Verkehrskontrolle Polizei

Winter- und Ganzjahresreifen: Testsieger 2017

Winterreifenpflicht

— 24.12.2017

Die wichtigsten Winterreifen-Regeln

Gibt es in Deutschland eine allgemeine Winterreifenpflicht? Was passiert, wenn ich im Winter mit Sommerreifen unterwegs bin? Und welche Regeln gelten im Ausland? Auto Bild beantwortet die wichtigsten Fragen.

Zweimal im Jahr steht für Autofahrer eine lästige Aufgabe an: Sofern das Auto nicht mit Ganzjahresreifen ausgestattet ist, wird von Sommerreifen auf Winterreifen gewechselt – und umgekehrt. Doch wann ist es überhaupt an der Zeit, Winterreifen aufzuziehen? Und sind Winterreifen wirklich ab einem bestimmten Datum vorgeschrieben? Auto Bild klärt die wichtigsten Fragen zum Thema Winterreifenpflicht.

Gibt es in Deutschland eine allgemeine Winterreifenpflicht?

In der Straßenverkehrsordnung (StVO) ist kein spezieller Zeitraum für das Aufziehen von Winterreifen vorgeschrieben. Unter StVO § 2, Absatz 3a heißt es jedoch: "Der Führer eines Kraftfahrzeuges darf dies bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eisglätte oder Reifglätte nur fahren, wenn alle Räder mit Reifen ausgerüstet sind, die ... den Anforderungen des § 36 Absatz 4 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) genügen." Mit anderen Worten: Die Pflicht, das Auto mit wintertauglicher Bereifung auszurüsten, besteht nicht für einen bestimmten Zeitraum, sondern nur für bestimmte Witterungs- bzw. Straßenverhältnisse. Man spricht deswegen auch von einer situativen Winterreifenpflicht.

Welche Reifen gelten als wintertauglich?

Reifen mit "Alpine-Symbol" (links) und M+S-Kennzeichnung.

Wintertaugliche Reifen im Sinne der StVZO sind Reifen, die mit dem Alpine-Symbol (Bergpiktogramm mit Schneeflocke) gekennzeichnet sind. Diese Regelung ist im Juni 2017 in Kraft getreten. Bis dahin genügten auch Reifen mit "M+S"-Kennzeichnung (Matsch und Schnee) den gesetzlichen Anforderungen. Allerdings dürfen Reifen, die lediglich die "M+S"-Kennzeichnung tragen, noch bis zum 30. September 2024 auch bei winterlichen Straßenverhältnissen verwendet werden, wenn sie bis zum 31. Dezember 2017 produziert worden sind. Umgekehrt heißt das: Jeder Reifen, der ab 1. Januar 2018 produziert wird, muss zwingend das Alpine-Symbol tragen, um als wintertauglich zu gelten. Zu erkennen ist der Produktionszeitraum an der sogenannten DOT-Nummer auf der Reifenflanke: Die ersten beiden Ziffern geben die Produktionswoche an, die letzten beiden das Produktionsjahr. Eine DOT-Nummer 0118 würde also bedeuten, dass der Reifen im Januar 2018 produziert wurde.

Der Hintergrund für die Neuregelung: Während das "M+S"-Kennzeichen lediglich eine Herstellerbeschreibung des Reifens ist, setzt das Alpine-Symbol ein bestandenes Prüfverfahren für Schneetauglichkeit voraus. Tatsächlich sind jedoch nur wenige Reifen im Umlauf, die ausschließlich eine "M+S"-Kennzeichnung tragen, denn die Reifen der bekannten Hersteller sind schon seit Jahren sowohl mit "M+S" als auch mit dem Alpine-Symbol gekennzeichnet.

Wer ist von der Winterreifenpflicht ausgenommen?

Die Winterreifenpflicht gilt nicht für alle Fahrzeuge, so zum Beispiel nicht für Nutzfahrzeuge der Land- und Forstwirtschaft, einspurige Kraftfahrzeuge wie Motorrad oder Mofa sowie Stapler. Für Busse und Lkw gilt dagegen, dass nur die permanenten Antriebsachsen mit Winterreifen ausgerüstet sein müssen, spätestens ab 1. Juli 2020 auch die vorderen Lenkachsen.

Welche Strafe droht bei fehlenden Winterreifen?

Wer bei winterlichen Straßenverhältnissen mit Sommerreifen erwischt wird, muss mit einem Bußgeld von 60 Euro rechnen sowie einem Punkt in Flensburg. Kommt es durch die falsche Bereifung zur Verkehrsbehinderung, erhöht sich das Bußgeld auf 80 Euro. Bei einer Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer können 100 Euro fällig werden, kommt es zum Unfall, erhöht sich das Bußgeld auf 120 Euro. Strafen drohen aber nur dann, wenn mit dem Auto tatsächlich gefahren wird, nicht etwa bei einem parkenden Auto.

Seit Juni 2017 gilt zudem, dass auch für einen Fahrzeughalter ein Bußgeld (75 Euro) fällig wird, wenn er es zulässt oder sogar anordnet, dass sein Fahrzeug bei Schnee oder Glatteis ohne Winterreifen unterwegs ist. Diese neue Vorschrift soll zum Beispiel Lkw-Fahrer schützen, die bislang oftmals in Fahrzeugen mit falscher Bereifung auf die Straße geschickt wurden.

Ab wann sollte man auf Winterreifen wechseln?

Es gibt in Deutschland zwar keinen gesetzlich festgeschriebenen Zeitraum für Winterreifen, die Empfehlung von Fachleuten lautet jedoch von Oktober bis Ostern ("Von O bis O"). Als Begründung wird angeführt, dass innerhalb dieses Zeitraums in unseren Breitengraden jederzeit Frost und damit auch Glatteis auftreten kann. Zudem verweisen einige Reifenhersteller darauf, dass Sommerreifen bei niedrigen Temperaturen schneller verhärten und dadurch weniger gut Grip erzeugen können. Winterreifen, die einen höheren Anteil an Naturkautschuk besitzen, sollen ihre beste Leistung dagegen erst bei Temperaturen unter sieben Grad Celsius entfalten, so die Hersteller.

Zahlt die Kfz-Versicherung bei einem Unfall mit Sommerreifen?

Kommt es bei winterlichen Straßenverhältnissen zu einem Unfall, und ein Auto ist nur mit Sommerreifen ausgerüstet, drohen dem Fahrer bzw. dem Fahrzeughalter auch Schwierigkeiten mit seiner Kfz-Versicherung. Zwar übernimmt die Kfz-Haftpflicht grundsätzlich die Kosten für Ansprüche der Geschädigten. Der Versicherte kann jedoch mit bis zu 5000 Euro in Regress genommen werden. Schäden am eigenen Fahrzeug werden durch die Kaskoversicherung möglicherweise nur zum Teil oder überhaupt nicht übernommen (weitere Infos hierzu finden Sie im Artikel Winterreifen und Kfz-Versicherung).

Aber auch für den Geschädigten kann es problematisch werden, wenn sein Fahrzeug mit falschen Reifen ausgestattet ist. Kann zum Beispiel nachgewiesen werden, dass sich aufgrund fehlender Winterreifen der Bremsweg verlängert hat, droht dem Unfallopfer eine Mithaftung. Die Kfz-Versicherung des Unfallverursachers übernimmt dann nur einen Teil der Kosten.

Wie ist die Winterreifenpflicht im Ausland geregelt?

Bezüglich der Winterreifenpflicht hat jedes Land seine eigenen Vorgaben – auch innerhalb der EU können sich die Regelungen deutlich voneinander unterscheiden. In der Tabelle unten finden Sie einen Überblick für die wichtigsten reiseländer Europas.
Land Winterreifenpflicht Schneeketten
Belgien Keine generelle Winterreifenpflicht Verwendung nur auf schnee- oder eisbedeckten Straßen zulässig
Dänemark Keine generelle Winterreifenpflicht Schneeketten können erforderlich sein
Finnland Winterreifenpflicht ab dem 1. Dezember bis zum 28. Februar Schneeketten soweit erforderlich. Bei Benutzung soll die Straßenoberfläche nicht beschädigt werden.
Frankreich Keine generelle Winterreifenpflicht; Winterreifen können jedoch insbesondere im Gebirge durch Verkehrsschild angeordnet werden. Schneeketten können auf schneebedeckten Straßen angeordnet werden
Italien Kann bei entsprechenden Witterungsbedingungen auf bestimmten Strecken kurzfristig angeordnet werden. Im Aosta - Tal Pflicht zwischen dem 15. Oktober und dem 15. April; in anderen Provinzen kann eine Winterreifenpflicht zwischen dem 15. November und dem 31. März durch Verkehrsschild angeordnet werden. Ist Schneekettenpflicht angeordnet, darf mit Winterreifen oder Schneeketten gefahren werden
Niederlande Keine generelle Winterreifenpflicht Verwendung verboten
Norwegen Keine generelle Winterreifenpflicht, aber dringend empfohlen; bei Schnee oder Glatteis sind bei Sommerreifen Schneeketten zu verwenden Fahrzeuge über 3,5 t zGG müssen im Winter Schneeketten mitführen
Österreich Situative Winterreifenpflicht zwischen 1. November und 15. April Zwischen 1. November und 15. April bei schnee- oder eisbedeckter Fahrbahn alternativ zu Winterreifen
Portugal Keine generelle Winterreifenpflicht Verwendung nur auf schneebedeckten Straßen zulässig
Schweden Situative Winterreifenpflicht zwischen 1. Dezember und 31. März Verwendung, wenn Straßen und Witterungsverhältnisse es erfordern, für alle Fahrzeuge zulässig.
Schweiz Keine generelle Winterreifenpflicht; Winterreifen werden bei winterlicher Witterung empfohlen, da bei Behinderung anderer eine Geldbuße verhängt wird; bei Unfällen mit Sommerbereifung kommt eine Mithaftung in Betracht. Schneeketten (min. auf den zwei Antriebsrädern) sind zu verwenden, wenn es durch Verkehrsschild angeordnet wird. Ausnahmen für Allrad-Fahrzeuge müssen ausgeschildert sein
Spanien Keine generelle Winterreifenpflicht Verwendung nur auf schneebedeckten Straßen; Höchstgeschwindigkeit mit Schneeketten: 50 km/h
Quelle: AvD

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