Youngtimer-Rennen

Operation Fireball Operation Fireball

Youngtimer-Rennen

— 23.06.2002

Operation Fireball

Die Geheimhaltung funktionierte bis zum Schluss: Am 22. Juni fuhren Youngtimer-Fans das erste sogenannte Fireball-Rennen in Norddeutschland.

High-Noon in Hamburg Altona

Fireball. Das klingt ein bisschen nach James Bond und stark nach den unlimitierten Straßenrennen im Northern Territory von Australien. Das riecht nach Benzin, Kupplungen und verbranntem Gummi. Das fühlt sich an wie erhöhter Pulsschlag, heiße Motoren und eiskaltes Bier nach einem langen Tag auf der Piste. Fireball. Das erste inoffizielle Autorennen in Deutschland. Offiziell eine Gleichmäßigkeitsrallye über 800 Straßenkilometer aller Art. Veranstaltet von den Hamburger Motoravern. Jungs, die für ihre Youngtimer leben und sich am Wochenende mit ihren Schlitten auf Parkplätzen treffen, um coole Musik zu hören und ein paar Bierchen den Garaus zu machen.

Ford Taunus gegen Dodge Charger, Porsche 924 gegen Opel Ascona B – das Starterfeld las sich wie das automobile Who-is-Who der siebziger Jahre. Zusammen 25 Youngtimer, wie sie nur noch selten auf der Straße zu sehen sind. Besetzt mit 25 Teams, für die Autos im Stil der Siebziger Jahre das größte sind. Und für die Fahrspaß an erster Stelle steht. Leistung statt Lack und Leder. Bedingungen: Keine umgebauten Rennwagen mit Käfig und Kurzzeitkennzeichen, sondern echte Alltagsautos. Und kein Fahrzeug durfte jünger als Erstzulassung Dezember 1980 sein.

Schlag zwölf Uhr Mittag ging das Starterfeld auf die Strecke quer durch Norddeutschland. Von Hamburg zuerst Richtung Cuxhaven, dann nach Süden in die Nienburger Gegend. Anschließend nach Osten zur alten Grenze bei Zarrentin und abschließend nochmal quer durch Hamburg bis zum Ausgangspunkt. Einziges Ziel: Wer zuerst ankommt, gewinnt. Einzige Vorgabe: Vier Checkpoints passieren. Einzige Ansage: Rechts ist das Gas.

Youngtimer – mit Herz und Seele

Der Friese an sich ist ein ruhiger Zeitgenosse. Grüner Deich, schwarz-bunte Kühe, goldgelber Tee – da kommt keine Hektik auf. Doch wehe, es geht um die Ehre und die schnellste Runde über Land. Oder um beides. Dann erwachen alte friesische Tugenden wie Disziplin, Ausdauer und Ehrgeiz.

Jedenfalls bei Stefan Bohms (31) und Timo Ostermann (27) aus Wittmund und Wangerland. Mit einem knapp 22 Jahre alten Opel Ascona B traten sie gegen die Konkurrenz an. Gegen dicke V8-Amis, alte Mercedes S-Klassen und einen 76er Porsche 911. Ganz so harmlos wie der Rüsselsheimer Biedermann von außen wirkte, war er natürlich nicht. Denn unter der Motorhaube quetscht sich ein Dreiliterblock vom Senator B zwischen die Kotflügel, halten Konis die Karosse dicht am Asphalt und sorgen Gummiwalzen für Grip. Satte 190 Pferdestärken, sportwagenähnliche Beschleunigung und Topspeed 230 – noch Fragen?

"Mein Alltagsauto, mit dem ich auf Montage fahre", beteuert Schlosser Stefan, der seinen Ascona bis zur letzten Schraube schon in der Hand gehabt hat. Der ursprünglich geplante Renneinsatz des original getunten C-Rekord von Kumpel Timo musste wegen technischer Konflikte leider ausfallen. Wie das gesamte Teilnehmerfeld eint die beiden Friesen der Youngtimer-Gedanke: "Für kleines Geld ein cooles Auto kaufen, ein bischen was in Technik investieren, möglichst original bleiben und täglich darin rumfahren", erklärt Timo die Liebe zu Autos, die eigentlich keiner mehr haben, geschweige denn fahren will. Eine Einstellung, die so manches Blech vor den Folgen der Altauto-Verordnung gerettet hat.

Kaum ein Fahrer, der nicht mindestens ein halbes Dutzend Modelle zu Hause, in Garagen oder Scheunen, in seine Obhut genommen hat. Als Ersatzteilspender, hoffnungsvollen Neuanfang oder schlummernde Schönheit bis zur Rente. Auch Stefan hält ein umfangreiches Motorenlager für den Ascona parat. Das Auto selbst kaufte er aus erster Hand: "Ein alter Mann, der in 15 Jahren damit ganze 57.000 Kilometer gefahren war. Das Auto war schier, aber wegen des Alters wollte es keiner haben. Das endet dann meist über die Altautoprämie eines Händlers im Shredder."

Friesische Fahrkünste

Dass es im zweiten Auto-Leben alles andere als langweilig zugehen kann, konnte der Rentner-Ascona beim Fireball-Rennen unter Beweis stellen. Nach nur sechs Stunden und 39 Minuten schlugen die beiden Friesen wieder am Start-Zielpunkt auf. Als erste und mit weitem Abstand vor den Verfolgern. "Ich kannte die Gegend ein bisschen. Und wenn die Straße schnurgerade und niemand gefährdet war, haben wir es auch schon mal laufenlassen", schmunzelt Stefan. "Fliegenlassen" wäre vermutlich der treffendere Ausdruck. Denn obwohl die beiden mit einem lumpigen ADAC-Atlas rund 140 Kilometer Abkürzung heraustüftelten, errechnete die Rennleitung für sie einen Schnitt von mehr als 100 Stundenkilometern. Schnitt wohlgemerkt. Einerlei ob Schotterstrecke oder Ortsdurchfahrt ...

"Alle Teilnehmer mussten vor dem Start unterschreiben, sich an die Straßenverkehrsordnung zu halten", betont Hendrik Walliser von den Motoravern. Fügt allerdings zwinkernd hinzu, dass die Rennleitung ja nicht bei jedem Fahrer auf dem Schoß sitzen könnte. "Aber es ist auf der ganzen Strecke nichts passiert. Von ein paar Motorschäden mal abgesehen, die es immer bei so alten Autos geben kann." Auch mit der Polizei kam keiner der Freizeit-Piloten ins Gehege. Nur ein Team wurde kurzfristig angehalten, durfte aber nach Vorzeigen der Rallyekarten und unter Hinweis auf das Zeitpolster ungehindert weiterfahren.

Angekommen sind am Ende alle 25 Teilnehmer. Eine alte S-Klasse huckepack auf dem ADAC-Abschleppwagen genauso wie ein Ford Taunus-Team aus Wien. Die ortsunkundigen Österreicher brauchten elf Stunden für die gesamte Strecke und trudelten um 23 Uhr als Letzte, aber nicht weniger stolz im Ziel ein. "Schönes Rennen, buntes Teilnehmerfeld, coole Typen" – am Ende des schnellen Tages gab es fast nur zufriedene Gesichter bei viel Bier und noch mehr Musik. Und unzählige Geschichten von Fast-Siegern, Fast-Rekorden und Fast-Ausfällen, die sich bis zur Neuauflage 2003 erzählen lassen.

Parkplatzrave – wann und wo?

Auch wenn das nächste Fireball-Rennen nicht vor 2003 stattfindet, Youngtimer-Liebhaber trefffen sich in diesem Jahr noch achtmal zum Parkplatzrave in ganz Deutschland. Zum Musik hören, Fachsimpeln, Präsentieren, Quatschen ... Die Termine:

12.7., Berlin (TU-Berlin, Franklinstraße 5-7, 20:00 Uhr) Musik: Inflamed Party DJ Andre spielt Gasoline Rock • 13.7. Hamburg (Versmannstraße, Schuppen 25, 20:00 Uhr) Musik: Inflamed Party DJ Andre spielt Gasoline Rock • 19.7. Ruhrgebiet (vorauss. Marl, aktuelle Info unter www.bifi.de, 20:00 Uhr) Musik: Lutz Vegas und DJ Ombo von den V8Wankers mit Big Block Rock'n Roll • 20.7. Frankfurt (G-Werk Ost, Schielestr. 22, Osthafen, 20:00 Uhr) Musik: Lutz Vegas und DJ Ombo von den V8Wankers mit Big Block Rock'n Roll • 3.8. Köln (Platz unter der Zoobrücke, rechtes Rheinufer, 21:00 Uhr) Musik: DJ Crue spielt Groove Rock • 9.8. Dresden (Dresden-Gorbitz, Forsythienstr. 24, 21:00 Uhr) Musik: DJ Transistor spielt Flying Rock • 10.8. Hannover (Pänner-Schuster-Weg, 21:00 Uhr) Musik: DJ Transistor spielt Flying Rock • 24.8. München (Zoowaldparkplatz Tierparkstrasse (Talkircherbrücke), 21:00 Uhr) Musik: DJ Crue spielt Groove Rock

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