Mosley & Braitore

Zum Geburtstag von Mosley & Briatore

— 13.04.2015

Die gefallenen Machthaber der Formel 1

Beide prägten die F1 jahrelang, beide wurden letztendlich von ihr verstoßen: Max Mosley und Flavio Briatore feierten diese Woche jeweils runden Geburtstag.

Über Jahrzehnte hinweg prägten Max Mosley und Flavio Briatore als Charakterköpfe und Machthaber die Formel 1 – der eine als revolutionärer Präsident des Automobilweltverbandes FIA, der andere als erfolgreicher Teamchef bei Benetton und Renault. In dieser Woche feierten der Brite und der Italiener jeweils runden Geburtstag. Mosley wird stolze 75, sein ehemaliger Wegbegleiter Briatore ist zehn Jahre jünger. Zwischen dem britischen Gentleman und dem italienischen Gigolo könnte der Unterschied kaum größer sein. Und doch ähneln sich die großen Karrieren der beiden Führungsfiguren in einem Punkt auffallend: In ihrem drastischen Ende und dem Verstoß aus der von ihnen so geliebten Königsklasse. Zeit für einen Blick zurück:

Zum 75. Geburtstag von Max Mosley

Schon lange bevor die F1 ein globales Milliarden-Spektakel würde, war Max Mosley ein Teil von ihr. Und ohne ihn hätte sie ihren heutigen Status wohl auch nie erreicht. „Hätte ich das alles ohne Max geschafft? Wahrscheinlich nicht”, sagt Bernie Ecclestone über seinen jahrzehntelangen Wegbegleiter Mosley. Jurist, Rennfahrer, Team-Gründer, Ecclestone-Berater und oberster Regelhüter des Motorsports - Mosley kann zu seinem 75. Geburtstag am Montag (13. April 2015) wahrlich auf eine bewegte Karriere zurückblicken. „Am Ende ist etwas Bedeutendes daraus geworden”, urteilt Mosley im Interview der Deutschen Presse-Agentur selbst. Keine Frage, Mosley hat viel erreicht. Mit Ecclestone formte er das moderne Geschäftsmodell der Formel 1.

Max Mosley (links) und Flavio Briatore (rechts) prägten über viele Jahre auf ihre Art das Gesicht der F1

Von 1993 bis 2009 forcierte er als Präsident des Internationalen Automobilverbands FIA mit nachhaltigem Erfolg die Sicherheit auf den Rennstrecken. Doch Mosley war stets auch eine streitbare Figur, scheute die Kontroverse nie. Als Sohn von Sir Oswald Mosley, dem Gründer der faschistischen Partei Großbritanniens, musste er sich früh mit Gegnern auseinandersetzen. „Wenn ich aus einer normalen Familie gekommen wäre, dann wäre ich in die Politik gegangen. Aber vor allem wegen meines Vaters war das ausgeschlossen, also bin ich in den Motorsport gegangen”, sagt Mosley. Der Weg auf die Rennstrecke ist ungewöhnlich. Seine Frau nimmt ihn mit ins Vollgas-Mekka Silverstone. „Vom ersten Rennen an war ich süchtig und wollte das unbedingt machen”, erinnert sich Mosley.

Er wird selbst Rennfahrer, schafft es bis in die Formel 2, erkennt dann aber, dass das Talent nicht für WM-Titel reicht und gründet stattdessen selbst ein Formel-1-Team: March. Der kleine Rennstall macht Furore, Niki Lauda beispielsweise gibt für March sein Grand-Prix-Debüt. Dann beginnt Mosleys Zusammenarbeit mit Ecclestone, die das Formel-1-Geschäft verändern wird. „Die Formel 1 war in den frühen Siebzigern ein Witz. Es musste in Ordnung gebracht werden, und das haben Max und ich getan”, sagt Ecclestone. Mosley, der seine Anwaltskarriere für den Motorsport aufgab, sichert Ecclestones Aufstieg zum Herrscher der Rennserie ab. „Ich war der Geschäftemacher und er hat sichergestellt, dass alles ehrlich und seriös war, was ich tat”, beschreibt Ecclestone die Arbeitsteilung.

Als Rennstallbesitzer war Mosley (hier links im Bild) erfolgreicher als in der Rolle des Fahrers

Auch nach seinem Aufstieg zum FIA-Chef 1993 funktioniert die Partnerschaft mit Ecclestone weiter, auch wenn Mosley nun öfter mit den Spitzen der Formel 1 in Streit gerät und die finanziellen Auswüchse des Grand-Prix-Zirkus zu bremsen versucht. „Er ist wirklich unheimlich clever. In einer Auseinandersetzung war er kaum zu schlagen, ob juristisch oder auf andere Weise”, befand Teamchef Frank Williams kurz nach Mosleys Abschied vom FIA-Thron. Da hat für Mosley längst ein neuer Feldzug begonnen: der Kampf für das Recht auf Privatsphäre. Im Jahr 2008 hatte die britische Zeitung „News of the World” illegal aufgenommene Bilder von einer Sexparty mit Mosley veröffentlicht. „Aus meiner Sicht war das Verhalten dieser Zeitung so abscheulich, dass ich etwas dagegen unternehmen musste”, erklärt Mosley seinen knallharten Widerstand.

Ein Kraftakt mit Erfolg: Er zwang das Boulevardblatt in die Knie und will nun auch den Suchmaschinenbetreiber Google endgültig dazu bringen, Bilder der Sexparty aus ihren Suchtreffern herausfiltern zu lassen. „Am Ende kommt man ans Ziel, und ich gebe nicht nach”, versichert Mosley mit eisernem Blick nachdrücklich. Selbst die Jagd nach möglichen Hintermännern der Veröffentlichungen, die seinen Ruf als Gentleman schwer beschädigen, treibt er noch immer voran. Damals hatte er Widersacher aus der Formel 1 als Urheber des Skandals vermutet. „Ich habe diese Möglichkeit noch nicht ausgeschlossen. Wir arbeiten noch daran”, sagt Mosley nun.

Zum 65. Geburtstag von Flavio Briatore

An den Formel-1-Strecken dieser Welt sieht man Mosley seit dem Skandal nur noch selten. Und hier überschneidet sich seine außergewöhnliche Biographie auch mit dem genauso außergewöhnlichen Lebensweg des Flavio Briatore. Seit seiner Verwicklung in den Skandal um einen absichtlichen Unfall des Brasilianers Nelson Piquet jr. in Singapur 2008, für den Briatore vom Weltverband zwischenzeitlich sogar für die Formel 1 gesperrt wurde, hat er sich aus dem aktiven Business im Motorsport mehr oder weniger zurückgezogen. „Crashgate” wurde die Affäre damals getauft, die Briatores großer Karriere ein unrühmliches und jähes Ende setzte. „Es geht nicht, dass einer mit seinen Praktiken Motorsport betreibt. Für Flavio war die Formel 1 nie Sport, sondern immer nur Geschäft”, schimpfte damals Nelson Piquet senior.

Mosley und Briatore gemeinsam mit F1-Boss Bernie Ecclestone und Fußball-Star Ronaldo in Monaco

Die Formel 1 und Briatore: Das passte irgendwie so gar nicht und genau deswegen doch so gut. Von Technik und dem Sport verstand der Italiener besonders zu Beginn seiner Laufbahn nicht viel. Sehr wohl aber von erfolgreichem Business. So schaffte es der Mann mit dem Charme eines Gigolos immer wieder, die besten Mitarbeiter für sein Team einzukaufen und zu einer funktionierenden wie erfolgreichen Einheit zu vereinen. Das Paradebeispiel: Die Erfolgskombo um Michael Schumacher und Ross Brawn, die Mitte der Neunziger zwei WM-Titel für Benetton einbrachte und sich später mit noch mehr Erfolg Ferrari anschloss. Kurios: Braitore, der Sohn eines Lehrer-Ehepaares, schlitterte zufällig in die Vollgasbranche: Als Geschäftsmann lernte er in Mailand Modezar Luciano Benetton kennen, der ihn zunächst in sein Unternehmen holte und schließlich 1988 in seinen Rennstall.

Nach Michael Schumacher führte der PS-Gaukler ein Jahrzehnt nach den Benetton-Triumphen auch Fernando Alonso zu zwei WM-Titeln mit Renault. Der aufregende Rennzirkus  lässt Briatore auch heute noch nicht ganz los. Zu seinem früheren Schützling Alonso pflegt der gealterte Playboy immer noch eine enge Verbindung, war lange auch für dessen Management verantwortlich. An guten Deals ist Briatore noch immer interessiert – auch heute noch, denn Geld schläft schließlich nicht. Auch nicht an seinem 65. Geburtstag am Sonntag (12. April 2015). Anfang 2014 ließ Briatore seine Kontakte spielen und fädelte einen Deal zwischen Veranstaltern in Aserbaidschan und Formel-1-Chefvermarkter Bernie Ecclestone ein. Ab 2016 will die Königsklasse des Motorsports auch in Baku Station machen. Der dubiose Selfmade-Millionär strich dafür der „Daily Mail” zufolge einen Bonus im siebenstelligen Bereich ein.

Briatore wie man ihn kennt: Mit dickem Bauch und schöner Frau an seiner Seite

Nur einmal in seiner jüngeren Vergangenheit ist Flavio Briatore sich und seinem Image so richtig untreu geworden. Der ewige Lebemann heiratete. Sieben Jahre ist das mittlerweile her, seitdem er Elisabetta Gregoraci vor den Altar führte. Mit dem Starlet und dem gemeinsamen Söhnchen genießt Briatore, der früher förmlich eine Allergie gegen feste Bindungen hatte, das Leben. Dabei sieht man in Klatschmagazinen und sozialen Netzwerken viele Fotos von Briatore im Urlaubsmodus. Ein Drink hier, ein feudales Mahl dort. Der Bauch ist auffällig füllig geworden, das Haar mittlerweile weiß und flattrig. Doch der Eindruck vom scheinbar nie endenden „Dolce Vita” täuscht beim früheren Partner von Top-Models wie Naomi Campbell oder Heidi Klum bisweilen. Denn der Mann aus Verzuolo im Piemont hat in den vergangenen Jahren eine Modelinie etabliert, Nachtclubs gegründet und in einer Reality-Show das südländische Pendant zu Immobilien-Tycoon Donald Trump gegeben: Ein Tausendsassa eben, dieser Briatore. (fh/dpa)
Fotos: Picture-Alliance

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