Wüsten-Tour mit dem Skoda 4x4

Wüsten-Tour mit dem Skoda 4x4 Wüsten-Tour mit dem Skoda 4x4

Wüsten-Tour mit dem Skoda 4x4

— 06.11.2002

Ein Pkw für die wüsten Touren

Muss es immer gleich Geländewagen sein? Oder taugt auch ein 4x4-Pkw für extreme Bedingungen? Mit dem Allrad-Octavia in Marokko.

Auf den Sandpisten macht sich der Skoda gut

"Lassen Sie beim Benziner im Sand die Drehzahl möglichst nicht allzu weit unter 4000 Touren sinken", mahnt Karel Loprais, in Outdoor-Kleidung im Beduinen-Zelt stehend. Der Mann muss es wissen, schließlich hat er mit seinem Team die Rallye Paris-Dakar zweimal in der Truck-Klasse gewonnen. Die Helden von 1988 und 1994 fungieren hier, am Fuße der gigantischen Dünenlandschaft Erg Chebbi, als Netz und doppelter Boden für uns. Wer stecken bleibt, wird von Loprais persönlich mit dem Tatra-Truck herausgezogen – auch nett.

Bei unserer Tour nimmt der Schwierigkeitsgrad langsam zu. Zunächst erzeugt die Fahrt durch die Steinwüste zwischen Erfoud und der Dünen-Landschaft Erg Chebbi – tiefstes und einsamstes Marokko nahe an der algerischen Grenze – für staugeschädigte Mitteleuropäer einen beachtlichen Erholungswert: Fahr, wohin du willst. Keine Kreuzungen, keine Ampeln, kein Gegenverkehr, keine Kompromisse. Allerdings auch keine Straßen. Die endlose Steinwüste saust unter den Rädern hinweg. Und weit und breit nichts, was unseren Allrad-Skoda aufhalten könnte. Ein Gefühl unbeschränkter Freiheit.

Auf den Sandpisten in der Steinwüste macht sich der Octavia ausgesprochen gut mit seiner schnellen Haldex-Kupplung, die bei plötzlich auftretenden Sand-Untiefen die Hinterräder zuschaltet. Dabei setzt das Auto allerdings gelegentlich auf und produziert hässlich schabende Geräusche. An allen Fahrzeugen ist das Schlechtwege-Paket montiert, es schützt zumindest vor Verletzung lebenswichtiger Teile.

Ganzjahresreifen mit erstklassiger Traktion

Hier, in der Steinwüste, erweisen sich die Flanken den ansonsten erstaunlich robusten, serienmäßigen Michelin-Reifen als Achillesferse. Immer wieder liegen spitze Steine im Weg herum. Die Lauffläche hält das aus. Wer aber auszuweichen versucht und den Stein mit der Reifenflanke erwischt, erdolcht seinen Pneu. Ein Test-Team aus Österreich in einem weiteren Octavia 4x4 hatte gleich zweimal Pech.

Im Sand dagegen geht es zunächst erstaunlich problemlos voran. Dort machen sich Straßenreifen ohnehin besser als A/T-Reifen. Dieses Ergebnis zeigte auch der Reifen-Test in AUTO BILD alles allrad: Die Ganzjahresreifen mit feinem Profil bewiesen im Sand erstklassige Traktion. Der zum Vergleich herangezogene grobstolligere A/T-Reifen buddelte sich in den Boden wie ein Schaufelrad-Bagger. Es ging in die Tiefe statt vorwärts.

Auf den Sandpisten des Erg Chebbi offenbaren sich dann aber doch die Grenzen von Fahrern und Fahrzeug: Wir bleiben zweimal stecken. Deshalb müssen wir allerdings nicht gleich den Sand in den Kopf stecken: Im ersten Falle hilft uns Loprais mit dem Tatra aus der Bredouille, beim zweiten Mal geht es nur mit Spaten und Sandblechen weiter.

Fuß weg von der Kupplung und – Gaaaas!

Fürs Fahren im Sand nennen Wüsten-Erfahrene stets drei goldene Regeln. Erstens: Luftdruck senken. Zweitens: ESP ausschalten, am besten gleich auch noch den ABS-Stecker ziehen. Und drittens, wenn tiefer Sand kommt: Erster Gang, Fuß weg von der Kupplung und – Gaaaas!

Und auch das hilft nicht immer: Wenn im tiefen Sand die Drehzahl trotz aller Bemühungen des Gasfußes unter 2000 Touren abfällt, bleibt unser Auto einfach stehen. Wobei sich der zum Vergleich herangezogene Diesel-Octavia etwas besser schlägt, weil seine Drehzahl im Sand langsamer abfällt – wir haben sowohl einen aufgeladenen 150-PS-Benziner als auch den TDI (100 PS) durch die südmarokkanische Wüste gejagt.

Als der Sand gegen Ende unserer Route immer grundloser wird, offenbaren sich die Grenzen unseres Fahrzeugs: Die Begleitfahrzeuge Nissan Terrano und Toyota Land-Cruiser 100 fahren hier mit größter Selbstverständlichkeit durch und bringen den Skoda-Fahrern notfalls ein paar Sandbleche vorbei. Der mitfahrende Skoda-Pressesprecher Christoph Ludewig kommentiert das Erlebte so: "Die Besitzer eines Octavia 4x4 nutzen die Allrad-Vorteile nach unseren Erkenntnissen fast nur auf der Straße – wir finden das schade, weil das Auto eigentlich mehr kann."

4x4-Pkw taugt für gemäßigte Wüstentouren

Fazit unseres Selbstversuchs in der Wüste: Es muss bis zu einer gewissen Grenze nicht immer der schwere Allradler sein. Auch ein 4x4-Pkw taugt für gemäßigte Wüstentouren. Wer einen besitzt, sollte ihn ruhig auch für einen Marokko-Urlaub nutzen. In der Hand eines kundigen Fahrers kommen gerade die Diesel-Versionen auch im Sand erstaunlich weit – und zwar mit den serienmäßigen Reifen Michelin Pilot HX.

In der Steinwüste schabt und kratzt es öfter vernehmlich am Unterboden, hier würde eine Höherlegung helfen (Kontakt: Expeditionsservice Wächtersbach, Sophie-Knoth-Straße 47, 63607 Wächtersbach, Tel.: 06053-5250). Zum Preis von zirka 1600 Euro zuzüglich 450 Euro für die Montage kann der Octavia-Eigner sein Gefährt um 4,5 Zentimeter höher legen lassen. Die Bodenfreiheit beträgt dann 190 statt 145 Millimeter. Auch die 290 Euro für den ebenfalls angebotenen stählernen Unterfahrschutz für Motor und Getriebe sowie nochmal 305 Euro für den Unterfahrschutz des Hinterachsdifferenzials erscheinen bei etwas heftigeren Geländeeinsätzen als sinnvolle Investition.

Danach steht der Tour mit Kasbah, Kamelritt und Cous-Cous eigentlich nichts mehr im Wege. Aber: Sandbleche nicht vergessen! Und am besten auch etwas zum Rauchen mitnehmen: Mitten in der Wüste stehen immer wieder unvermittelt ein paar Einheimische am Wegesrand, die nach dem begehrten Luxusgut fragen. Wie die freundlichen Passanten dort hingekommen sind, das wissen wir bis heute nicht. Jedenfalls hatten wir in diesem Niemandsland bei unseren Buddeleien fast immer Zuschauer – schon seltsam.

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