-Sport.

Im hintersten Winkel der zweckdienlichen Flachbauten entsteht gerade ein Sportwagen, der jedem Fan spontan den Puls in die Höhe treibt. Auch wenn es sich bislang nur um einen Prototyp handelt, dessen unfertiger Zustand seinem Konstrukteur Martin Wiesmann sichtlich peinlich ist: "Schauen Sie mal nicht so genau hin!"

Keine Angst, tun wir nicht. So ist das nun mal bei Prototypen. Bei diesen kommt es noch nicht auf optimale Spaltmaße und makellose Lackierung an, sondern auf den ersten Eindruck und das, was drinsteckt. Und so viel können wir auf Anhieb sagen: In beiden Disziplinen kann der Wiesmann GT voll punkten. Denn bei dem mattschwarzen Erstling handelt es sich nicht um einen weich gespülten Pseudo-Sportler im modischen Disco-Design, sondern um einen klassisch gestylten GT. Die bullige Frontpartie mit dem großen Retro-Grill und den winzigen Leuchtlinsen, die endlos lange Motorhaube, der imposante Schwung der Kotflügel und ein Heck, das mit seinen prallen Rundungen ein wenig an Jennifer Lopez erinnert – alles zusammen ergibt vollendete Proportionen.

Überblick: Alle News und Tests zum Wiesmann GT MF4

Weniger sinnlich, aber dafür höchst appetitlich gibt sich der Wiesmann GT unter der Haut. Sein Rückgrat bildet ein Rahmen aus Aluminium-Kastenprofilen, in dem das Herz dieses Autos schlägt. Es hat, wie es sich für einen ordentlichen Sportwagen gehört, acht Zylinder. Es kommt von BMW und sitzt am rechten Fleck – so weit hinter der Vorderachse nämlich, dass es zur optimalen Gewichtsverteilung beiträgt, allerdings auch weit ins Cockpit ragt. Wo folglich nur wenig Platz für die Insassen bleibt.

Wer sich erfolgreich durch den engen Türausschnitt eingefädelt hat, findet sich in einer Sitzposition wieder, die vor allem eines bietet: Seitenführung. Links schmiegt sich die Türverkleidung an Schulter und Ellenbogen, rechts lassen Mitteltunnel und Spritzwand gerade genug Raum. Für die Instrumente war hinter dem winzigen Lederlenkrad kein Platz, sie finden sich auf der massiven Mittelkonsole – nach guter alter BMW-Art blickfreundlich zum Fahrer hin angewinkelt. Und im Gegensatz zum relativ üppig bemessenen Kofferraum (Volumen: 240 Liter) verengt sich der Fußraum nach vorn so extrem, dass gerade noch drei Pedale reinpassen – ähnlich muss sich ein Formel-1-Fahrer in seiner Röhre fühlen.

Gemeinsamkeiten mit der Formel 1 verfliegen jedoch schlagartig mit einem Druck auf den Anlasserknopf, denn hier kreischt kein hoch drehender Zehnzylinder, sondern ein anerkannt guter V8 erhebt seine tiefe Stimme. Bis zum Katalysator ist das Triebwerk identisch mit jenem des neuen BMW-Coupés, Konstruktion und Komposition des Endschalldämpfers dagegen stammen von Wiesmann. Dieser erfreut das Ohr des Fahrers mit genau dem Sound, den eben nur ein Achtzylinder kann: Wohlig grummelnd im Leerlauf, wechselt die Stimmlage mit zunehmender Drehzahl in ein bedrohliches Grollen – und ohne elektronische Traktionskontrolle sollte der Fahrer jetzt sehr konzentriert zu Werke gehen.

Technische Daten im Überblick

Denn die 333 PS haben keinerlei Mühe mit dem gerade mal 1190 Kilo leichten Boliden: Bei Vollgas liegt nach 4,6 Sekunden Tempo 100 an, die Höchstgeschwindigkeit soll in der Gegend von 285 liegen. Selbst ausprobieren wollten wir das sicherheitshalber noch nicht, denn vor dem Produktionsstart im August muss erst noch die Feinabstimmung von Fahrwerk und Aerodynamik erfolgen. Der Termin im Mercedes-Benz-Windkanal ist gebucht, augenfällige Umbauten wird es aber nicht geben. Martin Wiesmann geht davon aus, im Frontbereich mit einer dezenten Lippe auskommen zu können, und auch am Heck soll sich möglichst nicht mehr viel ändern: "Wenn wir wirklich einen Flügel brauchen, wird er ausfahrbar sein."

Mit anderen Worten: Schon jetzt lässt sich absehen, worauf sich die künftigen Besitzer eines Wiesmann GT – die ersten 40 Exemplare sind bereits verkauft – freuen dürfen. Auf ein handgefertigtes Auto mit klassischer Optik und hochkarätiger Technik, dazu eine Akustik, die dieses wunderbare Kribbeln erzeugt. Und die Herkunft? Die ist wirklich kein Problem, Maranello ist schließlich auch eine Kleinstadt ...

Technische Daten • V8 • vier Ventile je Zylinder • Hubraum 4398 cm3 • Leistung 245 kW (333 PS) bei 6100/min • maximales Drehmoment 450 Nm bei 3600/min • Sechsgangschaltgetriebe • Hinterradantrieb • rundum Einzelradaufhängung an Doppelquerlenkern • Länge/Breite/Höhe 4230/1850/1160 mm • Reifen 245/35 ZR 20 vorn, 275/30 ZR 20 hinten • Leergewicht 1190 kg • Beschleunigung 0–100 km/h in 4,6 s • Höchstgeschwindigkeit mehr als 285 km/h • Preis 97.500 Euro

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