Zorn der VW-Aktionäre

Zorn der VW-Aktionäre

— 04.05.2006

Piëch zum Rücktritt aufgefordert

Volkswagen-Boss Pischetsrieder hat wieder Wind im Rücken. Die Zeichen für Aufsichtsrats-Chef Piëch stehen dagegen auf Sturm.

Volkswagen-Chef Bernd Pischetsrieder hat Mitarbeiter und Aktionäre des Autokonzerns nach seiner Vertragsverlängerung auf einen noch härteren Sparkurs eingeschworen. Man sei "meilenweit" von den eigenen Zielen entfernt, betonte er auf der Hauptversammlung in Hamburg. Details der Sparpläne hielt Pischetsrieder unter Hinweis auf laufende Gespräche weiter geheim. Laut früheren Angaben könnten bis zu 20.000 Arbeitsplätze betroffen sein, rund ein Fünftel aller Stellen in westdeutschen VW-Fabriken

Der Vertrag des 58jährigen VW-Chefs war am Vortag um fünf Jahre bis April 2012 verlängert worden. Der Aufsichtsrat entschied einstimmig, obwohl zuvor wochenlang über massiven Widerstand der Arbeitnehmerseite spekuliert worden war.

Für den VW-Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Piëch wurde der Auftritt auf der Hauptversammlung am vergangenen Mittwoch wie erwartet ein schwerer Gang. "Aufgrund der Vorkommnisse des letzten Jahres" sei das Vertrauen in Piëch "schwer beschädigt", kritisierte Henning Gebhardt, Fondsmanager der DWS Investment. Piëch hatte vor einigen Wochen Pischetsrieder in einem Interview in Frage gestellt. Zudem war er nach Ansicht mancher Aktionäre viel zu "zaghaft" bei der Aufklärung der sogenannten VW-Affäre.

Ulrich Hocker von der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW) kritisierte das Interview als "Versuch der Demontage" Pischetsrieders. In dem Gespräch hatte Piëch die Vertragsverlängerung des VW-Chefs als "offene Frage" bezeichnet. Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) nannte Piëchs Verhalten eine "Unmöglichkeit" und erhielt von Aktionären Zwischenapplaus, als er erwähnte, daß Piëch 2007 den Aufsichtsratsvorsitz abgeben werde. Ulrich Steinharter und andere Anteilseigner forderten den Aufsichtsratsvorsitzenden gar zum Rücktritt auf.

Auch Interessenkonflikte angesichts des Einstiegs von Porsche bei VW wurden angeprangert. Der langjährige VW-Chef Piëch sitzt auch im Porsche-Aufsichtsrat. Die Piëch-Familie ist ein wichtiger Porsche-Aktionär. Pischetsrieder betonte, der Aufsichtsrat habe bereits im Februar einen Ausschuß eingerichtet, der die Geschäftsbeziehungen von Volkswagen mit Aktionären überwachen soll, die mehr als fünf Prozent der Stimmrechte halten. Porsche ist größter VW-Aktionär mit einem Anteil von rund 21 Prozent. Eindringlich forderten Aktionärsvertreter ferner eine lückenlose Aufklärung der VW-Affäre um Schmiergelder und Lustreisen auf Konzernkosten sowie eine rasche Sanierung der spanischen Tochter Seat.

Volkswagen müsse weltweit mit schärferem Wettbewerb rechnen, warnte Pischetsrieder. "Es geht nicht darum, daß der Konzern heute in seiner Existenz gefährdet ist. Aber trotzdem müssen wir heute handeln, um morgen den verschärften Angriffen unserer Wettbewerber erfolgreich begegnen zu können." Dabei werde der Konzern ohne eine Sanierung der ertragsschwachen Kernmarke VW nicht erfolgreich sein. Kostenstrukturen, die weit über denen der Wettbewerber lägen, könnten nicht dauerhaft "durch Quersubventionen gesundgerechnet werden", sagte Pischetsrieder. Vor allem die Produktion in den westdeutschen VW-Werken ist teilweise deutlich teurer als im Branchendurchschnitt.

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