Wohnmobile: Crashtest

Wohnmobile: Crashtest

— 09.06.2016

An den Bremsen hapert es

In Reisemobilen ist man recht sicher unterwegs, ergab ein Crashtest der Deutschen Versicherungswirtschaft. Schlechte Bremsen, Überladung und ungenügend gesicherte Ladung bergen aber Risiken.

Bei einem Crash werden unverstaute Gegenstände und auch Hunde zu Geschossen.

(dpa/mas) Viele schwere Unfälle mit einem Wohnmobil wären nach Ansicht von Unfallforschern mit besseren Bremsen vermeidbar. Das ist eines der Ergebnisse einer Untersuchung von Crashtest-Experten vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft, die am Mittwoch, 8. Juni 2016, in Münster vorgestellt wurden. Eine weitere Erkenntnis: Passagiere im hinteren Bereich des Womos sind gefährdeter als solche im vorderen Bereich. Grund hierfür ist ungesicherte, im Falle eines Unfalls umherfliegende Ladung. Wie ein Crashtest der UDV mit 70 km/h zeigt, fliegen ungesicherte Teile, aber auch ein Hund, wie Geschosse durch den Innenraum. Wäre der vierbeinige Dummy mit Plüschfell, der beim Crashtest bis in den Fußraum der Fahrerkabine geschleudert wurde, ein echter Hund, hätte er das wohl nicht überlebt. "Jeder sollte sich gut überlegen, ob er da nicht lieber das Gewinsel aus der sichereren Transportbox in Kauf nimmt", sagt der Studienleiter Siegfried Brockmann.
Unfälle mit Reisemobilen sind jedoch eher selten, 2015 machten sie nur 0,18 Prozent aller Unfälle mit Personenschäden aus. Auch die Tests der UDV beruhigen: Demnach verhielt sich das getestete Wohnmobil bei den Fahrdynamikversuchen auch an der Belastungsgrenze "relativ gutmütig". Wenn es kracht, gibt es aber oft Tote oder Schwerverletzte – allerdings häufiger aufseiten der Unfallgegner als bei den Reisemobilinsassen, wie eine Analyse der Unfallstatistik zeigt. Häufig handele es sich dabei um Auffahrunfälle.

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Zu lange Bremswege – wegen Zögerlichkeit und Überladung

Eine Ursache für die Zusammenstöße sehen die Experten in den langen Bremswegen von bis zu 60 Metern aus Tempo 100. Angesichts des großen Gewichts der rollenden Wohn- und Schlafzimmer sei es inakzeptabel, dass sich die Bremsleistung nahe des Niveaus normaler Personenwagen bewege, kritisierte Studienleiter Brockmann.
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Dabei sind die Bremswege häufig noch länger, als sie sein müssten – zum einen, weil viele Fahrer zu zögerlich auf das Pedal treten, zum anderen, weil viele Mobile überladen sind. Nicht unbedingt, weil zuviel Gepäck mitgenommen wird: Bei vielen Modellen würden nachträglich Extras wie Markisen, Solaranlagen oder Anhängerkupplungen nachgerüstet. Wer ein gebrauchtes Wohnmobil kauft, sollte deshalb zunächst in den Fahrzeugpapieren das Leergewicht ermitteln und den Reisekasten nochmals wiegen, rät Wohnmobil-Experte Lothar Angermund vom ADAC.

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Bei Gebrauchtkauf: nachwiegen!

Das Fahrzeug kann auf einer Waage, etwa bei einer Mülldeponie oder einer Prüforganisation, gewogen werden. Die befährt man mit leerem, vollgetanktem Fahrzeug. Aus der Differenz aus dem zugelassenen Höchstgewicht aus den Papieren und dem ermittelten Gewicht ergibt sich die Zuladung. Die muss für alles, was mitkommen soll, ausreichen. "Einfacher ist es, gleich mit dem bereits vollgepackten, reisefertigen Wohnmobil auf die Waage zu fahren", sagt Angermund. Dabei darf man nicht das Gewicht von Passagieren und Haustieren vergessen. Das zulässige Gesamtgewicht sowie die Achslasten darf man nicht überschreiten. Es drohen Bußgelder und ab 20 Prozent Überladung ein Punkt in Flensburg. Auch die Tragfähigkeit der Reifen leidet bei Überladung. Reifenplatzer können die Folge sein.

Wassertank leeren, Proviant am Ziel kaufen

Bei Heckgaragen, also von außen zugänglichem Stauraum am Heck, müsse man darauf achten, dass die Hinterachse nicht überlastet wird. Bei Fronttrieblern führt das zu Traktionsproblemen beim Anfahren zum Beispiel an Steigungen oder bei Nässe. Die Achslasten ermittelt man, indem man erst nur mit der Vorderachse, dann nur mit der Hinterachse auf die Waage fährt. Gewicht spart, wer seinen Wassertank vor der Fahrt nur halb befüllt. "Auch seinen kompletten Nahrungsvorrat kauft man erst am Zielort", rät Angermund. Für die Reise reiche Proviant.

Ladung: Schweres nach unten, Leichtes nach oben

Hunde gehören in eine gesicherte Transportbox.

In Reisemobilen sollten schwere Dinge in Bodennähe verstaut werden. Am besten bringt man sie in vorhandenen Staufächern unter. "Während der Fahrt dürfen keine losen Gegenstände mehr herumfliegen können", sagt Angermund. "Leichtes wie Kleidung oder Kunststoffgeschirr kommt in die Oberschränke." Die meisten Fächer sind heute mit verschließbaren Klappen ausgerichtet. In den Heckgaragen gibt es meist Verzurrschienen, wo man das Gut mit Spanngurten sichern kann.

Transportbox wichtig für Tiere

"Einen Hund nimmt man speziell gesichert in einer Transportbox mit", sagt Angermund. Alle Passagiere dürfen nur auf den zum Fahren zugelassenen Sitzen mit Gurten sitzen. Während der Fahrt gilt die Anschnallpflicht. Kindersicherheit sei bei vielen Wohnmobilen ein Problem, sagt der Experte, "weil man die Kindersitze oft nicht ordentlich in der Sitzecke sichern kann". Dann montiert man den Kindersitz auf den Beifahrersitz.

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