Wohnmobil-Test Winnebago Travato

Winnebago Travato: Wohnmobil-Test

— 16.08.2017

Der fabelhafte Winnecato

Winnebago? Klar, die bauen feiste Fullsize-Landjachten für reiche US-Rentner. Nicht so bekannt: ihre hochpreisigen Kastenwagen.

Es ist nicht das erste Mal, dass ein italienisches Rezept die Amis in Wallung bringt. Denken wir nur an die Brüder Dan und Frank Charney, die sich Ende der Fünfziger 600 Dollar von ihrer Mom borgen, um einen Imbiss namens Pizza Hut zu eröffnen. Dabei haben die Charneys aus Wichita (Kansas) keinen italienischen Stammbaum. Genau wie Winnebago aus Iowa. Deren Name ist das Synonym für Reisemobile made in USA. Und doch ist Winnebagos neuester Bestseller so italienisch wie eine Cheezy Crust von Pizza Hut. Denn unterm Blech steckt der Fiat Ducato, wie er die meisten von uns in die Ferien bringt. In Amerika heißt er Dodge Ram ProMaster und kommt aus dem großen Chrysler-Imperium. Am Bug unseres Testwagens bockt das gehörnte Dodge-Logo im chromblitzenden Fadenkreuz des Kühlergrills. Und unter der Haube hämmert kein Turbodiesel, denn so was mögen die Amis nicht, sondern ein 3,6-Liter-Pentastar-V6-Benziner von Chrysler. 280 PS. Verbrauch? Frag nicht.

Reisemobil Suchen

Suchen und kaufen Sie Ihr Traummobil im Reisemobilmarkt

Der Travato wird in Manufakturbauweise hergestellt

Flach wie Nebraska: Wer eifrig genug Tetris mit den Polstern der Essnische spielt, erhält einen dritten Schlafplatz.

Das ist er: Viel trendiger als die anderen Winnebago. Denn Motorhomes in Kastenwagengröße, der Ami nennt sie "Class B", erleben in Amerika einen Boom. Weil sie ganz easy in die Einfahrt jedes Vorstadt-Familienhauses passen und Mom und Dad damit auch mal zur Shoppingmall oder zur Arbeit fahren können. Junge Käufer finden die B-Klassen ebenfalls richtig hip – und legen einen Haufen Geld dafür hin: In Basisausstattung kostet Winnebagos Travato 85.476 Dollar, umgerechnet also rund 82.000 Euro. Mit ein paar gängigen Extras ist er nicht viel günstiger als ein Class-A-Integrierter vom Schlage eines Winnebago Brave. Wie das sein kann? Nun, die dicken Dinger sind simpler verarbeitet und entstehen im Takt der Fertigungsstraße, während Winnebago den Travato in Manufakturbauweise herstellt, also mit hohem Handarbeitsanteil. Wir probierten den Travato 59G mit großem Längs-Zweierbett und Bad im Heck. Die vordere Essnische lässt sich zu einer weiteren, etwas kleineren Matratzenlandschaft umlegen, sodass auch mal drei Erwachsene im Travato schlafen können. Aber für zwei Reisende ist er natürlich besser geeignet.
Überblick: Alles zum Thema Wohnmobile

Der leise, druckvolle V6 kaschiert das Übergewicht des Travato

Ungewohnt: in einem Ducato durch die Gegend zu cruisen und vorn kein Nageln zu hören. Doch so wollen es amerikanische Hörgewohnheiten.

So fährt er: Die Tür fällt ins Schloss und der Fahrer in den muffinweichen Captain Chair. Das routiniert zusammengesteckte Hartplastik-Instrumentenbrett unterscheidet sich kaum vom Ducato, wie wir ihn kennen. Ungewohnt ist allerdings, in einem Ducato durch die Gegend zu juckeln und vorn kein Nageln zu hören. Stattdessen erledigt der Sechszylinder-Benziner seinen Job so smooth, wie es amerikanische Hörgewohnheiten fordern. Ein bisschen Seitenwind bringt den Travato auf dem Freeway immer ein wenig ins Wanken; gefühlt ist er da etwas empfindlicher als sein europäischer Fiat-Verwandter. Dafür kaschiert der leise und druckvolle V6 sein mächtiges Übergewicht: Das Ding wiegt leer über vier Tonnen! Und das bei handelsüblichen 6,40 Meter Länge. Die Zuladung ist allerdings gewaltig: Fast 1000 Kilogramm können mit. Das schafft nicht mal, wer das hintere Bett hochklappt und dachhoch stapelt.

Der Ami kommt ohne den typischen Countryclub-Stil aus

Das hat er: Gar nicht mehr Nutzwert als unsere gewohnten Ducato. Wer mitten in der Mojavewüste bei den Kojoten campen will, muss mit 80 Liter Frischwasser knausern. Und allzu breit gebaut sollten Travato-Bewohner auch nicht sein: Das hintere Bett ist zwar komfortabel und fast zwei Meter lang, aber nur 1,17 Meter breit. Auch der Küchenblock fällt erstaunlich zierlich aus: zwei Gas-Kochfelder, wenig Arbeitsfläche. Stört keinen: Die unvermeidliche Mikrowelle ist natürlich serienmäßig an Bord. Aber proper verarbeitet ist der Travato tatsächlich. Und: Er verkneift sich den typischen Countryclub-Stil der Amis. Das Holz heißt "Aosta Cherry", eindeutig amerikanisch wirkt nur die cremefarbene Kunstleder-Couchlette der vorderen Sitzgruppe. Und natürlich die herrlich dekadenten Komfortdetails wie eine Außenmarkise mit LED-Beleuchtung und integrierte Außen-Stereoboxen. Ist halt doch ein großes, weites Land.

Wohnmobil-Test Winnebago Travato



Autor: Lukas Hambrecht

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.


Kfz-Versicherung