Wildwechsel

Wildwechsel: Verhaltensregeln

Die Gefahr aus dem Wald

Augen auf bei der Fahrt durch Wald und Flur, im Herbst kommt es verstärkt zu Wildwechsel. Hase, Reh und Wildschwein halten sich nicht an unsere Regeln – und kommen aus dem Nichts.
Rund 230.000 Wildunfälle passieren in Deutschland jedes Jahr, das macht im Schnitt 630 Fälle täglich. Ein Wildunfall ist also alles andere als exotisch – und dabei sind all die Beinahunglücke noch gar nicht mitgerechnet. Gerade im Herbst lauert die Gefahr am Straßenrand. Besonders hoch ist das Unfallrisiko durch Rehe, Wildschweine oder Füchse in der herbstlichen Abenddämmerung und im Morgengrauen, weil dann die meisten Tiere die Straßen kreuzen. In diesen Zeiten empfiehlt es sich deshalb, vor allem auf Landstraßen das Tempo zu drosseln. Fragen wir uns also, wie sich Wildtiere verhalten – und wie Autofahrer die Gefahr meistern können.

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Warum überqueren Wildtiere die Straßen? Wild durchstreift sein Revier auf bestimmten, eigenen Pfaden. Kreuzt eine Straße diese Wildwechsel, wird sie ohne Vorsicht überquert. Jetzt im Herbst, von September bis November, sind Wildtiere während der Morgen- und Abenddämmerung besonders aktiv. Besonders viele Unfälle gibt es in der Dämmerung. Also zwischen vier und sieben Uhr morgens und von 17 bis 23 Uhr. Mit 40 Prozent ereignen sich die meisten Wildunfälle auf Waldstrecken, mit 33 Prozent gefolgt von Straßen durch Felder. Wie kann das Risiko eines Wildunfalls gesenkt werden? Warnschild "Wildwechsel" unbedingt ernst nehmen! Dazu vom Gas gehen und beide Straßenränder im Auge behalten. Bei auftauchendem Wild abbremsen, aufblenden, hupen. Vorsicht: Die Tiere kommen oft im Rudel.

So häufig kommt es zu Wildunfällen

Bremen: 230 Fälle

Berlin: 355 Fälle

Hamburg: 383 Fälle

Saarland: 1545 Fälle

Brandenburg: 4010 Fälle

Thüringen: 5600 Fälle

Sachsen-Anhalt: 10.190 Fälle

Sachsen: 10.670 Fälle

Mecklenburg-Vorpommern: 12.300 Fälle

Hessen: 18.530 Fälle

Rheinland-Pfalz: 19.300 Fälle

Schleswig-Holstein: 19.990 Fälle

Baden-Württemberg: 26.520 Fälle

Nordrhein-Westfalen: 30.630 Fälle

Niedersachsen: 32.610 Fälle

Bayern: 46.260 Fälle
Warum sind Wildunfälle so gefährlich? Schon bei einem Aufprall mit 50 km/h entwickelt ein Wildtier das 25-fache seines Eigengewichts an Aufprallenergie. Das bedeutet: Ein 25 Kilo schweres Reh drückt sich mit 625 Kilo ins Blech – das Gewicht ist ungefähr vergleichbar mit einer Kuh. Und ein Wildschwein, das etwa 120 Kilo wiegt, rammt den Wagen dementsprechend schon mit drei Tonnen – so schwer ist beispielsweise ein Nashorn. Auch, wenn Ausweichmanöver oft gefährlich sind, da Zusammenstöße mit Bäumen oder dem Gegenverkehr drohen – einfach draufhalten ist bei größeren Wildtieren auch ein Risiko, das nicht unterschätzt werden sollte.

Wenn es zum Unfall gekommen ist

Warnschilder

Warnschilder ernst nehmen, Tempo reduzieren, Fahrbahnränder beobachten – so lässt sich das Risiko eines Unfalls reduzieren. Doch was, wenn doch etwas passiert? Hier die wichtigsten Tipps.

Warnblinklichter

Schalten Sie nach einem Wildunfall sofort die Warnblinklichter Ihres Fahrzeugs ein und sichern Sie die Unfallstelle ab.

Verletztes Tier

Ein verletztes Tier sollte man nie anfassen. Halten Sie stattdessen Abstand, damit der Stress für das Tier nicht noch größer wird.

Wilderei

Das getötete Wild an den Straßenrand ziehen, aber nicht einpacken oder mitnehmen – das gilt als Wilderei und wird bestraft!

Tollwutgefahr

Fassen Sie verendete Tiere wegen möglicher Tollwutgefahr nur mit Handschuhen (zum Beispiel aus dem Verbandskasten) an.

Beweise für die Versicherung

Sichern Sie Beweise für die Versicherung. Machen Sie wenn möglich Fotos und notieren Sie Namen und Adressen von Unfallzeugen.

Verständigen Sie die Polizei

Verständigen Sie die Polizei. Sie informiert den zuständigen Jäger. Falls die Polizei nicht kommt: Fahren Sie zur nächsten Dienststelle und lassen Sie Unfallspuren (Haarreste) bestätigen.
Und wer zahlt Schäden am Auto? Die Teilkasko. Das gilt auch für Schäden durch Ausweichmanöver, im Versicherungsdeutsch "Rettungskosten". Sofern glaubhaft ist, dass durch das Ausweichen schlimmere Schäden vermieden wurden. Wenn es also zu Schäden durch Ausweichmanöver kommt, bei denen das Wild unversehrt blieb, sind gegebenenfalls Augenzeugen nötig, damit die Kfz-Versicherung zahlt.

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Bendix Krohn

Fazit

Ich bremse auch für Tiere – diesen Aufkleber sieht man oft am Autoheck. Sicher (tier-)lieb gemeint, aber im Zweifel brandgefährlich. Denn wer unnötig bremst oder ausweicht, gefährdet sich und andere Autofahrer. Menschenleben gehen vor.

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