Wiking-Modell-Auktion

Hammerharte Wikinger Hammerharte Wikinger

Wiking-Modell-Auktion

— 29.04.2002

Hammerharte Wikinger

Sie sind Sammler mit brennenden Herzen und geben alles für eines: Wiking-Modellautos. Wir haben die Wikinger bei ihrem Stammes-Treffen besucht.

100 Männer, ein Gedanke: Plastik

100 Männer sind mucksmäuschenstill, denn 100 Männer haben jetzt nur das eine im Kopf: Plastik. Fünf Zentimeter lang, fünf Gramm schwer. Altes Plastik, teures Plastik. Vermutlich das teuerste der Welt: Modellautos von Wiking. 18.200 Mark zahlte ein Sammler vor kurzem für ein solches Stück. Der Preis eines Kleinwagens. Und was wird heute geboten?

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Köln-Mülheim, Adamsstraße 21: Ich bin bei der zehnten Spezial-Auktion von Wiking- Modellen. Der Mann mit dem Hammer heißt Carsten Saure (28). Seine Kindheit und Jugend verbrachte er inmitten von Tausenden Modellautos. Zwischendurch: Mathematikstudium. Das reichte, um 1999 sein Auktionshaus für Wiking zu gründen. Ein Volltreffer, weltweit einzigartig. Treffpunkt der harten Sammlerszene. Die lauert jetzt auf ihre Chancen, die Bibel der Begehrlichkeit auf den Knien: den Auktionskatalog.

Seine Kapitel heißen "Vorserien", "Drahtachser", "unverglaste Rollachser", "Werbemodelle" oder "verglaste Pkw". 800 Positionen insgesamt, für alle liegen schriftliche Gebote vor. Das hört sich bei Saure so an: "Die Position 7059, ein Wiking-Werbemodell, Mercedes-Koffer, Limit 75 Euro, erstes Gebot bei mir 820 Euro." "Booah", stöhnt Robert Fischer neben mir, "den hat aber einer unbedingt haben wollen." Meist entwickeln sich blitzschnell Scharmützel zwischen den Bietern, Saure zuckt mit dem Hammer von der einen in die andere Ecke des Saales: "170 sind geboten für den Hanomag, wer bietet 190? 190 da hinten, 210 hier vorn, 230, 270 ..." Am Ende geht der Kleinlaster für 840 Euro weg. Doch längst nicht alle Modelle bringen diese Preise. Für viele fällt der Hammer bei 40, 55, 65 Euro. Für Unverständige, für Unkundige – also für normale Menschen – eine Menge Geld.

K.O.-Kriterium "stark bespielt"

Was sind das für Typen, die so viel Geld für so wenig Auto ausgeben? Schauen wir uns um: Da ist Volker, ein äußerlich ganz normaler Mann. Volker wohnt zur Miete, und in der Pause wickelt er sein neuestes Schätzchen aus: ein offener Jaguar. "Mensch, in Koralle", tönt einer aus der Runde. "Wahnsinn! Das erste Mal, dass ich den sehe. Gibst du den in die nächste Auktion? Der bringt doch locker 5000 Schleifen." "Geld ...", kontert Volker trocken, "... Geld krieg ich bei der Bank, das Modell nicht, das bekomme ich nie wieder." Volker kennt keinen Anreiz, für den er seine Wiking-Sammlung versilbern würde: "Nö, fällt mir jetzt spontan nichts ein."

"Ob einer 300 Modelle hat oder 30.000", sagt Auktionator Saure, "spielt keine Rolle, denn das Herz hängt dran. Und jeder Sammler schätzt den anderen, seine Sammlung, sein Wissen." In den Pausen, die Auktion läuft von zehn Uhr morgens bis fünf Uhr nachmittags, wird der Saal zum Markt der Wikinger-Gemeinde. Lupen und Taschenlampen raus, gucken: "Schau mal durch, ’ne ganz kleine Schramme, aber sonst schier, schööönes Stück. Aber ist der wirklich hellgelbgrau?"

Gunter sammelt Käfer-Cabrios, hat schon 128 davon, sucht weiter. Etwa Einzelstücke, bei deren Herstellung geschlampt wurde. Weil zum Beispiel vergessen worden war, die Scheinwerfer zu silbern. Heute ein Glücksfall für die Sammlung. Andreas hat Scheiben für das Käfer-Cabrio dabei, extra für Gunter. Für einen Zehner wandert "eine Gute" über den Tisch.

Das Problem aller Sammler: die maximal zehn Prozent an Modellen zu finden, die heute noch erhalten sind. "Früher haben die Kinder mit den Autos tatsächlich gespielt", sagt Saure, "deshalb ist der Großteil kaputt." "Stark bespielt" ist tatsächlich ein Fachbegriff für den Ist-Zustand eines Modells.

Fälschern auf der Spur

Deshalb wird Wiking auch gefälscht – wie der Mercedes- Stern. Robert kommt mit zwei identischen blauen Rohkarossen zu mir: "Die sind doch gleich, oder?" Er lässt die eine auf den Tisch plumpsen: "pling". Dann die andere: "plong". Ich höre den Unterschied auf Anhieb. "Plong ist eine Fälschung aus Tschechien", sagt Robert ernst, "ganz plump. Wir sind den Typen auf der Spur."

Bei Saure kommt so etwas nicht auf den Tresen, nur beste Stücke, alle genauestens geprüft, Zustand meist gut bis neuwertig. So wie der Opel- Blitz-Sattelzug, der für 3100 Euro den Besitzer wechselt – als teuerstes Stück des Tages. Als der letzte Hammer fällt, sind die Portemonnaies leer. 100 Männer sind geschafft, 100 Männer sind glücklich. Sie wissen, warum.

Infos für Sammler Der "Gelbe Katalog" ist die Bibel der Wiking-Sammler, er listet auf 1120 Seiten die Modelle seit 1949 auf. Für 30 Euro im Buchhandel; Herausgeber Holger Wanner, Marktpreis- Verlag, ISBN 3-932396- 11-1. Neu: Die Farbkarte zum Katalog zeigt 168 Original-Farben zur genauen Identifizierung; ISBN 3-932396-12-X, Preis: 23 Euro; Info: www.marktpreis-verlag.de

Das jährliche Wiking-Magazin (im Fachhandel) informiert über die Neuheiten; im Internet auch unter www.wiking.de

Die nächste Wiking-Auktion findet am 15. Juni 2002 in Köln statt. Am 14. Juni können die Modelle besichtigt werden. Für diese Auktion ist die Einlieferung bereits abgeschlossen. Weitere Termine 2002 sind der 14. September und der 14. Dezember. Ersteinlieferer sollten rechtzeitig Kontakt aufnehmen: Auktionshaus Saure, Mülheimer Freiheit 94, 51063 Köln, Tel. 02 21/ 6 36 63 37, Fax 0221/ 620 05 01, www.auktionshaus-saure.de

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