Rallye-WM: Alle Fahrer der WRC-Klasse 2017

WRC: Legende Sébastien Loeb

WM-Comeback nur zum Spaß

Der neunmalige Rallye-Weltmeister und Peugeot-Werksfahrer spricht über Rallycross, Dakar und die Rallye-WM. Das ist Stand der Dinge bei der Legende.
Die Rallycross-Weltmeisterschaft ist bis auf ein Rennen gelaufen, und Sie haben noch keinen Sieg feiern können. Wie frustrierend ist das?
Glücklich bin ich darüber natürlich nicht. Aber ich habe inzwischen akzeptiert, dass Rallycross weniger vorhersehbar ist als Rallye. Im Rallycross bist du als Fahrer einer Menge Faktoren ausgesetzt, die du selbst nicht beeinflussen kannst. Ich habe in einigen Rennen schlecht abgeschnitten, weil ich in Unfälle mit Konkurrenten verwickelt war.
Aber auch wenn’s gut lief, hatten Sie nur selten eine Siegchance. Auch am Wochenende auf dem Estering waren Sie weit weg von der Spitze . . . 
Zunächst einmal muss man sagen, dass wir im Vergleich zu 2016 Fortschritte gemacht haben. Der Peugeot 208 WRX ist schneller als letztes Jahr, wir sind auf einem Niveau mit den Audi und den Ford. Aber ich muss auch zugeben, dass wir mit WM-Neuling Volkswagen nur manchmal mithalten konnten. Das Team hat die Latte in der Rallycross-WM ein Stück höher gelegt. Deshalb war für uns dieses Jahr ein Platz auf dem Podium schon ein Erfolg. Der Estering ist, vor allem bei Nässe wie jetzt am Wochenende, eine Strecke mit niedrigem Gripniveau. Bei diesen Verhältnissen haben wir Schwierigkeiten.
Was ist das Erfolgsgeheimnis von Volkswagen? Eigentlich müssten sie mit einem Auto, dass in der Basis ein World Rally Car ist, doch Nachteile gegen reinrassige Rallycross-Autos haben  . . .
Das stimmt nicht. Man muss das so sehen: Der Polo ist in der Basis ein World Rally Car, dass mit der ganzen Power und dem Riesen-Budget eines Werksteams entwickelt wurde. Das Auto ist in vielen Details einfach kompromissloser und damit besser gebaut, als es die Teams aus der Rallycross-WM tun können, die ja grundsätzlich alle Privatteams sind. Auch Peugeot kooperiert letztendlich nur mit dem Team von Kenneth Hansen. Und mit dem Knowhow und den Möglichkeiten eines Werksteams hat Volkswagen den Polo zum Rallycross-Auto umgebaut. Das ist eine andere Liga. Unser Auto ist zum Beispiel ein bisschen zu schwer und deswegen nicht so agil wie der Polo. Das zu ändern, erfordert einen enormen Aufwand. Aber wir arbeiten daran, das für 2018 zu verbessern.
Werden Sie dann noch bei Peugeot in der Rallycross-WM fahren?
Ich persönlich würde gerne weiter in der Rallycross-WM fahren. Aber die Entscheidung liegt bei Peugeot. Und sie ist noch nicht gefallen. Wenn Peugeot weitermacht, werde ich auf jeden Fall dabei sein.
Sie haben in den letzten Wochen den Citroën C3 WRC für die Rallye-WM getestet. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit für ein Comeback?
Auch das hängt alleine davon ab, was Peugeot entscheidet. Wenn Peugeot in der Rallycross-WM bleibt, wird das meine Priorität. Falls nein, ergeben sich für mich natürlich andere Möglichkeiten.
Bei Citroën könnten Sie auf ihren früheren Teamkollegen Sébastien Ogier treffen.  Vor sechs Jahren kam es zum Krach. Wie schwierig wird es für Sie, wieder mit Ihrem „Lieblingsfeind“ in einem Team zu fahren?
Also erstens sind wir inzwischen beide ein paar Jahre älter und etwas ruhiger geworden. Und zweitens war der Krach damals gar nicht so groß, wie er in der Presse dargestellt wurde. Ich glaube, das würden wir beide schon hinkriegen. Zumal mein Ziel sicher nicht sein wird, wieder um den WM-Titel zu fahren. Für mich würde es definitiv nur um den Spaß gehen.

Derzeit gibt es viele Fragen um Sébastien Loeb

Hätten Sie den Siegchancen?

Tja, das weiß ich wirklich nicht. Das kann ich nach den zwei Testfahrten im Citroën C3 WRC nicht einschätzen. Ich bin schon ein paar Jahre raus aus der Rallye-WM. Ich glaube nicht, dass ich auf Anhieb wieder um Siege fahren könnte. Aber ich gebe zu, dass es mich interessieren würde, ob ich heute noch mithalten könnte. Rallyesport ist für mich immer noch das Größte.
Was sagt eigentlich Ihr früherer WM-Beifahrer Daniel Elena zu Ihren Comeback-Ideen?
Daniel hat noch nie nein gesagt, wenn ich ihn gefragt habe. Okay, er ist im Moment ein wenig übergewichtig, daran müsste er arbeiten.
Bevor es möglicherweise zu einem Comeback in der Rallye-WM kommt, steht im Januar 2018 die nächste Rallye Dakar auf Ihrem Programm. Was erwarten Sie bei Ihrem dritten Start?
Nach allem, was ich bisher über die neue Route weiß, wird deutlich mehr in Dünen, also im tiefen Sand gefahren. Das ist nicht gut für mich und Daniel. In diesem Gelände sind meine Teamkollegen bei Peugeot, vor allem Stéphane Peterhansel und Carlos Sainz, noch deutlich besser als ich.
Peugeot bringt einen gründlich überarbeiteten 3008DKR an den Start. Wie viel besser ist das neue Auto?
Das ist schwer zu sagen. Die Spur ist breiter, was ein Vorteil ist. Auf der anderen Seite müssen wir 2018 einen kleineren Airrestrictor fahren (Luftmengenbegrenzer im Ansaugtrakt, d. Red.). Dadurch hat der Motor weniger Leistung. Insgesamt haben wir also keinen allzu großen Schritt nach vorne gemacht. Im Moment kann ich außerdem noch nicht abschätzen, wo die Konkurrenz steht. Letztes Jahr hatte ich gegen Nasser Al-Attiyah im Toyota auf den Pisten keine Chance, ich musste ihn sogar überholen lassen. Der neue Toyota soll noch schneller sein. Außerdem weiß ich nicht, wie Mini aufgestellt ist. Auch dort wird ja schon lange an einem Buggy entwickelt. Aber die Rallye Dakar ist unberechenbar. Meine Siegchancen sind deshalb sicher nicht geringer als die der anderen Topfahrer.
 
Ist der Sieg bei der Rallye Dakar das letzte große Ziel in Ihrer Karriere? Dann könnte es eng werden, weil die Chancen für einen Ausstieg von Peugeot nach der 2018er Ausgabe groß sind  . . .
Sagen wir mal so: ich habe mit der Rallye Dakar noch eine Rechnung offen. Ich möchte 2018 unbedingt gewinnen. Möglicherweise ist es ja tatsächlich meine letzte Chance.

Autor: Christian Schön

Fotos: Picture alliance

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Gebrauchtwagen