Zafira gegen Touran und FR-V

Opel Zafira gegen VW Touran und Honda FR-V Opel Zafira gegen VW Touran und Honda FR-V

Zafira gegen Touran und FR-V

— 02.08.2005

(Wieder) ganz vorne?

Der Opel Zafira war lange Jahre Primus. Bis der VW Touran kam. Holt sich die Nummer zwei jetzt die Kompaktvan-Krone zurück? Duell der starken Diesel – mit japanischer Beteiligung.

Der Zafira auf Gold-Kurs

Mein Kollege Jörg Maltzan hatte sich nach dem ersten Test des neuen Zafira klar festgelegt: "Beim Kampf um die Krone der Kompaktvans sehe ich ihn ganz vorn". Hier wird sich nun zeigen, wieviel das Urteil des Kollegen wert ist. Denn zum Vergleich sind angetreten: der Titelverteidiger aus Wolfsburg, ein Neuling aus Japan und eben die Zweitauflage des Ex-Meisters aus Rüsselsheim. Der Maßstab kommt aus Wolfsburg. Bester Beleg dafür: Der Touran wurde allein in diesem Jahr schon wieder 42.000mal verkauft – siehe Halbjahres-Hitliste. Der alte Zafira brachte es 2005 kaum noch auf die Hälfte.

Zum Test angetreten ist die Nummer eins als Siebensitzer mit einem 140 PS starken Zwei-Liter-TDI. Für das Diesel-Topmodell verlangt VW in der erforderlichen Trendline-Ausstattung mindestens 25.125 Euro. Die beiden versenkbaren Minimal-Stühlchen Nummer sechs und sieben in der dritten Reihe, die bei Opel serienmäßig an Bord sind, müssen VW-Kunden allerdings noch mit 650 Euro Aufpreis bezahlen.

Prüfstein Nummer zwei für den Zafira ist Hondas Sechssitzer FR-V. Drei Personen vorn, drei hinten lautet hier die Formel, die wir schon aus Fiats glücklosem Multipla kennen. In Verbindung mit einem 140 PS starken Dieselmotor und als Comfort gibt es das Honda-Paket ab 24.350 Euro.

Aussicht statt Frischluft

Und wo steht Opel in diesem Preisvergleich? Mit mindestens 26.095 Euro etwas über den beiden. Allerdings hat er auch mehr Komfort an Bord. Der 150 PS starke Zafira 1.9 CDTI Edition rollt grundsätzlich mit Temporegler, Klimaanlage und Radio-Fernbedienung vom Band. Zum Teil Dinge, die bei VW eine Menge Geld zusätzlich kosten.

Nicht verstehen kann ich, daß Opel kein Schiebedach mehr anbietet. Kunden können nur das Panorama-Glasdach mit elektrisch betätigtem Beschattungssystem bestellen. Das läßt sich aber nicht öffnen. Und wer es in der Ausstattung Cosmo abwählt, spart zwar 900 Euro – muß dann jedoch auch auf eine Dachreling verzichten. Nicht nachvollziehbar und wenig kundenfreundlich.

Honda läßt sich die Reling zwar ebenfalls extra bezahlen, insgesamt ist der FR-V aber mehr als komplett bestückt. CD-Radio, elektrische Fensterheber vorn und hinten, sogar eine Klimaautomatik sind serienmäßig an Bord. Deutlicher Preisvorteil also für den Japaner.

Kosten und Ausstattungen

Beim genaueren Blick in die Ausstattungsliste holt der Zafira dann doch ein ganzes Stückchen auf. So bietet er (wie der Touran auch) aktive Kopfstützen serienmäßig. Er verfügt zudem – als einziger in dieser Klasse – über ein adaptives Bremslicht. Bei Vollbremsungen (im ABS-Regelbereich) flackern die drei Bremsleuchten in einem blitzartigen Intervall. Das soll bei Nachfolgenden die Aufmerksamkeit erhöhen, so die Reaktionszeit und damit Anhaltewege verkürzen. Gegen Aufpreis liefert Opel sogar Kurven-Xenonlicht oder eine elektronische Anhängerstabilisierungs-Funktion.

Ein so umfangreiches Sicherheitspaket inklusive sechs Airbags – bei Opel Safetec genannt – bieten die Konkurrenten nicht. Auch beim Thema Abgasreinigung sehen Honda und VW schlecht aus: Einen Partikelfilter bieten sie überhaupt nicht an (VW erst Ende des Jahres gegen Aufpreis). Opel liefert den Rußfänger politisch korrekt ab Werk – was in der AUTO BILD-Wertung fünf Extra-Punkte bringt.

Die Sitzkonzepte: Wie klappt's besser?

Genug der Theorie, um den Zafira einzuordnen. Jetzt zur Praxis: Was die Sitzkonzepte betrifft, erkläre ich den FR-V spontan zum Verlierer. Klar, die einhändig zu bedienende Klapp-Rückbank ist im Gegensatz zu den schwergängigen und zuweilen fummeligen Falt-Lösungen bei Volkswagen und Opel (Foto) vorbildlich. Einfacher als im Honda geht es nicht.

Aber zu dritt nebeneinander vorn sitzen – das funktioniert im FR-V trotz des guten Platzangebotes nur bescheiden. Grund: Die Außensitze rücken bis dicht an die Türen, der Mittelsitz quetscht sich bündig dazwischen. Zu schnell stößt man deshalb mit den Schultern aneinander, hinten reicht es großen Erwachsenen an den Außenseiten ebenfalls kaum.

Daß Honda auf Breite anstatt auf (etwas mehr) Länge setzt, kostet zudem wertvolles Ladevolumen. Zum 4,39 Meter langen Frachtmeister Touran (1913 Liter maximal) fehlen dem 4,29 kurzen Japaner mehr als 300 Liter. Der Zafira bietet auf 4,47 Metern Außenlänge 200 Liter mehr Kofferraum als der Japaner.

Werksangaben und Testwerte

Wie im VW habe ich im Opel auf den ersten zwei Reihen ausreichend Platz, nur ganz hinten sollten in beiden Autos allenfalls Kinder mitfahren. Der Einstieg ist kompliziert, das Platzangebot vor den Knien eingeschränkt, die Polsterung im Lehnenbereich steif. Was mir im Opel gut gefällt: Trotz Platzbedarfs für die Klappsitze der dritten Reihe bleibt unter dem Wagenboden noch Raum für ein vollwertiges Reserverad (50 Euro Aufpreis). VW- und Honda-Fahrer müssen mit reinen Behelfslösungen wie Flüssig-Dichtmittel (Touran) und Notrad (FR-V) klarkommen.

Die weit verschiebbare Klappsitzbank in der zweiten Reihe des Zafira ist zwar enorm praktisch. Aber im VW lassen sich die drei Einzelsitze auch versetzen und ausbauen. Das kostet zwar viel Kraft, bringt aber im Ernstfall entscheidende Ladekapazität.

Zu viel Sport ist ungesund

Zum Fahrwerk. Ich bin überrascht, was Opel alles in den Zafira gepackt hat. Das elektronische Fahrwerk (IDS Plus, 615 Euro Aufpreis) kann die Stoßdämpfer auf Knopfdruck härter stellen. In der Standard-Einstellung ist der Zafira bereits recht straff eingestellt. Er geht agil durch die Kurven und federt gleichzeitig schnell überfahrene Bodenwellen anständig ab. Die Stellung "Sport" mag ich weniger. Heftig knallt der Opel dann in Schlaglöcher, hörbar polternd rumpelt er über Querfugen. Das muß nicht sein und paßt nicht wirklich zu einem Familienauto.

Gut gefällt mir dagegen die elektrohydraulische Lenkung. Im Alltag überzeugt sie mit direkten Reaktionen und schnellem Ansprechverhalten. Nur wenn ich abrupt ausweichen muß, verhärtet sie kurz. Das ist aber nur ein Schönheitsfehler.

Im Touran fühle ich mich gut aufgehoben. Er kümmert sich ausgewogen um Unebenheiten in der Straßenoberfläche. Voll beladen oder leer, der Fahrkomfort stimmt. Wie im Opel bemüht sich ein äußerst forsches ESP ziemlich erfolgreich um größtmögliche Sicherheit. Auch Honda bietet den elektronischen Wächter, auch da funktioniert er einwandfrei. Nur neigt sich hier die Karosserie bei schnellen Wechselkurven stärker zur Seite.

Die AUTO BILD-Wertung

Wenn ich einen Motor aus diesem Trio wählen müßte, es wäre der des Honda. Der Common-Rail-Diesel ist eine Wucht. Er liefert die besten Fahrleistungen, dreht fein hoch, ist leise und läuft mit einem turbinenartigen Unterton. Kein Vergleich zum kräftigen, aber brummigen und unkultivierten Pumpe-Düse-Motor von VW.

Die goldene Mitte trifft Opel mit dem agilen und zurückhaltend summenden CDTI. Vorbildlich: Er ist sparsamer, leiser und auch noch sauberer als die Konkurrenz. Was ihm schließlich den Test-Sieg und die Krone bringt. Glückwunsch auch an meinen Kollegen Maltzan. Mit seiner Prognose traf er vor zwei Wochen genau ins Schwarze.

Hier ist Ihre Meinung gefragt

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für Opel Zafira, Honda FR-V und VW Touran. Den Zwischenstand sehen Sie nach Abgabe Ihrer Bewertung.

Autor: Jan Horn

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