Willys MB – eine bewegte Geschichte

Willys MB – eine bewegte Geschichte

— 26.03.2002

Günthers Traum vom Willys

Manche Leute haben echt Geduld: Acht Jahre lang restaurierte Günther Theisen einen alten Willys MB. Und Ehefrau Gaby meckerte nicht, sondern half mit.

Originalität bis ins Detail

Männer haben Träume. Wohl denen, die eine Frau haben, die mitträumt. Günther und Gaby Theisen aus Greimersburg in der Eifel träumten schon lange von einem Willys MB, dem Urvater aller Geländewagen. Doch dieses Auto gibt es nur in drei Arten: Zu schlecht, zu teuer oder gar nicht. Deshalb blieb "Willy" lange Zeit nur ein Traum. Anfang 1993 änderte ein Anruf die Situation schlagartig: "Willste 'nen Willys? Allererste Serie! Nicht komplett, aber echt! Nur 2000 Mark, dafür viel Arbeit!" teilte ein Freund aus dem fernen Portugal mit.

Günther sagte ja, Gaby ließ einen Freudenschrei los - aber da wussten beide noch nicht, was auf sie zukommt. Was dann im August per Trailer auf den Hof rollte, raubte dem Oldie-begeisterten Ehepaar fast den Atem: Eine vergammelte Karosse mit Rahmen, schlecht, rostig, dafür feuerrot. Ohne Achsen, Motor und vielem anderen, was dem Vortrieb dient. Dafür mit Fiat Sportlenkrad. Das sah nach ganz, ganz viel Arbeit aus. Gedient hatte der MB einmal den "Bombeiros", der portugiesischen Feuerwehr.

Günther, von Beruf Autoschlosser, tauschte fortan die Abende im Wohnzimmer gegen Dauersitzungen in der Garage. Der Rahmen erwies sich als gerade und nicht durchgerostet. Der gründlich entrostete und sauber lackierte Rahmen bildete nun die Basis für einen kompletten Neuaufbau. Oberstes Gebot: Originalität bis ins Detail. Bei der Instandsetzung stellte Günther fest, dass er tatsächlich einen der ganz frühen und besonders gesuchten MB des ersten Kontrakts ergattert hatte.

Ein Willys aus erster Serie

Das waren die ersten Fahrzeuge, die Willys von Dezember 1940 bis Mitte 1941 aufgrund des Vertrags an die US-Army geliefert hatte. Die Karosse wurde komplett neu aufgebaut. Das Glanzstück war der Boden, den Günther Theisen mit allen Sicken und Falzen passgerecht aus einer Blechtafel dengelte. Die Kotfügel hat er ebenfalls neu angefertigt, echte Meisterstücke. Alle Blechteile entsprechen absolut dem Original. Die grundierte Karosse durfte nun bis zur technischen Fertigstellung auf die Hochzeit mit dem Rahmen warten.

Doch jetzt ging der Aufwand erst richtig los: Das Zusammenkaufen der einzelnen Technikteile bedeutete Tausende Kilometer Fahrt, um Originalteile zu ergattern. Oft wurden Ford- oder Hotchkiss-Teile als MB-Teile angeboten, die zwar passten, aber nicht dem Originalitätsanspruch von Gaby und Günther genügten. Auf einem Teilemarkt wurden die beiden fündig: Zwei original Achsen und eine Kardanwelle wechselten für einen deftigen Betrag den Besitzer.

Wieder zu Hause, musste Günther die Achsen gründlich überholen, neu lagern und abdichten. Danach kam das Getriebe aus dem portugiesischen Wrack auf die Werkbank. Ein aussichtsloser Fall: Die Innereien waren bis auf die Zwischenwelle und ein einziges Zahnrad reif für die Tonne. Aber Ersatzteile waren noch aufzutreiben, sodass Günther die Schaltbox komplett neu aufbauen konnte. Mit neuen Lagern und Dichtungen wurde das Getriebe praktisch zum Neuteil.

Der Go-Devil spuckt Kühlwasser

Nun fehlte noch die Kupplungsglocke und der Motor. Hier half der Zufall. Im Heimatdorf der Theisens hatte ein Bastler noch einen Motor im Schuppen liegen. Für 800 Mark wechselte der Block den Besitzer. Beim Probelauf sprang er zwar prompt an, spuckte aber jede Menge Kühlwasser. Also: Totalzerlegung. Alle Einzelteile erwiesen sich als brauchbar. Aber warum spuckte die seinerzeit als "Go-Devil" (Laufteufel) bezeichnete Maschine allen kühlenden Lebenssaft aus?

Nach etlichen Abenden fand Günther endlich die Ursache: Versteckt hinter einem der stehenden Auslassventile klaffte ein langer Riss. Ein Frostschaden, irreparabel, weil nicht erreichbar. Also musste ein anderer Motor her. Bei einem Teilehändler wurde Günther fündig. Der Verkäufer war ehrlich: Der Motor fresse Kopfdichtungen und saufe Kühlwasser wie ein Esel, sagte er. Obwohl Günther das bekannt vorkam, konnte er nicht widerstehen. Für nur drei Blaue wechselte der Laufteufel seinen Besitzer. Die Idee: Aus zwei mach eins.

Der Grund für den Wasserverlust war schnell gefunden, der Block war oben krumm wie ein Flitzebogen. Nach gründlicher Bearbeitung auf der Planfräsmaschine sollten nun auch die Kopfdichtungen halten. Manchmal kommt das Glück im Doppelpack: Als die Palette, auf der der Motor beim Händler stand, zu Brennholz gemacht werden sollte, fand sich zwischen den Brettern eine vollständige, funkelnagelneue Kupplung. Damit war der Willys komplett - aber nur technisch.

Nach acht Jahren wie neu

Nächster Schritt: die Neulackierung in original mattem Army-Grün. Jetzt stand der MB so da, wie er vor fast 60 Jahren die Fabrik verlassen hatte. Jedes Detail stimmte. Bis auf die Elektrik. Da entschied sich Günther für ein modernes 12-Volt-Bordnetz anstatt der 6-Volt-Anlage des Originals: "Eine zuverlässige Elektrik aufzubauen ist besser als auf Kosten der Originalität faule Kompromisse einzugehen."

Jetzt fehlten noch ein paar Dutzend Kleinigkeiten, die sich Gaby und Günther im Lauf der folgenden Monate und Jahre auf Märkten besorgten: Scheibenrahmen (natürlich ohne Scheiben; die machte dann der Glaser), Sitzgestelle (von einem belgischen Händler; die Polster machte dann der Sattler), Bremsanlage, Instrumente, Lenkrad, Felgen, Reifen, Spaten, Axt, Reservekanister und viele, viele Kleinteile.

Die beiden einzigen Details, die Gaby und Günther bis heute nicht auftreiben konnten, sind die original Hupe und das Wasserthermometer. Ein Hotchkiss-Instrument füllt derweil die Bohrung im Armaturenbrett. Nach acht Jahren war der Willys MB endlich fertig. Für das Ehepaar ging ein automobiler Traum in Erfüllung. Die Arbeit hat sich gelohnt, ein wirklich perfektes Auto ist entstanden. Zu schade, um bei jedem Wetter gefahren zu werden. Auf den vielen Einkaufstouren haben die Theisens noch mehr gefunden. Ein 1952er Jeep M38 dient jetzt als Alltags-Offroader, ein Ford GP und ein weiterer Willys MB warten auf ihre Restauration.

Willys MB: Eine bewegte Geschichte

Der Willys MB gilt als Urvater aller heutigen Geländewagen. Seine Karriere verdankt er dem Zweiten Weltkrieg. 1940 schickte die US-Army an 135 amerikanische Autohersteller die Aufforderung, ein leichtes geländegängiges Fahrzeug zu entwickeln. Nur drei Firmen sahen sich imstande, die konstruktiven und zeitlichen Vorgaben des Militärs weitgehend einzuhalten: der winzige Hersteller American Bantam, der Riese Ford und Willys-Overland, ein bis in die 30er Jahre erfolgreicher Pkw-Hersteller.

Alle drei Firmen bauten Prototypen, die sich sehr ähnlich waren. Letztlich entschied sich die Army für eine Mischform aus den drei Modellen, der MA war geboren. Nach wenigen Monaten wurde er durch den MB ersetzt. Den bauten zunächst alle drei Firmen. Doch schon vor dem Kriegseintritt der USA im Dezember 1941 schied Bantam nach 2675 produzierten Exemplaren aus, weil die Kapazität des Werkes für die geforderten Stückzahlen nicht ausreichte. Ford und Willys bauten bis 1945 etwa 650.000 Fahrzeuge vom Typ MB, die sich nur in Details unterschieden.

Die Technik war simpel: Seitengesteuerter Vierzylinder-Benziner mit 60 PS, Dreigang-Schaltgetriebe mit Untersetzung, zuschaltbarer Allradantrieb, zwei Starrachsen an Blattfedern. Die Herkunft des Namens Jeep ist bis heute nicht zweifelsfrei geklärt, irgendwann hieß das Auto einfach so. Willys baute nach dem Krieg auch zivile Jeep-Ausführungen, Ford kehrte wieder zu den Pkw zurück.

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