Wohnen mit dem Auto

Wohnen mit dem Auto Wohnen mit dem Auto

Wohnen mit dem Auto

— 08.11.2005

Die Auto-WG

Car Loft löst Parkprobleme: In Berlin kommen die Autos demnächst per Fahrstuhl mit auf die Wohnebene. Verrückte Idee, frei nach dem Motto: Kreuzberger Schächte sind lang.

Alles andere als ein Himmelfahrtskommando

Vielleicht ist die Idee abgefahren. Eher aber ist sie auf- oder hochgefahren. Mit dem Auto in die Etagenwohnung – was könnte dieses, wohin auch immer gefahrene Projekt schon angemessen beschreiben? Dabei ist Car Loft, so der Name des Wohnkonzepts für Motorfahrzeug und Mensch, alles andere als ein Himmelfahrtskommando. "Es ist ganz einfach die Summe aus maximaler Lebensqualität und der Begebenheit des Baugrunds", meinen Erfinder Manfred Dick und Partner Johannes Kauka.

Berlin. Boomende Metropole mit wachsendem Weltstadtanspruch – und typischen alten Arbeitervierteln, die erst eine bunte Untergrund-Szene und später die Lifestyle-Klientel anziehen. Kreuzberg etwa. Dort macht der Kiez der Freaks derzeit eher widerwillig dem solventen Stadtmenschen Platz. Was zum liebenswerten Multikulti fehlt, ist allein die gegenseitige Akzeptanz.

Problematischer ist indes der Mangel an Parkraum. Denn mit dem Kapital strömen auch Zehntausende Autos ins Modeviertel. Aber wer verfährt schon gern eine Tankfüllung pro Parkplatzsuche? Der Bewohner des hippen Volletage-Penthouse sicherlich am wenigsten. Kreuzberger Crux außerdem: Der hohe Grundwasserspiegel zwischen Spree und Landwehrkanal verteuert den Bau von Untergeschoß-Parkflächen erheblich.

Puls fühlen und gute Besserung wünschen

Dicks erste Idee für eine geplante Loft-Anlage am Paul-Lincke-Ufer: die Autos per Aufzugsystem im Treppenhaus zu stapeln. Nicht vereinbar mit den Fluchtwegen, beschied 2001 die Brandschutzverordnung. Flucht nach vorn für den quer denkenden Architekten: Dann kommt die Karosse eben mit auf die Wohnebene. Technisch machbar – und auch nicht viel teurer als eine Tiefgarage.

Erste Reaktion in der Baubehörde: Puls fühlen und gute Besserung wünschen. Doch dann erkannten die Beamten – und insbesondere die Feuerwehr – die Herausforderung und kooperierten. Schließlich siegten sachliche Argumente. Die Baugenehmigung kam am 31. August 2005, inzwischen ist Car Loft (www.carloft.de) zum Patent angemeldet.

Johannes Kauka (39), um drei Ecken verwandt mit dem "Fix & Foxi"-Vater Rolf Kauka, geht die Pläne durch. "Hier außen", schwärmt er und läßt den Bleistift kreisen, "kommt der Car Lift hin, daneben die Car Loggia, dort drüben der Etagengarten." Er meint den 2,80 mal 6,10 Meter messenden Aufzug, den luftigen Stellplatz, die begrünbare Terrasse – jedes Kind muß halt seinen Namen haben, das wissen er und Manfred Dick (53) genau. Als gestreßte Familienväter kennen sie das Theater um Großeinkauf, Tiefgarage, Tüten und Kisten schleppen – da ersinnt man dann solch verrückte Luftschlösser wie das Car Loft.

Im Frühjahr 2006 ist Baubeginn

Dick und Kauka kämpften mit Ausdauer, Herzblut und hohem Geldeinsatz für ihre Idee. Jetzt sind sie am Ziel. Im Frühjahr 2006 ist Baubeginn, ein gutes Jahr später sind die Car Lofts bezugsfertig. Zehn Einheiten ab 150 Quadratmeter Wohnfläche (224 inklusive Car Loggia und Etagengarten) verteilen sich dann auf fünf Ebenen, darüber thront das Penthouse mit 539 Quadratmetern. Die Kaufpreise starten bei 450.000 Euro. Nicht gerade ein Schnäppchenpreis, aber angesichts der Besonderheiten schon fast ein Einführungsangebot. Klar, daß es bereits vor der Vertriebsphase viele Interessenten gibt.

Für später plant das Wohnsinnsduo weitere Projekte in Hamburg, in München und in Wien. Danach kommen vielleicht entsprechende Herbergen für Geschäftsreisende, Vertikal-Motels quasi. Träumen ist ja erlaubt. Das gilt auch für die künftigen Bewohner der Car Lofts. Umbau der Car Loggia zur vollverglasten Vitrine für das verwöhnte Vehikel? Durchaus machbar. Hochdruckreiniger für die Wagenwäsche in himmlischer Höhe? Dank Ölabscheider im Abwassersystem realisierbar. Ausweitung der vier mal sieben Meter messenden Parkfläche für weitere Autos? Absolut drin, wenn auch auf Kosten der Wohnfläche. Motorradtreffen im vierten Stock? Na ja, solange die Nachbarn stillhalten ... Befahrung des Etagengartens? Auch mit solchen Wünschen rechnen Dick und Kauka.

Die Umsetzung liegt bei jedem Eigentümer selbst. Unwahrscheinlich, daß die Leute vom Bauamt per Hubschrauber zum Kontrollflug starten. Fehlt also nur noch ein kleiner, couragierter Schritt, den Parkplatz – legal oder nicht – mitten in die gute Stube zu verlegen. Da bekommen Begriffe wie Wohnmobil und Ölteppich einen ganz neuen Dreh.

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