WRC

WRC: Rallye-WM in Wales

— 30.10.2016

Sieg für Ogier, Titel für Volkswagen

Sébastien Ogier und Volkswagen dürfen auch in Wales feiern. Ford-Privatfahrer Ott Tänak verpasst indes zum zweiten Mal in dieser Jahr eine Sensation.

Ihre persönlichen Weltmeistertitel haben Sébastien Ogier (32) und Beifahrer Julien Ingrassia (36) schon seit zwei Wochen in der Tasche. Mit dem Sieg bei der Rallye Großbritannien krönten die Franzosen jetzt auch ihren Arbeitgeber Volkswagen zum vierten Mal in Folge zum Champion.

Kein Herbstspaziergang: Trotzdem Jubel bei Ogier

Ogier lieferte sich während der gesamten Rallye einen spannenden Zweikampf mit Ott Tänak (29) im privaten Ford. Am Ende betrug der Abstand zwischen den beiden nur 10,2 Sekunden. Hyundai-Pilot Thierry Neuville (28) hatte bereits mehr als eineinhalb Minuten Rückstand. „Ott hat mir wirklich alles abverlangt. Er hat keinen Fehler gemacht und uns ständig unter Druck gehalten“, lobte Ogier seinen ungewohnte Gegner.

Tänak profitierte dabei von seinem Reifen-Lieferanten. Im Gegensatz zu allen Werksteams, die auf Michelin vertrauen, verwendet Tänak Reifen des chinesisch-britischen Herstellers DMack. Beide Marken brachten, entsprechend dem Reglement, eine harte und eine weiche Gummimischung mit nach Wales. Doch die weichere Variante von DMack ist noch einen Grad weicher als die Alternative von Michelin. Damit war Tänak auf den abwechselnd aufgeweichten und durch eine fast polierte Oberfläche sehr rutschigen Wertungsprüfungen rund um Chester deutlich besser aufgestellt als die Konkurrenten in den Werksteams.

Was fürs Auge: Die Landschaft bei der Rallye Wales

Bereits bei der Rallye Polen hätte Tänak diesen Vorteil beinahe in seinen ersten WM-Sieg umgemünzt – bis er wegen eines Reifenschadens kurz vor dem Ziel hinter Volkswagen-Pilot Andreas Mikkelsen (27) zurückfiel. „Diesen Erfolg habe ich zu 100 Prozent meinen Reifen zu verdanken“, bekannte der Este nach der Zieldurchfahrt in Wales unumwunden. Einzig Ogier bekam der Ford-Privatier nicht in den Griff. „Zum ersten Mal in diesem Jahr ist bei einer Schotter-Rallye die Startposition eins ein Vorteil“, gab der Volkswagen-Pilot zu. Er übernahm mit einer Bestzeit auf der ersten Wertungsprüfung (WP)  die Führung und verteidigte sie über die insgesamt rund 330 WP-Kilometer.

Die Ränge drei bis fünf gingen an Hyundai. „Mehr war nicht drin. Wenn es rutschig wird, fehlt uns im Vergleich zu den Volkswagen eindeutig Traktion“, beschrieb Neuville, der Schnellste aus dem Werkstrio. Der Belgier widmete seinen Podiumsplatz einem guten Freund, der letzte Woche bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen war.
Und wieder einmal hatte Teamchef Michel Nandan (58) kein glückliches Händchen bei der Nominierung der Punktelieferanten. Er entschied sich für Neuville und Dani Sordo (33), der zuletzt bei der Heimrallye auf Schotter überzeugt hatte. Doch dieses Mal stand der Spanier im Schatten von Hayden Paddon (29), der als Vierter keine Marken-Punkte für Hyundai holte. Kleiner Trost für Nandan: Am Ausgang des Titelkampfes hätte es nichts geändert. Vize-Weltmeister Hyundai kann allerdings stolz darauf sein, wesentlich dichter an Volkswagen herangekommen zu sein als noch 2015.

Ott Tänak sorgt fast wieder für eine Sensation

Welche Rolle die Reifen in Wales spielten, verdeutlicht ein Blick auf das Resultat des offiziellen Ford-Teams M-Sport. Die Michelin-bereiften Mads Östberg (29) und Eric Camilli (29) konnten lange nicht das Tempo von Markenkollege Tänak gehen und wurden am Ende abgeschlagen Achte und Zehnte. Nach mysteriösen Defekten von Antriebswellen hatten sich die beiden Volkswagen-Werkspiloten Andreas Mikkelsen und Jari-Matti Latvala (31) früh aus dem Kampf um den Sieg verabschiedet. Die Kategorie WRC2 gewann Skoda-Werkspilot Esapekka Lappi (22) vor Teamkollege Pontus Tidemand (25). Die Titelentscheidung ist damit in dieser Klasse auf das Saisonfinale in drei Wochen in Australien (18. bis 21. November) verschoben.

In „down under“ ist dann Sommer. Entsprechend trocken und staubig sind die Wertungsprüfungen. In der Theorie hat Weltmeister, Tabellenführer und Straßenfeger Sébastien Ogier keine Siegchance. Aber der Franzose hält sich häufig nicht an die Theorie. 2015, unter identischen Bedingungen, gewann er die Rallye Australien.

Autor: Christian Schön

Fotos: Picture-Alliance

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