Tourenwagen-WM

WTCC: Titelanwärter Norbert Michelisz

— 18.08.2017

Vom Gamer zum Profi-Rennfahrer

Jahrelang jagte er den Online-Weltrekord auf der Nordschleife, jetzt fährt Norbert Michelisz für das Honda-Werksteam in der Tourenwagen-WM um den Titel.

Eltern, Professoren und Freunde – sie alle machten sich 2004 große Sorgen: Statt eifrig zu lernen, sitzt Norbert Michelisz (33) stundenlang vor dem PC. Das Online-Rennfieber hat ihn gepackt. Mit dem Spiel „Grand Prix Legends“ bestreitet der Ungar Rennen in nationalen und internationalen Meisterschaften. „Ich saß locker vier bis acht Stunden vor dem PC. Die Vorbereitung auf die Rennen, das Einstellen des Setups – alles war nicht nur massiv zeitraubend, sondern mir auch wichtiger als die Uni“, erklärt er ABMS.

Norbert Michelisz hat Grund zum Jubeln

Michelisz: „Irgendwann habe ich erkannt: So gern ich Rennfahrer werden will – ich kann dafür nicht mein Leben an die Wand fahren.“ Doch just in dem Moment wird Gábor Wéber, mehrfacher ungarischer Rennmeister, auf ihn aufmerksam. Michelisz bekommt eine Testfahrt auf dem Hungaroring und bestreitet 2006 den ungarischen Suzuki-Swift-Markenpokal. Er wird Champion, steigt in den Seat León Eurocup auf und kämpft sich bis in die Tourenwagen-Weltmeisterschaft vor. Dort ist er jetzt als Honda-Werksfahrer einer der Favoriten auf den WM-Titel: Nach sechs von zehn Rennwochenende liegt er mit 171 Punkten in der zweimonatigen Sommerpause (weiter geht’s am 16. Oktober in China) auf Rang drei der Tabelle – hinter Tabellenführer und Honda-Kollege Tiago Monteiro (200) und Volvo-Pilot Thed Björk (188). Sieben WTCC-Rennen hat Michelisz seit seinem Debüt 2008 schon gewonnen.

„Während meine Kollegen sich mit Testrunden auf die Rennen vorbereiten, werde ich lieber online trainieren, denn um gut zu sein, brauchst du verdammt viele Runden“, so Michelisz, dessen Vorfahren aus Schwaben kommen und dessen Onkel Zoltán Baayord in den 90er-Jahren mit Lada Rennen in Ungarn bestritt. „Schon früher bin ich online meistens auf der Nordschleife gefahren, weil ich den Weltrekord knacken wollte – was ich aber nie geschafft habe.“ Heute spielt er kaum mehr, hat dafür ein eigenes TCR-Team gegründet, seit März eine Tochter – und er entwickelt eine neue Software für Rennspiele. Michelisz: „Gerade was das Bremspedal betrifft, gibt es zwischen Online-Spielen und der Realität noch immer große Unterschiede. Dabei ist das Gefühl auf der Bremse das entscheidende im Rennsport.“ So will er in der WM seine Gegner Volvo, Lada, Citroën und Chevrolet ausbremsen. Sieg in  der Realität statt Weltrekord im Virtuellen eben.

Autor: Michael Zeitler

Fotos: Tom Coronel

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