ADAC-Crashtest: Wildunfälle

Wildunfall

— 11.05.2016

Wenn das Wild zu nahe kommt

Alle zweieinhalb Minuten stößt in Deutschland ein Auto mit einem Wildtier zusammen. Wie kann man der Gefahr vorbeugen, und was ist zu tun, wenn es zum Wildunfall gekommen ist?

So entzückend die Rehe am Straßenrand sein mögen, auf der Fahrbahn sorgen Bambi und seine Freunde für brenzlige Situationen. Rund 238.000 Wildunfälle zählten die deutschen Kfz-Versicherungen 2014, im Schnitt also fast 650 pro Tag – oder anders gesagt: Alle zweieinhalb Minuten stößt in Deutschland ein Auto mit einem Wildtier zusammen! Der durchschnittliche Wildschaden: 2400 Euro.

Mehrere Tote pro Jahr

Man kann von Glück reden, wenn es nur zu einem Blechschaden kommt. 20 Verkehrstote durch Wildunfälle pro Jahr sind keine Seltenheit. Dazu kommen über 220.000 Rehe, 12.000 Wildscheine und zahlreiche weitere Vierbeiner. Mitunter kann der Straßenverkehr sogar bestandsbedrohend sein: 80 Prozent aller Wildkatzen sterben durch einen Autounfall, bei den Fischottern sind es 70 Prozent.

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Hier sind die Gefahren am höchsten

Prinzipiell können Wildunfälle immer und überall passieren. Besonders hoch aber ist die Gefahr, einem Wildtier auf der Straße zu begegnen, …
 • … an bekannten Pfaden der Tiere, die in der Regel mit entsprechenden Wildwechsel-Warnschildern gekennzeichnet sind.
 • … entlang von Feldrändern und an Waldgrenzen und auf neu gebauten Straßen durch den Wald, die das Wild noch nicht kennt.
 • … während der Morgen- und Abenddämmerung, da die Tiere hier besonders aktiv sind. Insbesondere an den Tagen der Zeitumstellung Ende März, wenn der morgendliche Berufsverkehr plötzlich wieder in die Dämmerungsphase fällt.
• … während der Brunftzeit, da die liebestollen Wildtiere oft weniger scheu sind. Allerdings ist die Brunftzeit von Tier zu Tier unterschiedlich.
• … im April, da die Tiere nach dem Winter wieder vermehrt auf Futtersuche sind.
• … im Oktober, da die Sicht durch die früher einsetzende Dunkelheit ohnehin reduziert ist und viele Tiere bereits auf der Suche nach einem Winterquartier sind.
•… generell in der dunklen Jahreszeit beziehungsweise nachts, da sich die Tiere sicher fühlen und zusätzlich schlechter gesehen werden.

Wie vermeidet man einen Wildunfall?

Vermeiden lässt sich ein Wildunfall, wenn überhaupt, nur durch erhöhte Aufmerksamkeit und geringere Geschwindigkeit. Vor allem wer auf Straßen unterwegs ist, auf denen ausdrücklich vor Wildwechsel gewarnt wird, sollte diese Schilder ernst nehmen und sein Tempo reduzieren. Bei 80 km/h beträgt der Bremsweg rund 55 Meter – alles darüber reicht in der Regel nicht aus, um vor einem plötzlich auf die Straße springenden Tier zum Stehen zu kommen.

Was tun, wenn am Straßenrand ein Tier auftaucht?

Wer in einiger Entfernung ein Tier am Straßenrand oder gar auf der Fahrbahn sieht, sollte sofort kontrolliert bremsen, um im schlimmsten Fall die Aufprallgeschwindigkeit zu reduzieren. Schon bei 60 km/h nämlich prallt ein Wildschwein mit rund 3,5 Tonnen auf das Auto – das entspricht ungefähr einem Nashorn! Außerdem sollte man:
• Abblenden, denn das grelle Fernlicht macht die Tiere orientierungslos.
• Hupen, um das Tier eventuell noch rechtzeitig von der Fahrbahn vertreiben.
 Tipp: Wo ein Tier auftaucht, sind in der Regel noch mehrere. Deshalb sollte man immer mit Nachzüglern rechnen und noch langsamer weiterfahren!

Wenn der Unfall unvermeidbar ist

Steht ein großes Tier wie etwa ein Hirsch oder Wildschwein auf der Straße und lässt sich ein Zusammenprall nicht mehr vermeiden, heißt es: Vollbremsung und Lenkrad festhalten. Auf keinen Fall sollte man ausweichen! Im Ernstfall ist ein kontrollierter Aufprall besser als ein unkontrolliertes Ausweichmanöver, bei dem das Auto ins Schleudern gerät und unter Umständen am nächsten Baum oder im Gegenverkehr landet. Experten gehen davon aus, dass solche Ausweichmanöver oft die Ursache für die jährlich rund eintausend tödlichen Kollisionen in Deutschland mit einem Baum sind!

Keine Vollbremsung bei Kleintieren

Wer wegen eines Kleintieres, zum Beispiel Hase, Igel oder Fuchs eine Vollbremsung hinlegt, und dabei einen Auffahrunfall verursacht, trägt oft eine Mitschuld. Für den Gesetzgeber handelt es sich dabei nämlich um eine verbotene grundlose Vollbremsung. Noch schlimmer ist es, wenn man einem Kleintier ausweicht: Oft übernehmen die Versicherungen den dadurch entstandenen Schaden nicht! Anders ist es übrigens, wenn man mit dem Motorrad unterwegs ist. Schon der Zusammenstoß mit einem Hasen kann die Maschine und den Fahrer zum Sturz bringen. Reicht der Bremsweg nicht aus, um vor dem Tier zum Stehen zu kommen, sollten Biker lieber ausweichen – dafür braucht es allerdings Routine und gutes Training!

Was tun, wenn es gekracht hat?

• War ein Zusammenstoß nicht vermeidbar, gilt es als erstes, die Unfallstelle zu sichern (Warnblinklicht, Warndreieck) und Verletzte zu versorgen beziehungsweise Rettungskräfte (112 wählen) zu rufen.
• Der Wildunfall muss der Polizei und/oder dem örtlichen Jäger gemeldet werden, es sei denn, es handelt sich um Kleintiere wie Igel oder Frösche.
• Ein totes Tier sollte wegen der Infektionsgefahr (zum Beispiel Tollwut) nur mit Handschuhen angefasst und an den Straßenrand gezogen werden.
• Verletzte Tiere nicht anfassen, sie könnten sich wehren. Stattdessen Abstand halten, damit der Stress für das Tier nicht noch größer wird. Um verletzte Tiere kümmert sich der Jäger! Er spürt auch einem geflohenen Tier nach.
• Das tote Tier darf man auf keinen Fall mitnehmen, sonst macht man sich der Wilderei schuldig! 
• Auch wer einfach weiterfährt und das Tier ohne Meldung zurücklässt, verstößt gegen das Tierschutzgesetz und macht sich strafbar.
• Für die Wildschaden-Versicherung muss man sich den Wildunfall von der Polizei oder dem Jäger bestätigen lassen – das ist unter Umständen kostenpflichtig. Um den Unfall als Wildunfall zu dokumentiern, können auch Fotos hilfreich sein. Außerdem: Namen und Adressen von Unfallzeugen notieren.

Wer zahlt bei einem Wildunfall?

Beschädigungen an Leitplanken und anderen Fahrzeugen oder sonstige Schäden auf dem Gelände des Jagdpächters übernimmt die Haftpflichtversicherung. Den Schaden am eigenen Auto dagegen deckt die Kaskoversicherung ab. Die Teilkasko zahlt allerdings nur dann, wenn der Schaden nachgewiesen wird. Für die Versicherung ist in der Regel die Wildunfallbescheinigung des Jägers oder der Polizei ausreichend. Trotzdem sollte man Vorort auch Beweisfotos machen, sowohl vom Tier selbst als auch von etwaigen Blut-, Fell- oder Federspuren am Fahrzeug. Außerdem tritt die Teilkasko nur für Schäden ein, durch Haarwild entstanden ist. Dazu zählen unter anderem:
• Rot-, Damm- und Rehwild, also zum Beispiel Rehe und Hirsche
• Schwarzwild, wie etwa Wildschweine
• Hasen, Füchse, Marder und ähnliches
• Wisente, Elche
• Fischotter und Seehunde
Fasane, Hühne oder Kühe gehören dagegen nicht dazu, und auch Unfälle mit Haustieren, übernimmt die Teilkasko nicht. Hier muss man sich an den Besitzer wenden.
Tipp
: Manche Versicherungen erweitern ihre Wildschadenklausel und schließen – teilweise gegen Gebühr – auch andere Tierarten mit ein.

Teilkasko zahlt nicht immer bei Ausweichmanöver

Weicht der Fahrer außerdem einem Kleintier wie etwa einem Hasen aus und es kommt zu einem Schaden, zahlt die Teilkasko ebenfalls oft nicht, da der Schaden durch den Aufprall in der Regel geringer gewesen wäre als durch das Ausweichmanöver. Ab Wildschweingröße etwa werden auch Schäden durch Ausweichmanöver problemlos reguliert – in Lebensgefahr kann man sich durch unkontrolliertes Reißen am Lenkrad aber trotzdem bringen!

Vollkasko zahlt immer

Rund um abgesichert ist man mit der Vollkaskoversicherung. Sie zahlt den Schaden am eigenen Auto immer, egal mit welchem Tier er passiert ist und ob der Fahrer ausgewichen ist. Das gilt sogar dann, wenn der Fahrer den Wildunfall nicht beweisen kann. Allerdings sinkt im Folgejahr natürlich der Schadenfreiheitsrabatt.

Hat der Jäger Anspruch auf Schadensersatz?

Am Stammtisch hört man oft, der verantwortliche Jagdpächter müsse für den Schaden aufkommen – das ist falsch, da Wild herrenlos ist. Andersrum hat aber auch der Jäger – abgesehen von etwaigen Schäden, die durch den Unfall an seinem Grundstück entstanden sind keinen Schadensersatzanspruch für das getötete oder verletzte Tier. Er darf auch keine Gebühr für das Beseitigen des Kadavers verlangen! Wer den Unfall allerdings nicht meldet und so riskiert, dass das Wildbret, das der Jäger eventuell noch hätte verwerten können, verdirbt, muss diesen Schaden ersetzen.

Autor: Michael Gebhardt

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