Sicher durch den Winter

Winterreifen-Ratgeber

— 01.10.2015

Das 1 x 1 des Winterreifens

Wann brauche ich Winterreifen, was bedeuten die Zeichen auf den Reifen und wie finde ich den richtigen Reifen für mein Auto? AUTO BILD beantwortet die wichtigsten Fragen.

Dass der Winter bald kommen wird, wissen Sie selbst. Aber hat Ihr Auto auch schon die passende Ausrüstung? Hier erfahren Sie alles, was Sie über Winterreifen wissen müssen.

Muss ich im Winter unbedingt Winterreifen fahren? Nein. Der Gesetzgeber sagt: "Bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte darf ein Kraftfahrzeug nur mit Reifen gefahren werden, welche die in Anhang II Nummer 2.2 der Richtlinie 92/93/EWG ... beschriebenen Eigenschaften erfüllen (M+S-Reifen) ..." In verständliche Sprache übersetzt heißt das: Scheint die Sonne, und ist die Straße trocken, können Sie im Winter auch mit Sommerreifen fahren. Wer allerdings bei Schneeglätte ohne Winterreifen erwischt wird, zahlt 40 Euro und erhält einen Punkt. Wer den Verkehr behindert, ist sogar mit 80 Euro dabei.

Was bedeuten M+S- und Schneeflocken-Symbol? Dem Gesetzgeber reicht die Kennzeichnung M+S, das steht für Matsch und Schnee. Aber Vorsicht! Die Definition ist veraltet und sagt nicht wirklich etwas über die Winterfähigkeit aus. Es findet sich sogar auf einigen Billig-Sommerreifen aus Fernost. Dem Schneeflocken-Symbol mit den drei Bergspitzen liegt zumindest ein Test zugrunde – an diesem Logo erkennen Sie Winterreifen besser.
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Wie viel Profiltiefe muss ein Winter reifen mindestens haben? Vorgeschrieben für Sommerund Winterreifen sind lediglich 1,6 mm. Das ist viel zu wenig. AUTO BILD-Tester Dierk Möller-Sonntag: "Wenn der Reifen weniger als drei bis vier Millimeter Profil hat, sollte er ersetzt werden." Das Fahr- und Bremsverhalten auf Schnee und bei Nässe ist ab dieser Profiltiefe nicht mehr sicher genug.

Ist ein Winterreifen nur bei Schnee und Eis nötig? Auch wenn Sie im Flachland wohnen und Schnee selten ist, Winterreifen müssen sein. Denn sie verfügen über ein spezielles Lamellenprofil, das besonders gut greift, wenn doch mal Schnee fallen sollte. Der kommt meist über Nacht – und dann gibt es entweder nicht die gewünschten Reifen oder gerade keinen Termin beim Händler.

Wie finde ich heraus, welche Reifengröße ich kaufen muss? Das steht in den Papieren. Im alten Fahrzeugschein finden Sie die Reifenangaben unter den Ziffern 20, 21, 22 und 23. Haben Sie Ihr Auto nach dem 1. Oktober 2005 an- oder umgemeldet, finden Sie die Zahlen in der Zulassungsbescheinigung Teil I unter 15.1 bis 15.3. In den neuen Papieren stehen aber nicht mehr alle freigegebenen Größen, diese Infos hat der Händler.

Wie lese ich das Öko-Label? Seit dem 1. November 2012 ist der Aufkleber Pflicht. Hier werden Rollwiderstand, Nässehaftung und Abrollgeräusch beschrieben. Wie bei Kühlschränken gibt es eine Klassifizierung von A (bester Wert) bis G (schlechtester Wert). Das Label vergeben die Hersteller selbst, es kann nicht die Tests von AUTO BILD ersetzen.

Soll ich für den Winter schmalere Reifen kaufen? Wenn, dann nur aus Kostengründen. Breite Reifen sind auf festgefahrener Schneedecke bei Seitenführung und Bremspotenzial ihren schmalen Artgenossen überlegen, auf nasser und trockener Piste sind Autofahrer mit dem Mehr an Gummi ohnehin im Vorteil.

Brauche ich für meine Winterreifen einen eigenen Satz Räder? Nein. Voraussetzung: Sie fahren dieselbe Größe wie im Sommer. Aber rechnen Sie mal: vier Reifen aufziehen kostet 80 Euro, also 160 Euro pro Saison. Nach vier Jahren sind das 640 Euro. Da lohnt es sich, für die Winterreifen Räder zu kaufen. Ein Alurad für einen Golf VI kostet ab 60 Euro.

Wohin mit dem besseren Reifenprofil? AUTO BILD-Reifenexperte Henning Klipp: "Wechseln Sie jedes Jahr die Reifen von vorn nach hinten; so nutzen sich diese gleichmäßig ab. Grundsätzlich gilt: das bessere Profil nach hinten, weil die Hinterachse für die Spurstabilität verantwortlich ist.

Wie lagere ich meine Reifen ein? Nach Möglichkeit trocken, dunkel und auf einem Felgenbaum gestapelt – also liegend. Auch möglich: Die Räder in der Garage an einen Reifenhalter hängen.

Ein Winterreifen muss das "M+S"-Zeichen tragen. Tipp: Achten Sie auch auf das Schneeflocken-Symbol.

Wie funktioniert ein Winterreifen? Eine speziell für den Einsatz im Winter entwickelte Gummimischung bleibt auch bei niedrigen Temperaturen flexibel, gleichzeitig erzeugen zahlreiche, speziell konzipierte Lamellen Angriffkanten. Damit können sich die Reifen besser in Schnee und Matsch krallen, haben eine besonders gute Zugkraft, einen kürzeren Bremsweg und bieten somit mehr Sicherheit. Breite, umlaufende Drainagerillen in der Lauffläche und offene Profilstollen in den Reifenschultern leiten Wasser und Schneematsch besonders gut ab und fördern damit den intensiven Bodenkontakt in der Aufstandsflächen.

Wann sollte auf Winterreifen gewechselt werden? Die Faustregel sagt von O bis O – also von Oktober bis Ostern. Im Oktober sinken die Temperaturen fast im ganzen Bundesgebiet auf unter zehn Grad Celsius. Schnell ist der Gefrierpunkt erreicht und die Haftung von Sommerreifen verschlechtert sich in diesem Temperaturbereich bereits erheblich.

Gibt es Versicherungsprobleme bei einem unverschuldeten Unfall ohne Winterreifen? Eine Mithaftung von 20 Prozent hat in einem solchen Fall das Amtsgericht Trier (Az. 6 C 220/85) festgestellt, wenn das Auto mit Sommerreifen so behindert wird, dass es bremsen muss und dabei auf verschneiter Straße ins Schleudern gerät und einem anderen Verkehrsteilnehmer schadet. "Wer sein Auto nicht winterfest macht, setzt zudem seinen Versicherungsschutz aufs Spiel. Dann nämlich, wenn zum Beispiel Sommerreifen zum Unfall führen," sagt Bernd Schmitz von der ONTOS Versicherung. "Besteht ein kausaler Zusammenhang zwischen dem Unfall und dem nicht einwandfreien technischen Zustand des Fahrzeugs, muss mindestens mit einem Mitverschulden gerechnet werden." Wann müssen zusätzlich Schneeketten montiert werden? Im Tiefschnee kommen auch Winterreifen an ihre Leistungsgrenzen. Wenn es also auf die Almhütte zum Skilaufen geht, sollten die Schneeketten nicht vergessen werden. In einigen Skigebieten sind Schneeketten vorgeschrieben, entsprechende Straßenbeschilderung weist jeweils darauf hin.

Wie schnell kann man mit Winterreifen fahren? Wie bei Sommerreifen gibt es auch bei den Winterkollegen einen Geschwindigkeitsindex. Die Schlüsselzahl hierfür steht bei der Reifengröße: Q bedeutet maximal 160 km/h, T – 190 km/h, H – 210 km/h und V – 240 km/h. Und nicht vergessen: Die Fahrphysik wird auch durch Winterreifen nicht außer Kraft gesetzt – natürlich kann man auf Schnee niemals so schnell fahren, wie es der Reifen auf trockener Straße maximal erlaubt.

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