Rallye-WM: Alle Fahrer der WRC-Klasse 2017

WRC: Rallye Großbritannien 2017

Evans verhilft Ogier zum 5. Titel

Durch den Sieg von Teamkollege Elfyn Evans steht Sébastien Ogier schon vor dem Saisonfinale als Weltmeister fest. Auch M-Sport ist die WM-Krone sicher.
Premierensieg vor der eigenen Haustür – Ford-Pilot Elfyn Evans (30) feierte bei der  in Wales ausgetragenen Rallye Großbritannien seinen ersten WM-Sieg. Indirekt verhalf der Waliser seinem Teamkollegen Sébastien Ogier (33) damit zum vorzeitigen Titelgewinn. Rang drei reichte dem Franzosen zur fünften Weltmeisterschaft in Folge. Die direkten Konkurrenten Ott Tänak (30) und Thierry Neuville (29) hätten einen Sieg gebraucht, um die Titelentscheidung aufs Saisonfinale in Australien (16. bis 19. November) zu vertagen. Aber Neuville wurde nur Zweiter, Tänak kam sogar nur auf Rang sechs. Ogier reist damit mit 32 WM-Punkten Vorsprung uneinholbar nach Coffs Harbour.
„Das war vielleicht das härteste Jahr in meiner bisherigen Karriere. Besonders freut mich, dass M-Sport ebenfalls den Titel gewonnen hat“, freute sich Ogier unter Tränen im Ziel der letzten Prüfung. Tatsächlich ist M-Sport die WM-Krone in der Teamwertung ebenfalls schon eine Rallye vor Saisonende sicher. Damit zeigt zum ersten Mal seit 2006 (Sébastien Loeb/Kronos-Citroën) wieder ein Fahrer eines privaten Teams den Werkspiloten die Rücklichter.

Nächster Titel: Ogier darf wieder feiern

Evans profitierte bei seinem Sieg davon, eine andere Reifensorte zu fahren als alle seine Konkurrenten. DMack entwickelte speziell für die kalten und feuchten Bedingungen in Wales einen maßgeschneiderten Schotterreifen. Die chinesisch-britische Marke hatte dabei Nachteile bei anderen WM-Rallyes bewusst in Kauf genommen.  Die Folge: DMack-Solist Evans spielte im Verlauf der Saison nur selten eine Rolle im Kampf um Siege. Konkurrent Michelin warf dagegen einen Kompromiss-Reifen in die Waagschale – passend für alle Bedingungen und außerdem für die Fahrzeuge sämtlicher großen Teams. Michelin-bereifte Piloten gewannen elf der bisher zwölf WM-Läufe des Jahres.
Evans hatte bei der Heimrallye schon nach der zweiten Wertungsprüfung die Spitze übernommen und danach unantastbar das Tempo kontrolliert. „Dieser Sieg ist für alle, die über die Jahre das Vertrauen in mich nicht verloren haben“, sagte der Sohn des früheren Britischen Meisters Gwyndaf Evans (58).
Im Kielwasser von Evans entwickelte sich ein spannender Fünfkampf um die folgenden  Plätze. Überraschend keine Rolle spielte darin der zweite Lokalheld, der zweimalige Saisonsieger und Citroën-Werksfahrer Kris Meeke (38). „Das kommt davon, wenn man vor der Rallye in Frankreich testet, und nicht wie alle anderen in Großbritannien“, gab er die Schuld der Sparpolitik von Teamchef Yes Matton (50). Meeke wurde schwacher Siebter und hatte am Ende einen deutlichen Rückstand auf die Fünfergruppe vor ihm.
Diese wurde angeführt von Thierry Neuville (29). Eine Zehn-Sekunden-Zeitstrafe hatte den Belgier schon während der ersten Etappe belastet. „Ohne diese Strafe hätte die Sache vielleicht anders ausgesehen“, ärgerte er sich. Im Ziel betrug sein Rückstand auf Evans knapp 38 Sekunden. „Gratulation an Sébastien, diesen Titel hat er wirklich verdient“, zeigte sich Neuville als fairer Verlierer.

Evans gewann die Rallye in Wales

Ogier selbst fuhr drei Tage lang mit gebremstem Elan. Der Sieg von Evans spielte dem alten und neuen Weltmeister sogar in die Karten, weil der Teamkollege keine Gefahr im Titelkampf war. Einen Schreckmoment erlebte Ogier trotzdem – bei einem Ausrutscher brach eine Bremsscheibe. Zusammen mit Beifahrer Julien Ingrassia (37) demontierte er mit Hilfe des Bordwerkszeugs das defekte Teil und schloss den Bremskreislauf kurz. „Mit nur drei Bremsen zu fahren, war nicht lustig“, beschrieb Ogier. Es spricht für das Talent des Champions, dass sich der Zeitverlust mit gut drei Sekunden in Grenzen hielt.
Im Ziel hatte Ogier noch knapp fünf Sekunden Vorsprung vor seinem früheren Teamkollegen bei Volkswagen, Andreas Mikkelsen (28). Bei seinem zweiten Einsatz im Hyundai-Werksteam kam der Norweger mit jeder Wertungsprüfung besser mit seinem Auto zurecht und machte Platz um Platz gut. Am Ende hatte er auch Toyota-Werksfahrer Jari-Matti Latvala (32) bezwungen – um 0,5 Sekunden!
Latvala hatte am Samstagabend den Hammer ausgepackt, als bei Dunkelheit und dichtem Nebel gefahren wurde. Alleine auf der 14 Kilometer langen WP 15 nahm er seinen direkten Konkurrenten mehr als zehn Sekunden ab. „Das war ein Höllenritt, ich konnte manchmal kaum das Ende der Motorhaube sehen“, erzählte der Finne hinterher.
Verlierer in dieser Fünfergruppe war Ott Tänak (30), für den nur Rang sechs blieb. Damit verlor der Este auch seinen zweiten Tabellenrang an Thierry Neuville, der nun zwölf Punkte Vorsprung hat. „In Australien hole ich mir die Vize-Meisterschaft“, nahm sich Tänak für die letzte Rallye des Jahres vor.

Autor: Christian Schön

Fotos: Picture-Alliance

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