Test: Winterreifen für Kompakt-SUVs

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Winterreifen-Test 2017: 225/55 R 17

— 13.10.2017

Winterreifen für Kompakt-SUVs im Test

Zehn Winterreifen für kompakte SUVs treten beim Allrad-Reifentest an, darunter auch ein Billigmodell aus China. Und zum Vergleich ein Sommerreifen.

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'Nutzen Sie Winterreifen oder Ganzjahresreifen?'

Skandinavien hat es gut. Jedenfalls kommen Winterfans auf ihre Kosten, wenn Sie im kontinentaleuropäischen Frühherbst Richtung Nordskandinavien aufbrechen. Herbstliche Sturmtiefs bringen bereits regelmäßig Schnee nach Lappland, wenn wir hier noch spätsommerliche Nachmittage in Biergärten verbringen. Das kann man sich als Auto- und Reifentester natürlich zunutze machen, weil man dann rechtzeitig vor Beginn der hiesigen Wintersaison einen kompletten Winterreifentest präsentieren kann. Das machen wir auch in diesem Jahr; dieses Mal sind die Winterreifen für die kompakte SUV-Klasse dran.

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660 oder nur 260 Euro für einen Reifensatz

Logistischer Aufwand: 80 Kompletträder müssen für unseren Test angeliefert, geprüft, montiert und getestet werden.

Unter den zehn Teilnehmern unseres 2017er Winterreifentests finden sich namhafte Marken, die ihre Reifensätze für rund 600 Euro oder mehr verkaufen, darunter der derzeitige Branchenriese (nach Umsatz) Bridgestone aus Japan. Doch es geht auch billiger. Unter 500 Euro pro Reifensatz kommt man mit dem südkoreanischen Kumho weg. Und es geht noch tiefer: 400 Euro ruft der taiwanesische Reifenriese Cheng Shin mit seiner inzwischen auch in Europa durchaus bekannten Marke Maxxis auf. Damit sind die preislichen Möglichkeiten immer noch nicht ausgeschöpft. Denn es reichen auch lediglich 260 Euro für einen Satz Winterreifen der Dimension 225/55 R 17. Beispielhaft dafür trat der Pace (englisch für Tempo, Geschwindigkeit) an, eine Marke des 2002 in China gegründeten Reifenherstellers SD International mit Werken in China und Thailand. Wie gut fährt man mit einem solchen Billigreifen, der gerade einmal etwas mehr als ein Drittel eines Michelin kostet? Nun, es kommt darauf an. Man kann nämlich nicht grundsätzlich sagen, dass so ein China-Reifen in allen Disziplinen schlecht sei. Das stimmt einfach nicht, was der Pace auch hier im Test beweist. Denn im Schnee beispielsweise spielt er problemlos mit den Branchengrößen auf Augenhöhe mit, belegt beim Bremstest auf Schnee gar Platz eins, knapp vor Goodyear und Continental. Und als schön leise erweist sich der chinesische Pace ebenfalls, sogar leiser als alle anderen Testreifen inklusive des mitgetesteten Sommerreifens.
Mehr zum Thema: Alle Winterreifen-Testsieger aus dem vergangenen Jahr

Der Bremstest bei Nässe ist der Härtefall für alle

Auch bei Schnee und Wind verlieren die Kollegen Möller (li.) und Klipp nicht die Freude am Testen.

Aber es wird nun einmal mehr von einem Winterreifen verlangt, als nur Wintergrip zu liefern und leise abzurollen. Und da sieht es in den restlichen Disziplinen auf nasser und trockener Fahrbahn dann eben doch düster aus: überlanger Bremsweg bei Nässe, mäßige Reserven bei Aquaplaning, dürftige Seitenführung in nassen Kurven und nicht zuletzt ein höherer Rollwiderstand, der den Treibstoffverbrauch erhöht und damit zumindest einen Teil des beim Kauf eingesparten Geldes wieder auffrisst. Wie der Brite gern sagt: You get what you pay for, was auf Deutsch so viel heißt wie: Man bekommt eben nur das, wofür man auch bezahlt hat. In diesem Sinne eine Enttäuschung ist daher der Winterreifen der bei uns schon recht gut eingeführten Taiwan-Marke Maxxis. Er kostet erheblich mehr als der Pace aus China, bietet aber dafür nur wenig bessere Leistungen: Bremswege genauso lang, Rollwiderstand noch höher, Schneegrip viel schlechter, jedoch mehr Aquaplaning-Sicherheit und eine ordentliche Lenkpräzision.

Ein Artikel aus AUTO BILD ALLRAD

Auch teure Markenreifen überraschen mit erstaunlichen Schwächen. Der Continental fällt auf, weil er in praktisch allen Disziplinen deutlich über dem Durchschnitt Hervorragendes leistet, aber beim Bremstest auf trockener Fahrbahn 47 Meter aus Tempo 100 bis zum Stillstand braucht, wo einem Bridgestone 44,5 Meter reichen. Oder Michelin: Die Marke, seit Jahrzehnten gefeierter Altmeister des niedrigen Rollwiderstands, erstaunt in unserem Test mit einem Reifen, der ausgerechnet in dieser Disziplin nur noch Mittelmaß erreicht und hier deutlich hinter einem viel billigeren Kumho liegt. Der in allen anderen Disziplinen gute oder sehr gute Bridgestone bringt beim Aquaplaning-Test ein gerade einmal durchschnittliches Sicherheitsniveau zustande, das nur noch vom China-Reifen unterboten wird.

Der China-Reifen bremst auf Schnee am besten

Sie sehen, liebe Leser: Den idealen Reifen gibt es auch in der Wintersaison 2017/18 nicht. Jeder hat seine Stärken und Schwächen, obwohl der Testsieger Goodyear Ultra Grip diesem Winterideal schon sehr nahe kommt, weil er im Schnee toll spurt, auf nasser Fahrbahn toll haftet und bei Trockenheit mit sehr ordentlicher Lenkpräzision gefällt. Gut, er ist nicht ganz leise und schon gar nicht billig. Doch selbst die unter winterlichen Verhältnissen dürftigsten Winterreifen schlagen einen Reifen noch um Längen: den Sommerreifen. Wir leisten uns den Luxus und testen zum Vergleich stets einen Sommerreifen mit. Das machen wir, um mit echten Messwerten demonstrieren zu können, was wirklich passiert, wenn man versucht, sich mit Sommerreifen durch den Winter zu mogeln. Das geht gut, solange die Fahrbahn nur nass ist. Aber sobald das Wasser zu Eis und Schnee gefriert, ist man mit dem Sommerreifen verloren. Die Messungen sprechen da eine eindeutige Sprache. Beispiel Vollbremsung auf Schnee aus harmlosem Stadttempo 50: Der mit dem Sommerreifen bereifte BMW schliddert mit verzweifelt regelndem Antiblockiersystem unglaubliche 57,9 Meter weit, bis er endlich mit keuchenden Bremsen zum Stehen kommt und einen Testfahrer mit weit aufgerissenen Augen am Ende der Messstrecke hinterlässt. Selbst der in dieser Disziplin schlechteste Winterreifen, der Maxxis, braucht bei dieser Messung nur 23,9 Meter. Und der beste Testkandidat in dieser Disziplin – ausgerechnet der Billig reifen Pace aus China – bringt den BMW schon nach 22 Metern zum Stehen. Eine verrückte Welt ist das.

Die Bewertung der zehn Reifen finden Sie unten in der Tabelle. Eine Zusammenfassung der wichtigsten Stärken und Schwächen der Reifen gibt's in der Bildergalerie.
# Getesteter Reifen Testurteil  
1.

Goodyear
UltraGrip Performance Gen-1

97 H

vorbildlich

(1-/1-/2)*
 
2.

Continental
WinterContact TS 850 P

97 H

vorbildlich

(1-/2+/2)
 
2.

Michelin
Alpin 5

97 H

vorbildlich

(2+/1-/2)
 
4.

Pirelli
Winter Sottozero 3

101 V

vorbildlich

(2/1-/2)
 
5.

Bridgestone
Blizzak LM001

97 H

gut

(2/2/2+)
 
6.

Hankook
Winter I’cept evo2

97 H

befriedigend

(2/2/2-)
 
7.

Vredestein
Wintrac Xtreme S

97 H

befriedigend

(3+/1-/2-)
 
8.

Kumho
WinterCraft WP71

97 H

befriedigend

(2/2-/2-)
 
9.

Maxxis
Arctictrekker WP05

101 V

nicht empfehlenswert

(2-/3/2-)
 
10.

Pace
Antarctica 5

97 H

nicht empfehlenswert

(2+/4+/3+)
 
*Durchschnittsnoten in den Kapiteln Schnee, Nässe und Trockenheit. Bei gleicher Note in alphabetische Reihenfolge.

Winterreifen für Kompakt-SUVs im Test

Der vollständige Artikel mit allen Werten und Ergebnissen aus den einzelnen Test-Disziplinen ist ab sofort im unserem Online-Artikelarchiv erhältlich. Hier können Sie das Original-Heft-Layout als PDF-Dokument downloaden.

Veröffentlicht:

13.10.2017

Preis:

1,00 €

Test: Winterreifen für Kompakt-SUVs

Winterreifen-Test Winterreifen-Test Winterreifen-Test

Autor:

Henning Klipp

Fazit

Es hilft nichts: Wir müssen weiter testen. Denn auch teure Markenreifen offenbaren im harten Wintertest ihre Schwächen. Und billige China-Reifen sind zwar besser geworden, unterm Strich aber nach wie vor ein zu großes Sicherheitsrisiko.

Autoren: Dierk Möller, Henning Klipp, Martin Braun

Stichworte:

Kompakt-SUV

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