Zehn Autos im Handlingvergleich

Zehn Autos im Handlingvergleich

— 03.08.2006

Konkret krasse Kisten

Diese zehn gehen voll ab, Alter! Aber welcher am besten? AUTO BILD hat getestet, gerechnet und gemessen. Wichtigstes Kriterium: der Fahrspa.

"Ich geb' Gas, ich will Spa", sang NDW-Star Markus, "will nicht spar'n, will nicht vernnftig sein." Recht hat der Mann, das passt als Motto. Wir pfeifen hier einfach mal auf Spritpreise, Stau und miese Straen und gnnen uns ein bisschen Freude mit den Autos. Gerade, weil alle Welt versucht, uns genau die zu vermiesen. Dazu haben wir aber keine Enten aus dem Verkehr geschubst (die lieben wir) und auch keine Opel gejagt (mgen wir auch) wie im Lied, sondern gefragt: Ist die Leistung entscheidend fr den Fahrspa? Oder das Fahrwerk? Oder doch das Gewicht?

Die Fragen beantworten sollen zehn ganz unterschiedliche Autos: der winzige Daihatsu Copen mit 87 PS fr 17.200 Euro und der fette AMG-Mercedes mit 360 PS fr 65.830 Euro. Der Extremsportler Caterham 7 R300 und der Groserien-Golf GTI. Der brave Seat Ibiza Cupra Diesel und der Hochleistungs-Porsche Cayman S. Der friedliche MX-5 und der wilde Subaru Impreza WRX STi. Der unauffllige BMW 130i und der aufgebrezelte Mini Cooper S mit John-Cooper-Works-Kit. Alle zehn mussten knallhart fnf aussagekrftige Test-Disziplinen absolvieren: Handlingkurs trocken, Handlingkurs bewssert, Slalom, Sprint von null auf 100 und Bremsen aus Tempo 100 bis zum Stand. Wer dabei wirklich am meisten Spa macht, verrt die Schlusswertung. Ach ja, NDW-Snger Markus fuhr privat eine Vespa. Und das geht ja nun gar nicht.

Handling trocken 3800 Meter lang ist der kurvige Handlingkurs auf dem Contidrom, das ideale Revier fr den Caterham Superlight R300. 3,10 Meter kurz, 80 Zentimeter flach und 519 Kilo ultraleicht. Zusammen mit den 165 PS des 1,8-Liters ergibt das ein Leistungsgewicht von 3,14 Kilogramm pro PS und ein sensationelles Fahrerlebnis. Mit aberwitzigen Geschwindigkeiten fegt der Caterham durch die Kurven, selbstverstndlich ohne Servo, ABS, ESP oder hnlichem Kram. Beinhart. Nchster ist dann der Cayman S.

Wehe, wenn er losgelassen: Der Subaru ist ein Vollblut-Rallye-Tier.

Eine geschliffene Fahrmaschine mit hellwachem Motor und przisesten Rckmeldungen von Fahrwerk, Lenkung und Bremsen.

Der Subaru fhrt einen ganz anderen Stil, wild und wtend. Wenn der Turbo des 2,5-Liter-Boxers brachial zndet, jagen einem wohlige Schauer ber den Rcken und, mehr noch, wenn der superschlaue Allrad (mit verstellbarem Mittendifferenzial) diese brbeiige Kraft in unbertroffene Traktion umsetzt. Der Mercedes SLK lebt von seinem gewaltigen V8: Mit schierer, nackter Gewalt schiebt er am liebsten geradeaus, lenkt vergleichsweise trge ein. Der BMW 130i tnzelt leichtfiger und flinker durch die Kurven, hat aber ein paar Traktionsprobleme beim Herausbeschleunigen und braucht schnelles Gegenlenken bei Lastwechseln. Gerade im direkten Vergleich liegt der Golf GTI ruhiger und ausgeglichener, zeigt bei Lastwechseln allerdings einen Gegenschlag. Und fr unseren Geschmack knnte der Motor heftiger knurren.

Einfach und mhelos lsst sich der werksgetunte Mini durch die Kurven scheuchen, angesichts des Auftritts unspektakulrer als erwartet. Er liegt ohne Tcke auf der Bahn fast schon langweilig. Eine Spur aufregender geht es im Mazda zu: Der kommt beim Anbremsen ins Taumeln, auch in Kurven neigt sich die Karosserie vergleichsweise stark. Und die Lenkung knnte mehr Rckmeldung vertragen. Der Seat liegt straff und satt, leidet aber unter einer eigentmlich zhen Lenkung. Und der Daihatsu schlgt sich tapfer, fhrt sich berraschend agil, kann aber leistungsmig hier einfach nicht mithalten.

Auf Nässe kommt der überragende Caterham ins Schliddern.

Handling nass Die berraschung: Das Fliegengewicht Caterham, auf dem Trocken-Kurs berragend, schlittert auf der bewsserten Piste hilflos herum, schwimmt bei jeder Gelegenheit auf. Schuld haben die Semi-Slicks von Avon. Dafr schlgt die Stunde des Subaru. Der baut beim Beschleunigen unnachahmlich Grip auf, mit etwas bung lsst sich praktisch jede Kurve im frhlichen Drift nehmen. Dazu noch der kehlige, bse Sound des Motors, und fertig ist das pure Rallye-Vergngen. Die Serien-Michelin des Porsche sind offensichtlich auf Traktion bei Trockenheit ausgelegt und anflliger auf Aquaplaning. Sie schaffen nicht so viel Grip wie die auf dem Subaru. Der Cayman S liegt hier unruhiger, der Fahrer muss aufmerksam an der perfekten Lenkung arbeiten.

Dritter wird der Mercedes. Der SLK hat Mhe, seine Kraft auf den feuchten Untergrund zu bringen. So vorsichtig kannst du das Gaspedal gar nicht streicheln, ohne dass nicht sofort das Heck wild herumzuckt. Niemand bentigt deshalb so dringend ein aufmerksames ESP wie der SLK.

Hier das Ranking "Handling nass". Weitere Ergebnisse in der Bildergalerie!

Anders der Golf GTI, der umrundet ganz harmonisch und entspannt den Kurs. Das macht richtig Spa besonders wegen der freundlich mitlenkenden Hinterachse. handling Im exakt gleich schnellen BMW geht es aufregender zu. Eigentlich liegt er fast neutral, doch wenn man zu viel Gas gibt, neigt die Hinterachse zum Ausbrechen und will stndig kontrolliert sein. Das jedoch ist ein Vergngen mit dieser feinnervigen Lenkung.

Der Mini bleibt sich treu, untersteuert stur, die Dunlop-Reifen haben keinen besonders guten Nssegrip. Etwas enttuschend auch der seltsam jaulende Kompressor-Klang. Im Seat macht der 160-PS-Diesel richtig Freude, weniger das Fahrwerk: Der Ibiza untersteuert strker als etwa der Golf, fhrt sich deshalb unhandlicher. Der Mazda wirkt unentschlossen soll ich ber- oder untersteuern? und umrundet den Kurs deshalb nicht ganz so przise und exakt wie erwartet. Und der Daihatsu berrascht einmal mehr mit seiner entspannten Art, zieht sich nahezu neutral durch die Kurven. Es fehlt nur etwas Leistung.

Slalom Zugegeben, dieser Slalom (Pylonenabstand: 18 Meter) ist keine bung aus dem Alltag erlaubt aber Rckschlsse auf Lenkung und Agilitt. Vorn liegen gleichauf Caterham und Subaru. Beim Briten gehen extremer Leichtbau, ultradirekte Lenkung, niedriger Schwerpunkt und kompakte Gre (nur 3,10 Meter Lnge)

Slalom

eine fast unschlagbare Verbindung ein. Fast denn der Subaru peitscht genauso entschlossen durch die Gasse: Mit der brachialen Kraft seines Turbos und der berragenden Traktion des schlauen Allradantriebs aber mit einer teigigen, zu leichtgngigen Lenkung.

Dahinter der Mini, der liegt wie das klassische Brett, ist kurz (3,66 Meter), knackig und kann hier seine Strken ausspielen. Gokart-Feeling. Den Kleinen und den Wilden kann der Porsche nicht ganz folgen. Er erledigt aber auch diese bung gewohnt sicher, souvern und lustvoll. Blitzsaubere Linie. Im VW spricht die Lenkung einen Hauch verzgert an, davon abgesehen ist der GTI das reine Vergngen. Mhelos, spielerisch und unaufgeregt fhrt er in die Spitzengruppe. Auch im Seat reagiert die ohnehin schon zhe Lenkung etwas zeitversetzt, das kostet den eigentlich recht knackig abgestimmten Ibiza eine bessere Platzierung.

Der Daihatsu kann sich mal richtig freuen. Endlich spielt die Motorleistung nicht die groe Rolle und schon flitzt der sympathische kleine Japaner auf den siebten Platz. Wir betonen es ausdrcklich: Ein so agil abgestimmtes Fahrwerk hatten wir nicht erwartet. Auch Lenkgefhl und Przision gehen in Ordnung. Der Micro-Roadster liegt sogar vor dem Mercedes. Klar, der kann vor Kraft kaum laufen, seine 1,6 Tonnen lassen sich nicht so ohne Weiteres umherwuchten. Andersrum: Es ist eher erstaunlich, wie behende und mhelos der fette SLK um die Pylonen fegt.

Fr den BMW spricht alles: Sahne-Motor, agiles Fahrwerk, przise Lenkung aber dieser Slalom ist ganz offensichtlich nicht seine Lieblings-Disziplin. Er wirkt bermotiviert und hyperaktiv, man hat alle Hnde voll zu tun, das stndig nach auen drngende Heck irgendwie auf Linie zu bringen. Dem Mazda geht es hnlich er mag die bung nicht. Er kommt schon an der ersten Pylone fast quer, knickt beim Einlenken ein, die Lenkung gibt kaum Rckmeldungen.

Fazit von AUTO BILD-Testredakteur Dirk Branke Wir haben es herausgefunden: Der Porsche macht am meisten Spa. Der Cayman S ist exakt das, wonach wir gesucht haben: eine aufregende Fahrmaschine fr die Flucht aus dem Alltag. Der nervenzerfetzende Caterham fhrt zwar noch viel extremer, versagt aber auf Nsse. Auch der Subaru Impreza WRX STi, ein wahnwitziges Rallye-Tier, htte das Zeug zum Sieger, leistet sich aber eine Schwche beim Bremsen. Der Mercedes SLK 55 AMG trumpft vor allem mit seinem gewaltigen V8 auf.

Bei BMW 130i und VW Golf GTI besteht der Reiz in der Kombination von Klasse-Fahrleistungen mit hoher Alltagstauglichkeit. An die Radikalitt der ersten vier reichen sie nicht heran. Vom getunten Mini Cooper S htten wir mehr erwartet, der bleibt unauffllig. Der Seat Ibiza Cupra zeigt mit seinem heibltigen TDI, wie preiswerter Diesel-Fahrspa aussieht. Und Mazda MX-5 und Daihatsu Copen besttigen die alte Regel, dass man mit Cabrios nicht rasen soll. Sondern gleiten und genieen. Dann machen auch sie jede Menge Spa.

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