VW Caddy Maxi Tramper gegen Vario Perfect

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Wohnmobil-Test: VW Caddy Maxi Tramper/Vario Perfect 1200

— 19.08.2014

Camping der Extreme

Ein VW Caddy Maxi Tramper für rund 40.000 Euro oder der Luxusliner Vario Perfect 1200 für 1,2 Millionen – wer hängt hier wen ab? Ein nicht ganz ernst gemeinter Konzeptvergleich der Superlative.

Eins Komma zwei Millionen? Ich schlucke und überschlage schnell den Quadratmeterpreis: 36.000 Euro! Dafür bekomme ich ja fast ein kleines Luxus-Apartment in New York. Vor mir steht eine automobile Schrankwand. Zwölf Meter lang, 2,50 breit und mehr als doppelt so hoch wie ich. "Wenn du so ein Wohnmobil fährst, musst du schon etwas Arsch in der Hose haben", schmunzelt Heiko Hülsmann (42). Der Verkaufsleiter von Variomobil erzählt, wie er mit einem ähnlichen Modell mal am Hockenheimring vorfuhr und dort von den Campingnachbarn mit blanken Hintern begrüßt wurde: "Nachdem ich eine Runde Bier ausgegeben hatte, waren aber alle Vorurteile vom Tisch."
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Omnibus-Basis: Lkw-Führerschein ist beim Perfect 1200 Pflicht

Verflixt, ist das eng: Aber der Vario ist für seine Maße erstaunlich rangierfähig. Sein Wendekreis beträgt 20,2 Meter.

Die familiengeführte Manufaktur im niedersächsischen Bohmte baut seit 31 Jahren Wohnmobile der Extraklasse. Allein vom Perfect 1200 werden jedes Jahr fünf Stück produziert, rund 8000 Arbeitsstunden stecken darin. Insgesamt rollen 20 Sonderanfertigungen jährlich vom Hof. Etwa eine Handvoll findet solvente Käufer im Ausland. "Unsere Kunden waren meist schon in ihrer Jugend Camper. Heute leiten sie Firmen, haben wenig Zeit, wollen aber auf Komfort und Flexibilität nicht verzichten. Mit dem Perfect 1200 haben sie ihre rollende Hotelsuite immer dabei – auch an Wochenenden wie Ostern, wo die Hotels lange im Voraus ausgebucht sind", erklärt Hülsmann. Manche Kunden bestellen alle fünf Jahre neu. "Das nächste wird dann immer etwas größer." Die Besitzer dieses Kolosses mussten extra einen Lkw-Führerschein machen, bevor sie ihn abholen konnten. Denn die rollende Burg basiert auf dem Omnibus-Fahrgestell eines Volvo B 12 M.
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Mit aller Kraft öffne ich die 90-Kilo-Tür auf der Beifahrerseite und steige in eine mir neue Camping-Welt. Durch meine Socken spüre ich die Warmwasser-Fußbodenheizung unter dem cremefarbenen Granitboden. Meine Finger streichen über das weiche weiße Leder der elektrisch verstellbaren extrabreiten Sessel und entlang dem glatten Edelholzfurnier aus amerikanischem Nussbaum, das alle Wände kleidet. Die Küche kann es mit meiner zu Hause allemal aufnehmen: Induktionsherd, 190-Liter-Kühlschrank, Miele-Mikrowelle mit Heißluftgrill, Nespressoautomat und dazu auch noch eine kleine Glasvitrine für hübsches Kristall samt dazugehörigen Alkoholika. "Wir bauen auf Wunsch auch eine Spülmaschine ein", sagt Hülsmann.

Ein Quadratmeter Luxusliner kostet so viel wie ein ganzer Caddy

So sieht es im VW Caddy Maxi Tramper aus: Die 1,10 Meter breite Matratze ist nur halb so dick wie die des Luxusliners, aber gemütlich.

Durch das großzügige Panoramafenster hinterm Steuer dieses Brummi de luxe sehe ich den kleinen roten Caddy, mit dem ich angereist bin. Seine Mehr-geht-nicht-Variante kostet etwa so viel wie hier gerade mal ein Quadratmeter. Ich starre in seinen vollbepackten Kofferraum: Meine grüne 13-Liter-Kühltasche steht neben der Kiste mit dem Gaskocher, den Thermobechern, Tellern und Töpfen. Daneben liegt die Tasche mit dem Campingtisch und den zwei Stühlen, die Teil der Sonderausstattung des Caddy sind. Dazu meine Reisetasche mit den Klamotten. Das Nötigste wie Zahnbürste, Buch, Unterwäsche habe ich in die vier abnehmbaren Stautaschen an den hinteren Seitenfenstern gestopft. Will ich schlafen, beginnt erst mal eine zehnminütige Umbauaktion. Jedenfalls wenn ich neben dem 1,10-Meter-Bett auch noch die Abdunklung und das Vorzelt aufbauen möchte.

Das Bett im Vario Perfect misst 1,60 Meter, darüber gibt's einen Baldachin mit dimmbarem Sternenhimmel. Dazu: Mehr Fernsehprogramme als daheim und alles in HD.

"Hier geht es weiter ins Schlafgemach", ruft Hülsmann. Ich gehe zwei Stufen auf flauschigstem Flokati-Teppich rauf und sehe zu meiner Rechten ein Badezimmer, das jeden Altbauwohnungs-Besitzer neidisch machen würde. Neben Fenster und Handtuchtrockner lockt hier eine Regendusche mit Sternenhimmel. "Der Perfect 1200 fasst 500 Liter Frischwasser, 400 Liter Abwasser und 300 Liter Fäkalien. Das reicht locker für eine Woche Wildnis ohne Einschränkungen." Ich bin baff. Im Caddy kommt mein fließendes Wasser aus einer 1,5-Liter-Flasche, und mein Make-up-Spiegel ist so groß wie eine XXL-Kaugummipackung und klebt an der Sonnenblende. Zwar gibt es auch eine Wasser- Standheizung, die man über eine Fernbedienung programmieren kann. Leider stellt sie sich nach zwei Stunden wieder ab und muss neu programmiert werden. Im Schlafzimmer des Vario fühle ich mich wie in einem Märchen von Tausendundeiner Nacht: ein verspiegelter Kleiderschrank, ein Baldachin (wieder mit Sternenhimmel) über dem 1,60-Meter-Bett, ein 32-Zoll-Flatscreen und dank zwei ausfahrbarer Erker sogar noch Platz für ein Sofa. Während ich im Caddy bei schlechtem Wetter auf einer nicht mal halb so dicken Matratze mit einer abnehmbaren Taschenlampe in meinem Buch lese, zapp ich mich im Perfect dank Sat-Anlage auf dem Dach durch etliche HD-Programme sanft in den Schlaf.

In der Garage wartet der Mini Cooper auf seinen Einsatz

Der wahre Knaller wartet aber ein Stockwerk tiefer: die Garage samt Mini Cooper. Hülsmann: "Einer unserer Kunden mischt sich dafür gern unter die Menschentraube, die so ein Wohnmobil zwangsweise auf jedem Campingplatz anzieht. Unauffällig drückt er dann auf die Fernbedienung in der Hosentasche und guckt zu, wie die elektrische Rampe samt Kleinwagen unter staunenden Blicken rausfährt. Zum Schluss löst er sich aus der Masse, steigt in den Mini und fährt davon." Tollstes Gimmick, das der Caddy entgegensetzen kann, ist ein Parklenkassistent, der das Auto eigenständig einparken lässt. "Eins! Komma! Zwo! Mio!", zuckt es wieder durch meinen Kopf. Wie viele Luxussuiten kann ich mir dafür wohl leisten? Auch in letzter Minute und mit Meerblick? Doch den Besitzern solcher Prunk-Liner geht es um mehr als nüchterne Zahlen. Sie verfolgen ein Lebensmodell. Vielleicht ist das der einzige gemeinsame Nenner dieser zwei Extreme.

Wie luxuriös das Vario-Wohnmobil im Detail ausgestattet ist, und was der kleine Caddy im Vergleich zu bieten hat, zeigen wir in der Bildergalerie.

VW Caddy Maxi Tramper gegen Wohnmobil Vario Perfect

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Autor:

Daniela Pemöller

Fazit

Mit dem Perfect ist es wie mit einem Model an der Seite. Die Blicke anderer sind einem sicher. Ich aber mag keine großen Auftritte, stehe mehr auf ruhige Kerle. Und die Regendusche suche ich mir in der Natur.

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