Wohnmobile: Crashtest — 15.07.2011

Das Risiko fährt mit

Achtung, Lebensgefahr! Der DEKRA-Crashtest beweist: Die Passagiere im hinteren Bereich eines Wohnmobils können von umherfliegender Ladung erschlagen werden. Deshalb gilt: Die Ladung immer richtig verstauen.

"Schatzi, ich hab' Durst. Holst du mir bitte eine Cola aus dem Kühlschrank?" Halt, stopp! AUTO BILD warnt: Bitte, Schatzi, tu es nicht. Wir befinden uns in einem Wohnmobil, wollen, sagen wir mal, von Hannover an den Gardasee fahren. Am Kirchheimer Dreieck bekommt Papa Durst – und Schatzi den folgenschweren Auftrag, eine Cola aus dem Kühlschrank zu holen. Das ist lebensgefährlich, wie ein spektakulärer Crashtest der Prüforganisation DEKRA jetzt bewiesen hat. Nehmen wir mal an, am Kirchheimer Dreieck ist Stau. Papa sieht das zu spät, fährt mit 50 km/h auf das Auto des Vordermanns. Rrrumms. Crash. Papa und Mama ganz vorn im Wohnmobil passiert nichts, sie sind angeschnallt. Aber hinter ihnen, da spielt sich Dramatisches ab. Schatzi, ihr zehnjähriges Kind, wird mit voller Wucht quer durchs Wohnmobil geschleudert, knallt schließlich mit dem Kopf gegen die Tischplatte und bleibt bewusstlos auf dem Boden liegen. Schwere Verletzungen an der Halswirbelsäule drohen. Lebensgefahr!

Lesen Sie auch: Sicherheitstipps für Wohnwagen

Der am Tisch sitzende Passagier erleidet schwere Verletzungen am Brustkorb.

Ein weiterer Passagier, der am Tisch Zeitung liest, prallt mit dem Brustkorb gegen die Holzplatte. Dosen und Geschirr fliegen quer durch den Gang. "Solch ein Unfall mit einem Wohnmobil kann dramatische Folgen haben", sagt Jörg Ahlgrimm, Leiter der Unfallanalyse bei DEKRA. In unserem Fall ist die Ladung schlecht verstaut, die Mitfahrer im Wohnbereich sind nicht angeschnallt. Beides darf nicht sein. Ahlgrimm: "Eine Konservendose kann bei einem Crash 40-faches Eigengewicht entwickeln und zu einem gefährlichen Geschoss werden." Im allerschlimmsten Fall können die Passagiere von umherfliegender Ladung erschlagen werden. Wie Sie solche Gefahren vermeiden können? Der DEKRA-Experte hat drei Tipps. • Erstens: richtig laden. Schwere Gegenstände wie Proviant und Geschirr gehören nach unten und werden gesichert. • Zweitens: Während der Fahrt sind alle Passagiere angeschnallt. • Drittens: Das Wohnmobil ist technisch topfit und nicht überladen, die Reifen sind nicht älter als sechs Jahre. Und Schatzi holt nur auf dem Rastplatz eine Cola aus dem Kühlschrank.

Moderne Technik verhindert solche Desaster

Wohnwagen-Crash: Ein Transporter zermalmt bei Tempo 60 die rollende Gartenlaube.

Kritisch wird es auch, wenn Gespanne ins Schlingern kommen. Die DEKRA hat das in einem Crashtest nachgestellt: Der grüne Opel Meriva mit dem orangefarbenen Wohnwagen im Schlepp gerät außer Kontrolle. Der Wohnwagen schleudert in den Gegenverkehr, ein Transporter kommt mit 60 km/h angerauscht– und zermalmt die rollende Gartenlaube. Passagiere hätten im Wohnwagen keine Überlebenschance. Ein Horrorszenario. Aber lässt sich das verhindern? DEKRA-Unfallexperte Jörg Ahlgrimm: "Jeder Gespannfahrer sollte ein Fahrtraining absolvieren. Da lernt man, was zu tun ist, wenn der Anhänger ins Schleudern gerät." Die Kunst besteht darin, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen. Zum Beispiel indem der Wohnwagen richtig beladen wird: Schweres Gepäck gehört in Achsen- und Bodennähe, zulässiges Gesamtgewicht, Anhänge- und Stützlast dürfen nicht überschritten werden. Und dann gibt es da noch die elektronischen Schutzengel: Anhänger-ESP lässt sich für viele Zugfahrzeuge durch einen Eingriff in die Software nachrüsten. Wenn nicht, dann ist das Anti-Schleuder-System ATC von AL-KO eine Alternative. Wie das funktioniert, sehen Sie oben in der Bildergalerie.

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Kommentare zum Artikel (3)

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mx
15.07.2011, 13:17Uhr

Wie man Tote und Verletzten In Wohnwägen und Reisemobilen verhindert?

Ganz einfach: Während der Fahrt auf den zugelassenen Plätze ANSCHNALLEN!!!

Wer rumläuft oder gar im Anhänger während der Fahrt "wohnt", hat den Schuss einfach nicht gehört.

Dann hilft auch kein Fahrsicherheitstraining, Welches der Fahrer auf jeden Fall mindestens alle 5 Jahre absolvieren sollte.

abc
15.07.2011, 12:25Uhr

Jup, wollte auch grad schreiben, dass man vielleicht besser mal ein aktuelles Modell der jeweiligen Gattung hätte nehmen sollen, so geht etwas Glaubwürdigkeit verloren.

MD68
15.07.2011, 10:22Uhr

Der Artikel ist ein guter Hinweis und eine Warnung an alle WOMOS. Allerdings ist seit Jahren der Personentransport im Wohnmobil auf Plätzen ohne Gurte nicht erlaubt. Zum andern handelt es ich hier sicher aus Kostengründen um fast 25 jahre altes Wohnmobil. Gerade in den letzten 10 Jahren hat die passive Sicherheit in KFZ, LKW und Freizeitmobilen sehr zugenommen. Tortzdem eine gute Warnung!

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