ZF Praxistest 2011

ZF Praxistest 2011 ZF Praxistest 2011

ZF Praxistest 2011

— 27.07.2011

König der Kompakten

Training und Qualifying sind absolviert, mehr als 35.000 Leser stimmten ab, welcher Kompakte ins Finale einziehen darf. Zehn Leser wurden in die Jury gewählt. Am Ende gab es ein wirklich knappes Ergebnis in der Klasse der Kompakten.

Es gibt Berufe, die sich seit Jahrzehnten in den Beliebtheits-Top-10 halten. Arzt, Lehrer, Lokführer etwa sind stets ganz vorn dabei. Auch der des Autotesters ist so einer. Ein Kindheitstraum vieler, nicht nur von Männern. Es geht schließlich um der Deutschen liebstes Kind. Und darum, schlecht von gut zu trennen. Da verwundert es nicht, dass die dritte Auflage des ZF Praxistests alle bisherigen Teilnehmerrekorde brach. Mehr als 35.000 Leser von AUTO TEST wollten sich einen Platz in der Jury sichern. Neun kamen per Losverfahren hinein, einen Platz besetzte ein Teilnehmer von Motor-Talk.de, Europas größter Auto- und Motor-Community. Die Hersteller schenken diesem Test ebenfalls große Aufmerksamkeit. Er ist schließlich der einzige seiner Art, bei dem keine erfahrenen Motorjournalisten testen, bewerten, vergleichen und urteilen. Beim ZF Praxistest entscheidet derjenige über Sieg oder Niederlage, um dessen Gunst jeder Hersteller wirbt: Otto Normalverbraucher. Manchmal aufgrund ganz anderer Ansichten als ein erfahrener Testfahrer.

Video: BMW 1er

ZF Praxistest Platz 1

Dieses Jahr ist die Kompaktklasse an der Reihe, die seit Generationen vom VW Golf dominiert wird und in der sich Opel und Ford regelmäßig um die Plätze zwei und drei balgen. Keine Fahrzeugklasse ist in Deutschland populärer. Daher haben wir beim Testprogramm noch eine Schippe draufgelegt. So testen wir 2011 unter anderem auf einer Rennstrecke. Der Sachsenring gilt unter Rennfahrern als Miniaturausgabe der Nürburgring Nordschleife – ähnlich unübersichtlich und anspruchsvoll. Am Tag eins liegt der Schwerpunkt aber zunächst auf Testfahrten unter alltäglichen Bedingungen im Straßenverkehr. Auf einem Rundkurs mit mehr als zwölf Kilometer Länge können sich die Juroren mit jedem Fahrzeug vertraut machen, die Schaltbarkeit des Getriebes, die Getriebeabstufung, das Ansprechverhalten des Motors beurteilen. Und die Abstimmung des Fahrwerks testen.

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Ein Rundkurs führt die Leserjury am ersten Testtag über unterschiedlich anspruchsvolle Straßen.

Einige der Testwagen wie VW Golf oder Opel Astra warten zudem mit der Möglichkeit auf, die Kennlinie der Dämpfer per Tastendruck einzustellen. Auch dafür gibt es auf dem Rundkurs perfekte Bedingungen. Eine Nebenstraße dritter Ordnung, welliger Asphalt, Frostaufbrüche und einige Kilometer lang, ist das ideale Terrain dafür. Nach jeder Runde heißt es Notizen machen, Modell im Bewertungsbogen beurteilen und umsteigen in den nächsten Testwagen. Hier gibt es bereits die ein oder andere Überraschung. Maik Knitter etwa ist sichtlich von der Giulietta angetan: "Der Alfa gibt mir beim Fahren ein sehr gutes Gefühl, federt toll. Noch sehe ich ihn vor dem Opel Astra." Und auch die Optik der hübschen Italienerin verdreht ihm den Kopf. Lob erhält der Alfa auch von Remo Clauß. Akribisch wie ein Profi vergibt er zudem einen Extrapunkt für das Start-Stopp-System.

Die professionelle Herangehensweise verwundert nicht, denn der 29-jährige Autofan war bereits 2006 Deutschlands bester Autofahrer und dank Losglück auch beim ZF Praxistest dabei. Kai Walter ist von der Schaltbarkeit des manuellen Sechsganggetriebes im Alfa angetan. Werden wir am Ende also einen Überraschungssieger küren dürfen? Abwarten, Die Leserjury schließlich ist nicht mal die Hälfte des ZF Praxistest-Finales absolviert; es folgen noch zwei weitere Disziplinen. Doch zunächst dürfen nach diesem Testabschnitt die Motoren ruhen. Jeder hat bis dahin jedes Fahrzeug ausgiebig gefahren. Und es reift die Erkenntnis, dass das Testen anstrengender und aufwendiger ist, als viele dachten. Vor allem, wenn es – wie hier – um die Suche des Königs der Kompakten geht.

Tapfer meisterte Carola Metze das bisherige Programm und zückt nach einer kurzen Mittagspause wieder Kugelschreiber und Bewertungsbogen, um sich den Finalisten bei der statischen Bewertung zu widmen. Sie nimmt Ergonomie, Platzverhältnisse, die Güte der Verarbeitung und Variabilität akribisch unter die Lupe. Klappt die Rücksitzlehnen im Citroën C4 um – und ist erstaunt von der Größe des Kofferraums. Ganz vorn sieht sie im Kapitel Karosserie trotzdem den VW Golf. "Der Golf leistet sich keine nennenswerte Schwäche. Man steigt leicht ein, sitzt bequem und hat viel Platz." Der Ford Focus, erst 2011 präsentiert und knapp 20 Zentimeter länger als der Golf, kommt dagegen nicht so gut weg.

Bevor es auf den Sachsenring geht, erfolgen ein Briefing und eine Einführungsrunde.

Zumindest bei Britta Schmerse. Die dritte Frau in der Leserjury bemängelt Qualität und intuitive Bedienung im anfangs unübersichtlichen Cockpit. Für Sie landet der Kölner Newcomer deshalb im Mittelfeld, liegt deutlich hinter den anderen deutschen Modellen. Mancher Hersteller sollte sich das schonungslose Urteil der AUTO TESTLeserjury durchaus zu Herzen nehmen. Bei allen Testern schneidet der Seat Leon dagegen gut ab. Erstaunlich vor allem deshalb, weil er – zusammen mit dem Audi A3 – das älteste Auto im Feld ist. Sowohl bei den Sitzen als auch beim Platzangebot sammelt er wichtige Punkte, wirklich ins Hintertreffen gerät er in keiner Disziplin. Kai Walter sieht in ihm sogar das Potenzial, den Gesamtsieg in diesem knappen und spannenden Finale des ZF Praxistests einzufahren. "Fahrwerksabstimmung, Übersichtlichkeit, Sitze und die Nutzbarkeit des Kofferraums haben mich überzeugt."

Mit dieser Meinung steht er nicht allein da. Beim Abschlussbild, wo sich jeder zu seinem Favoriten stellt, scheint der Spanier uneinholbar vorn zu liegen. Das hat aber noch einen anderen Grund. Es liegt an dem modernen Turbomotor aus dem großen Regal des VW-Konzerns, aus dem sich Seat bedient. Demnach führt schon subjektiv an der Aufladung kein Weg vorbei. Doch trotz gleicher Motortechnik wie im A3 Sportback und Golf scheint das Gesamtpaket im Seat zudem stimmiger zu sein. Nicht nur Ulrich Schulz ist angesichts des im Vergleich zu den Konzernbrüdern agileren Handlings und der sportlicheren Fahrwerksabstimmung voll des Lobes.

Auf dem Sachsenring ist der Seat in seinem Element: Agilität und der starke Turbomotor kommen bei den Testern gut an.

Noch deutlicher wird dies am zweiten Tag, als die Tester einen großen Teil der permanenten Rennstrecke befahren. Mindestens 40 Runden spulen die Tester mit den zehn kompakten Modellen ab. Klingt wenig? Ist es aber nicht. Knapp 100 Kilometer auf dem Sachsenring kommen so zusammen. Eine enorme Belastung für die Testwagen. Es geht hinab in den anspruchsvollen Streckenabschnitt Omega, rechts hinauf in die Dreifachlinks "Kleine Kuppe" und das lange Vollgasstück hinab bis zur Kurve "Zuschauerbrücke", bevor es wieder bergauf geht. Von den Fahrern fordert das volle Konzentration. Und von den Autos viel Motorkraft. Das macht es den Saugmotoren im BMW, Ford, Hyundai und Mazda nicht eben leichter. Gegen die lässige Kraftentfaltung der Turbomotoren sieht keiner der vier Land, kann keiner die Leserjury überzeugen.

"Tolles Raumgefühl mit dem Panoramadach" – Britta Schmerse ist vom Citroën sichtlich angetan.

Kein Wunder also, dass Andreas Weigel nörgelt, "der Mazda klingt oft gequält". Lediglich der BMW 1er heimst mit seinem in dieser Fahrzeugklasse einzigartigen Heckantrieb einen Bonus bei vielen Bewertern ein. Selbst wenn ihm das in dieser Leistungsklasse keinen Traktionsvorteil beschert – was Lukas Kaluzynski eifrig dementiert. Aber er ist auch BMW-Ingenieur, für die Klimatisierung der Fahrzeuge zuständig. Fair und neutral bepunktet er dennoch. Das knackige Fahrwerk im Opel Astra spricht ihn ebenso an wie der Seat: "Er hat mich richtig überrascht." Wacker hält sich auch der Audi A3 Sportback bis dato auf einem vorderen Rang. Wenngleich die Fahrwerksabstimmung (Henry Zimmermann) und der Geräuscheindruck des Motors (Maik Knitter) nicht bei jedem Leser gut ankommen.

Ulrich Schulz prüft kritisch, wie leicht eine Kontrolle der Betriebsmittel fällt.

Die eigentliche Sensation folgt am Schluss. Nach Auswertung aller Bewertungsbögen düpiert der BMW alle Konkurrenten. Und das bei einem Modell, das am Ende seines Produktionszyklus steht und in Kürze von einem komplett neu entwickelten Nachfolger abgelöst wird – und dessen Benzinmotoren die schwachbrüstigen Saugbenziner im aktuellen 1er endlich auf das Abstellgleis kicken werden. Der Golf, Namensgeber dieser Fahrzeugkategorie, muss sich mit einem hauchdünnen Abstand von nur 0,01 Punkten auf Rang zwei einordnen. Trotz positiver Aspekte (Ulrich Schulz: "Ein sehr ausgewogenes Auto"; Kai Walter: "Überzeugender Innenraum") erscheint er der gesamten Jury in diesem Testumfeld aber doch etwas zu langweilig.

Die zweite Sensation folgt mit einem ebenso knappen Abstand. Der Audi sichert sich Rang drei. Für Audi-Fan Britta Schmerse ganz klar, schließlich "stimmen hier das hochwertige Ambiente sowie das sichere und satte Fahrgefühl". In dieser Disziplin punktet der Seat Leon. Mit seiner sportlichen Auslegung und dem feinfühligen Handling auf der Rennstrecke holt er eifrig auf, schrammt nur knapp am Platz auf dem Podium vorbei. Zudem überzeugt sein Design die Tester. Nebenbei bemerkt: Der Spanier ist auch schon seit sechs Jahren auf dem Markt. Vielleicht sollten die Hersteller einfach mal über längere Modellzyklen nachdenken.

Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und der großen Abschlusstabelle lesen Sie in AUTO TEST 8/2011 – ab 27. Juli im Handel.

Autor: Dietrich Erben

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