Wohnmobil-Test Winnebago Brave 25RC

Winnebago Brave 25RC: Wohnmobil-Test

Günstiger Riese aus Übersee

Zum Discountpreis lockt die US-Legende als Gebrauchter mit fettem V8-Diesel. Aber passt so eine Landyacht in die enge Heimat?
Es gibt bekanntlich keine zweite Chance für den ersten Eindruck. Muss beim Winnebago Brave auch nicht sein: Auf Anhieb wirkt er wie der Inbegriff eines US-Wohnmobils: kantig, plüschig und barock. Unter seiner Plastikhaut mit XXL-Frontverglasung wartet der auf einem Stahlgerüst aufbauende 7,74-Meter-Gigant mit weitläufigem Raumangebot und viel Komfort auf. Er bietet die Bewegungsfreiheit einer kleinen Ferienwohnung und entstresst seine Passagiere ab dem ersten gefahrenen Meter. Hinter den von reichlich Holzapplikationen und hochflorigem Teppich umgebenen Captain Chairs schließt sich eine mutig gemusterte Sitzgruppe nebst freistehendem Relaxsessel und Beistelltisch an. Dennoch bleibt dieser Brocken in seiner Gesamtwirkung erstaunlich cool.

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Der mächtiger 6,5-Liter-GMC-V8-Diesel hat Charakter

Das dunkle Dekor muss der Schnäppchenjäger mögen, an Qualität und Ausstattung gibt's jedoch auch im Alter nichts zu mäkeln.

In der komplett ausgestatteten Eckküche im Landhausstil finden sich sogar Annehmlichkeiten wie Dunstabzugshaube und Mikrowelle – bei uns exotisch, auf dem US-Markt so selbstverständlich wie die Eiswürfel im Softdrink. Im Heckflügel findet sich neben einer vollwertigen Doppelbettnische ein Duschbad mit separat montiertem Waschtisch. Ja, hier gibt's viel Platz und Charisma fürs Geld. Und sogar ein bisschen US-Car-Fahrgefühl ist drin. Reisemobile werden ja nur selten vom Charakter ihres Motors mitgeprägt, doch beim Winnebago ist es wirklich so. Tief im Untergeschoss, zwischen den Vordersitzen verborgen, grummelt ein mächtiger 6,5-Liter-GMC-V8-Diesel bereits nach dem Starten so tiefenentspannt wie eine Barkasse im Hamburger Hafen. Die Dreistufen-Automatik hält das Drehzahlniveau per Overdrive im Keller, die Bedienkräfte sind geradezu lächerlich gering. Und mit seiner marshmellowartigen Federung filtert der Brave die traurige Realität bundesdeutscher Straßen-Instandhaltung einfach weg.

Stärken & Schwächen
+ günstiger Einstandspreis - hoher Dieselverbauch
+ riesiges Raumangebot - angespannte Werkstattsituation
+ hohes Komfortniveau - deftige Betriebskosten
+ ordentliche Verarbeitung - kein Partikelfilter
+ umfangreiche Ausstattung - teure und rare Spezialteile
Überblick: Alles zum Thema Wohnmobile

Ohne Rückfahrkamera oder Einweiser wird es kniffelig

Abmessungen und Gewicht markieren ziemlich genau die Obergrenze einer mit altem Führerschein Klasse 3 manövrierbaren Landyacht. Im Urlaubsalltag punktet der Kingsize-Kasten aus Forest City (US-Bundesstaat Iowa) mit seiner Übersichtlichkeit und fährt sich nach ein paar Kilometern erstaunlich berechenbar. Fast könnte man sich in einem Fullsize-Van der späten Achtziger wähnen, wäre der Brave nicht lockere zwei bis drei Konfektionsgrößen sperriger auf Nebenstraßen unterwegs. Ohne Rückfahrkamera oder Einweiser machen Rangiermanöver garantiert unglücklich. Trotzdem und für deutsche Verhältnisse kaum vorstellbar: Der gecheckte 25RC war 1996 nur der Einstieg in die vollintegrierte Brave-Welt. Großraum-Camper konnten bis zu 10,30 Meter lange Aufbauten ordern und bekamen auf Wunsch neben einer zusätzlichen - noch ein abgeteiltes Schlafzimmer mit Queensbett. Den 7,4-Liter-V8-Benziner gab's mit dazu, die eigene Ölquelle im Vorgarten leider nicht.

Wohnmobil-Test Winnebago Brave 25RC

Winnebago Brave 25RCWinnebago Brave 25RCWinnebago Brave 25RC

Kosten
Unterhalt
Testverbrauch 20,0 l Diesel/100 km
CO2 530 g/km
Inspektion 450 bis 1000 Euro
Haftpflicht 1) 282 Euro
Teilkasko 1) 226 Euro
Vollkasko 1) 569 Euro
Kfz-Steuer (Wohnmobil über 3,5 Tonnen 685 Euro
1) Onlinetarif der HUK24-Versicherung: Zulassung in Hamburg, Fahrer nur Versicherungsnehmer und Partner (40 Jahre alt), jährliche Fahrleistung 15.000 km, Beitragssatz 100 Prozent.
Ersatzteilpreise 2)
Lichtmaschine (AT) 561 Euro
Anlasser (AT) 487 Euro
Wasserpumpe (AT) 1118 Euro
Bremsscheiben und -klötze, vorn 1193 Euro
6 Sommerreifen 225/70 R 19.5 2677 Euro
2) Preise inkl. Arbeitslohn in einer freien Werkstatt

Technische Daten
Motor Achtzylinder-Diesel, vorn längs
Ventile/Nockenwellen 2 pro Zylinder/2
Hubraum 6500 cm3
Leistung 116 kW (155 PS) bei 3600/min
Drehmoment 461 Nm bei 1700/min
Höchstgeschwindigkeit 110 km/h
Getriebe/Antrieb Dreistufenautomatik mit Overdrive/Hinterrrad
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 151 l/Diesel
Länge/Breite/Höhe 7741/2438/3081 mm
Radstand 4026 mm
Zulässiges Gesamtgewicht 6713 kg
Anhängelast (gebremst) 3500 kg
Anhängelast (ungebremst) 750 kg
Anzahl Sitzplätze 2
Liegefläche L/B 1910/1370 mm (Heck)
Frisch-/Abwassertank 242/257 l
Kühlschrank 120 l
Herd 3 Flammen, Gasbetrieb
Doppelspülbecken mit Einhebelwassermischer
Bordbatterie 2 x 105 Ah
Externer Stromanschluss 230 V
Neupreis 1996 ca. 140.000 Mark


Lars Jakumeit

Fazit

Käufer mit kleinem Budget und großem Schraubertalent kann der riesige Winnebago glücklich machen. Das Preis-Raum-Verhältnis ist überragend, bei den Unterhalts- und Reparaturkosten wird's aber teuer. Und Umweltzonen sind mit dem alten V8-Diesel tabu.

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