Wolfgang Tiefensee im Interview

Wolfgang Tiefensee im Interview

— 13.04.2006

"Öl-Multis sind Preistreiber!"

Bundesverkehrsminister Tiefensee wirft den Ölkonzernen Abzocke vor – und ruft die Autofahrer zum Widerstand auf.

Jahr für Jahr ist es die gleiche Prozedur: Pünktlich zu Ostern steigen die Benzinpreise. Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (51/SPD) macht die Ölkonzerne dafür verantwortlich – die Politik sei dagegen machtlos. Der Minister im Interview mit BILD.

BILD: Pünktlich zum Ferienbeginn steigen wieder die Spritpreise. Was sagt der Verkehrsminister dazu? Wolfgang Tiefensee: Ich habe kein Verständnis dafür, daß die Mineralölkonzerne jedes Dahr zur Osterzeit die Autofahrer abkassieren. Es ist doch immer das gleiche Spiel: Pünktlich zur Reisezeit, egal ob Sommerferien, Weihnachten oder Ostern, drehen sie an der Preisschraube. Ich kann absolut verstehen, wenn die Bürger darüber stocksauer sind!

Die hohen Ölpreise sind also nur vorgeschoben? Es ist doch völlig klar: Die Preisrunde der vergangenen Woche mit rund vier Cent ist nicht mit dem Anstieg der Ölpreise zu erklären. Die Mineralölkonzerne sind den deutschen Autofahrern bislang eine nachvollziehbare Begründung dafür schuldig geblieben. Autofahren in Deutschland muß bezahlbar bleiben – dafür tragen die Ölkonzerne die Verantwortung mit.

Wie können sich die Autofahrer wehren? Indem sie sich das Abkassieren an der Zapfsäule nicht gefallen lassen. Wer da tankt, wo der Liter Benzin ein oder zwei Cent billiger ist, durchkreuzt die Preistreiberei. Also: Konsequent an der billigsten Zapfsäule tanken. Übrigens: Das mache ich privat auch.

Ist die Politik denn völlig machtlos? Die Politik kann die Preise nicht regulieren – und solange keine illegalen Absprachen der Konzerne nachweisbar sind, können wir nicht eingreifen. Hinzu kommt: Langfristig müssen wir uns leider auf hohe Energiepreise einstellen. Deshalb brauchen wir künftig sparsamere Autos und neue Kraftstoffe. Dafür investieren wir 500 Millionen Euro in die Entwicklung von Wasserstoff-Antrieben. Auf lange Sicht müssen wir weg vom Öl, damit in 20 Jahren Autofahren nicht zum Hobby von ein paar Reichen wird.

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