Winterreifen 235/55 R 17: Test — 26.10.2009
Winterreifen für Allradler
Sieben Winterreifen wollen dieses Mal Winterkönig werden. Aber auch ein Sommerreifen war dabei. Die Testsieger gefallen durch tolle Haftung auf Schnee und durch Ausgewogenheit auf nassen und trockenen Straßen.
Es gibt auch heute immer noch mehrere europäische Reifenhersteller
Der Sommerreifen kommt schnell an seine Grenzen
Unsere Schneetests zeigen deutlich, wie früh der Sommerreifen hier an seine Grenzen kommt. Schon beim Anfahren ist die Traktion trotz Allradantrieb so gering, dass bereits eine mittlere Straßensteigung zum Problem werden kann, wenn das Fahrzeug stark beladen ist. Die Winterreifen bauen hier mindestens die sechsfache Traktion auf. Richtig gefährlich wird es freilich beim Bremsen. Der mit Sommerreifen und Tempo 50 auf Schnee dahinrollende VW Tiguan benötigt über 70 Meter Bremsweg, um endlich mit unablässig ratterndem Antiblockiersystem zum Stehen zu kommen. Die sieben Winterreifen brauchen für die gleiche Übung zwischen 27,7 Meter (Dunlop) und maximal 29 Meter (Fulda) und liegen damit allesamt im grünen Bereich. Ganz ähnlich sieht es beim Kurvenfahren auf Schnee aus. Wer plötzlich ausweichen muss, hat mit Sommerreifen keine Chance, weil das Fahrzeug nur extrem stark verzögert auf den Lenkbefehl reagiert. Da helfen auch kein ABS und kein ESP. In dieser Disziplin gibt es aber auch unter den Winterreifen spürbare Unterschiede. Dunlop und Toyo können dabei deutlich höhere Seitenführung aufbauen als die Konkurrenten. Bedenklich sind die Werte aber auch für diese nicht. Doch gerade der mitteleuropäische Winter besteht nicht nur aus Schneetagen. Oft muss man mit Regen oder salznassen Fahrbahnen rechnen, weshalb den Nässeeigenschaften moderner Winterreifen besondere Bedeutung zukommt. Hier zeigt sich, dass der Sommerreifen in fast allen Testdisziplinen überlegen ist. Es kommt also für die Winterspezialisten darauf an, möglichst dicht am vom Sommerreifen vorgegebenen Niveau dranzubleiben. Besonders gut gelingt dies dem Dunlop und dem Pirelli. Beide erlauben sich keine Ausreißer bei Nässe und gefallen mit gutmütigem Fahrverhalten und ausreichenden Sicherheitsreserven. Dabei überzeugen beide vor allem mit kurzen Bremswegen auf nasser Fahrbahn – was für Winterreifen technisch nicht so einfach ist. Es ist eben ein Unterschied, ob man bei einer Vollbremsung aus Tempo 100 wie mit dem Pirelli bereits nach 55,3 Metern zum Stehen kommt oder erst nach 60,1 Metern wie mit dem Fulda. Das ist zwar noch nicht kritisch, aber nur Durchschnitt.
Der Michelin ist teuer, spart aber über den Spritverbrauch Geld ein
Alte Vorurteile strafen alle getesteten Winterreifen Lügen. Denn früher galten die Pneus für die kalte Jahreszeit als ungehobelte und laute Gesellen, die man möglichst schon beim ersten Frühlingserwachen wieder abschraubte, um endlich die angenehm komfortablen und leisen Sommerräder genießen zu können. Und heute? Moderne Winterreifen haben inzwischen hier keinerlei Nachteile gegenüber Sommerpneus. Im Gegenteil, heute sind die Winterreifen oft leiser und rollen auch komfortabler ab. Möglich machen das die weichere Gummimischung und das fein lamellierte Profil. Unsere Testkandidaten beweisen das. Alle sieben Winterreifen summen leiser als der Sommerpneu. Auch der Pirelli, der noch am vernehmlichsten tönt. Ebenso wenig gilt heute die alte Weisheit, dass Winterreifen wegen des höheren Rollwiderstands den Treibstoffverbrauch erhöhen. Auch hier muss man umdenken. Denn der Rollwiderstand ist von zahlreichen Konstruktionsfaktoren abhängig, die aber wenig mit der Einteilung in Winter- oder Sommerbetrieb zu tun haben.
Der Sommerreifen liegt im Mittelfeld
Unsere Testkandidaten zeigen das sehr schön: Der Sommerreifen liegt hier im Mittelfeld. Das bedeutet, es gibt Winterreifen, die einen erheblich höheren Rollwiderstand haben und solche, die auch zum Spritsparen taugen. Der Michelin liegt da vorbildlich an der Spitze, danach folgt ein Mittelfeld mit etwa dem gleichen Rollwiderstand wie der Sommerreifen. Weniger Wert auf Kraftstoffsparen haben offenbar die Entwickler von Toyo und Fulda gelegt. Der Verbrauchsunterschied zwischen einem Michelin-bereiften Tiguan und dem gleichen Auto mit Fulda-Reifen: knapp ein halber Liter/100 km. So gewinnen früher eher nebensächliche Eigenschaften der Reifen an Bedeutung. Die Autohersteller feilschen beim Verbrauch um jeden Zehntelliter. Und die Autobesitzer ruinieren anschließend alle Bemühungen durch den Kauf von verbrauchserhöhenden Reifen. Daran hat früher kaum jemand gedacht – heute ist es ein Thema.Reifentest intern
Ulrichen ist ein bald 800 Jahre altes Örtchen in der Schweiz, genauer: im Kanton Wallis in der Südschweiz an der Grenze zu Italien. Ulrichen hat mehrere Besonderheiten: Zum einen liegt es sehr hoch, bereits das Tal auf fast 1400 Meter Höhe. Zum Zweiten gibt es hier viel Schnee und ein beeindruckendes Bergpanorama. Zum Dritten hält sich der Schnee auch im Tal gut, weil die Sonne im Winter nicht viel Zeit hat, den Schnee zu schmelzen. Zum Vierten gibt es dort den ehemals höchsten Flugplatz der Schweiz und deshalb auf der Ladebahn viel Platz zur Erprobung von Winterreifen. Und fünftens startet man vom Ulrichen aus direkt zum berüchtigten Nufenenpass (2480 m), der stets schon früh im Jahr wegen Schnee gesperrt werden muss. Und Schnee gab es für die mitgebrachten VW Tiguan reichlich.Kommentar verfassen










































Kommentare zum Artikel (12)
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Winterreifen haben also nur auf einer geschlossenen Schneedecke Vorteile. Bei Nässe, Trockenheit und selbst unter der ominösen 7°-Grenze bleiben Sommerreifen besser und sicherer. Bei Blitzeis oder Reifglätte hat kein Reifen Grip. Hoffentlich wissen das auch die Leute, die sich dann auf ihre ach so tollen M+S-Reifen verlassen (siehe Michelin-Werbung)... Wenns hoch kommt, gibt es bei uns 5-10 Tage, wo es richtig schneit und der Räumdienst ne Weile braucht. An allen anderen Tagen habe ich mit Winterreifen ein erhöhtes Sicherheitsrisiko.
Hi
ich habe mir die Winterreifen in der größe 235/60/R16 und kann nur sagen geil
voher hatte ich ab Werk fulda all wetter aber die rutschten schon bei starken
Regen oft weg .
Die goodyear all wetter sind top uach jetzt wo so viel schnee liegt .
@ Dieter:
"Tiguan-Klasse", das Zitat belegt deinen Eindruck. Hier hat sich VW richtig in Szene setzen lassen. Die Reifen sind nur Statisten.
Ich frage mich nur, warum sind keine Reifen vom Klassenprimus "Conti" dabei????
Wäre in einem solchen Vergleich Dunlop nicht Testsieger geworden ????
Als Bewohner einer Großstadt bewege ich mich mit meinem Auto im Winter zu 99,9% auf überwiegend nassen oder trockenen Strassen. Welchen Sinn machen da Winterreifen, die auf nassen und trockenen Strassen eindeutig Schwächen zeigen? Darüber sollte man mal nachdenken! Wenn man nicht gerade in den Alpen wohnt oder im Mittelgebirge machen Winterreifen m.E. nicht viel Sinn. Lieber das Auto dann mal stehen lassen, wenn wirklich die Strassen verschneit sein sollten.