Zanardi vor Rückkehr zum Lausitzring

Zanardi vor Rückkehr zum Lausitzring

— 12.04.2002

"Unfall ist Vergangenheit"

Alessandro Zanardi, auf dem EuroSpeedway Lausitz schwer verunglückt, kehrt an den Ort des schrecklichen Unfalls zurück - als Sprecher.

Alessandro Zanardi war bei der Europa-Premiere der amerikanischen Champ-Car-Serie am 14. September 2001 auf dem EuroSpeedway Lausitz schwer verunglückt und verlor beide Beine. Mittlerweile geht er - noch etwas wackelig - auf Titan-Prothesen. "Mir geht es ganz gut. Ich bin schon in der Lage, wieder ein fast normales Leben zu führen", sagte der 35-jährige Italiener im Deutschen Sportfernsehen (DSF). Das Unglück hat Zanardi weitgehend abgehakt. "Das ist einfach ein Unfall gewesen, das habe ich akzeptiert. Es ist Vergangenheit. Ich bin ein Mensch, der in der Realität lebt und versuche, in die Zukunft zu blicken", sagt der Wahl-Monegasse. "Ich versuche, die positiven Dinge im Leben zu nehmen. Ich habe nicht zwei Beine verloren, sondern das Leben geschenkt bekommen", erklärt Zanardi, der nach seinem Unfall mit dem Kanadier Alex Tagliani fünf Tage in akuter Lebensgefahr schwebte und 15 Operationen im Unfall-Krankenhaus Berlin-Marzahn an Beinen und Becken über sich ergehen lassen musste.

Seine Frau Daniela, sein dreijähriger Sohn Niccolo und viele Freunde sowie Rennfahrerkollegen wie Johnny Herbert und Max Papis hätten ihn auf dem Weg zurück ins Leben begleitet und gestärkt. "Diese Menschen waren sehr, sehr wichtig für mich und haben mich aufrecht gehalten", sagt der ehemalige Teamkollege von Ralf Schumacher bei Williams BMW in der Formel 1. Aus Angst vor Mitleid habe er anfangs Scherze über sein Schicksal gemacht. In der Rehabilitation in der Nähe seiner Heimatstadt Bologna traf er sehr viele Menschen, die ebenfalls ihre Gliedmaßen verloren hatten. "Da habe ich gesehen: So etwas kann eben passieren, nicht nur Rennfahrern."

Den Rennsport vermisst der heißblütige Italiener sehr. Er verfolgt in jeder freien Minute Autorennen aller Art vor dem Fernsehgerät. "Ich habe immer noch die Leidenschaft. Mir fehlt der Benzin-Geruch, die Geschwindigkeit, die Momente, in denen man das Adrenalin spürt. Andererseits bin ich glücklich, dass ich solche Augenblicke erleben durfte", sagt Zanardi. "Ich akzeptiere den Zustand, in dem ich jetzt lebe. Aber vielleicht schaffe ich eines Tages, wieder mit meinen Füßen ein Auto zu bedienen. Die Technik verbessert sich ständig, in der Medizin gibt es jeden Tag neue Entdeckungen. Vielleicht gelingt es irgendwann, Gliedmaßen zu implantieren", hofft Zanardi. Im September wird ihn sein Weg zurück zum Lausitzring führen. Bei den "German 500" will er die traditionelle Startformel "Gentlemen, start your engines" sprechen. Und bis dahin wird Zanardi, der Ärzte, Therapeuten, Familie und Freunde mit seinem großen Willen und seiner Disziplin beeindruckte, wahrscheinlich auch die Gehhilfen in die Ecke gestellt haben.

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