Test Zender A3/HGP Golf R32

Zwei aufgeladene Kompakte

— 14.05.2007

Kraftprobe auf der Nordschleife

Zwei Bestseller im Vollgas-Duell: Audi A3 Sportback und Golf R32 treten in der "grnen Hlle" gegeneinander an. Beide getunt und mit insgesamt 935 PS!

Rennfahrer Wolfgang Kaufmann verfgt ber ein sonniges Gemt. Trotzdem entlockt ihm unser Starterfeld nicht mal ein mdes Lcheln: "A3 gegen Golf klingt ja total spannend." Was sich vor seinem inneren Auge abspielt, scheint offensichtlich: 1.9-TDI-Motor, maximal 150 PS, 200 km/h Spitze. Wie soll er wissen, dass wir nach Hherem streben und mit Autos anrcken, deren Potenzial auf ffentlichen Straen kaum auszuloten ist? Mit der Nordschleife dient die berhmteste Rennstrecke der Welt als Terrain, um den beiden Kraftbolzen Auslauf zu gewhren.

Understatement ist anders: Zender verleiht dem A3 Überhol-Prestige.

Am Steuer: Wolfgang Kaufmann, zuletzt in einem Porsche Gewinner des 24-Stunden-Rennens von Bahrain, Renn-Routinier und Nordschleifen-Ass. Seine Miene hellt sich auf, als er die beiden Protagonisten zu Gesicht bekommt: "Dem Audi nimmt man auf den ersten Blick ab, dass er richtig Dampf hat. Der harmlos aussehende Golf wirkt daneben etwas verloren." Diese Fehleinschtzung kommt nicht zufllig zustande, stapelt HGP doch ganz bewusst tief. Dem Veredler liegt die groe Show berhaupt nicht. Sein ber-Golf unterscheidet sich nur durch andere Rder (im 18-Zoll-Serienformat) vom originalen R32. Auch der Endschalldmpfer bleibt unverndert nur sein zum Krmmer fhrendes Rohr-Gest ist grozgiger bemessen.

Doppelendrohr, Schürze, Spoiler: Das Heck ist die Schokoladenseite.

Zender setzt andere Prioritten: Sein Fahrzeug blickt mit riesigem Single-Frame-Schlund so dster in die Welt, als wrde es die Strae samt dazugehrigem Verkehr auf der Stelle verschlingen und unverdaut wieder ausspucken wollen. Neue Kotfgel mit groflchigen Auslassffnungen verbreitern das Fahrzeug um vier Zentimeter und unterstreichen den Streitwagen-Charakter des A3. Ben Hur wrde diesen Audi lieben. Das Heck prsentiert sich als Schokoladenseite des Sportback: Eine wuchtige Schrze plustert den Audi auf, das mittige Doppelendrohr gert deutlich voluminser als beim HGP-Golf. Natrlich trifft ein derartiger Umbau nicht jedermanns Geschmack. Ein positiver Nebeneffekt lsst sich jedoch nicht leugnen: Das berholprestige steigt dadurch um ein Vielfaches.

Zender mit HGP-Technik: Die Leistungssteigerung wird zugekauft.

Das tut auch not: Betrachtet der Sportback doch die linke Autobahnspur als sein Zuhause. Dahinter steckt keine Arroganz, sondern das Wissen um die eigene Macht. Die kommt nicht von ungefhr: Dank aufgesetztem Turbolader leistet der Zender-A3 440 PS. Ein Blick in den Motorraum irritiert. Prangt auf der silbrig schimmernden Ansaugbrcke doch das HGP-Logo. Zender-Pressechef Harald Schmidtke erklrt: "Unsere Kernkompetenz ist und bleibt die Spoilerproduktion. Was Leistungssteigerungen anbelangt, kaufen wir bei HGP ein." Warum auch nicht? Einem Klamottenverkufer nimmt es ja auch keiner krumm, wenn er seine Anzge bei Boss erwirbt, anstatt sie selbst zu schneidern. Neben einem Turbolader umfasst das Tuningprogramm einen Ladeluftkhler, grere Einspritzdsen, modifziertes Steuergert, zweite Benzinpumpe, Hochleistungs-Pleuellagerschalen und einen gegossenen Abgaskrmmer.

Nur nach vorne: Dank Allrad kennt der HGP-Golf kaum Traktionsprobleme.

Der VW erfhrt die gleiche Konfiguration wie der Audi. PS-Zauberer HGP hat fr das eigene Auto sogar noch tiefer in den Zylinder gegriffen: Neben einem zweiten Ladeluftkhler verfgt das Auto ber einen nochmals vergrerten Lader. Die Leistungssteigerung geht einher mit einer lngeren bersetzung und einer komplexen Verstrkung des DSG-Getriebes. Eine solche Verstrkung erfhrt auch das Zender-Auto, knnen doch auch seine 580 Newtonmeter einen unvorbereiteten Antriebsstrang nachhaltig verknoten. Das Schnste daran: Der Allradantrieb transferiert die Power direkt auf den Asphalt ohne jegliche Traktionsprobleme. Turbo und DSG gnnen sich bei pltzlichem Volllast-Bedrfnis des Piloten eine winzige Gedenk-Zehntelsekunde, um dann ohne weiteres Federlesen ber die Besatzung herzufallen.

Gute Performance: Rennfahrer Kaufmann ist vom Golf begeistert.

So ist Kaufmann denn auch uneingeschrnkt angetan: "Der Vortrieb ist bestialisch", konstatiert er in aller Deutlichkeit. Begleitet wird das Ganze von einem grimmigen Sechszylinder-Bellen, das nur manchmal mit Drhnfrequenzen nervt. Bis Tempo 230 bleibt der Vortrieb konstant, erst danach lsst es der Audi etwas gemchlicher angehen. Der Geradeauslauf ist tadellos, das Auto liegt so stabil auf der Strae, als wre es mit Felsbrocken beschwert. Lediglich auf Querrillen reagiert es allergisch. Und selbst mit niedriger Geschwindigkeit genommene, flache Bordsteine fhren zu unwilligen Schttelattacken. Auf Kaufmanns Freude ob des gelungenen A3 folgt ein berraschter Begeisterungsausbruch nach einer schnellen Runde im Golf R32: "Der geht ja noch besser." Recht hat er: Setzt der Golf sein Leistungsplus doch in jeder Situation um. "Die Leistung fllt zwar geringfgig ab, wenn das Auto warm wird, reicht aber immer noch dicke aus", stellt Kaufmann fest. "Ein Riesenspa wenn die Standfestigkeit stimmt."

Um die sollte es bestens bestellt sein wie wir anhand des inzwischen dritten tadellos funktionierenden HGP-Test-Golf einmal festzustellen wagen. Es fllt schwer, mit Worten zu beschreiben, mit welch rigoroser Unbarmherzigkeit der Golf anschiebt. Unter Volllast dreht der Motor mit einer solchen Vehemenz laut brllend in den roten Bereich, dass man die Befrchtung hegt, der Motor wrde sich strangulieren. Bis das DSG ihm die nchste Gangstufe gnnt. Die steht aufgrund einer Drehzahlanhebung allerdings erst bei 7000 Umdrehungen an. Trotzdem fhrt sich das Auto lammfromm. Das unproblematische Handling des Golf hat seinen Grund: Das KW-Gewindefahrwerk verleiht dem Auto eine satte, unerschtterliche Straenlage. 290 km/h werden im Golf zur normalen Reisegeschwindigkeit, erst jenseits der 300 km/h tritt ein Zustand ein, der sich mit etwas bertreibung als leichte Unruhe skizzieren liee.

Hauchdünn: Am Ende landet der Golf knapp vor dem A3.

Trotz der gigantischen Leistung gibt das ESP nur bei allzu tollkhnen Fahrmanvern Laut, sieht sonst aber keinerlei Notwendigkeit, mahnend einzugreifen ein Indiz fr gute Abstimmung. Auch das Zender-Auto fhrt sich erfreulich unkompliziert. Lange neutral, beginnt der A3 erst spt zu untersteuern. Insgesamt wirkt der Audi einen Tick schwerflliger und etwas weniger feinnervig als der Golf. Das liegt mit Sicherheit an den greren Rdern. Die 19-Zller erhhen die ungefederten Massen und drcken auf die Agilitt. brigens hatten weder HGP noch Zender die Gelegenheit, ihre Autos auf die Hllenqualen in der Eifel vorzubereiten. Mit ein Grund, warum die Reifen des Golf in engen Kurven im Radhaus schleifen. Kaufmann konstatiert: "Das Auto msste einen Zentimeter nach oben geschraubt werden. Wenn ich voll in die Fuchsrhre fahre, habe ich Angst, dass der komplette Innenkotflgel rausfliegt."

Der Audi schwchelt im Gegenzug auf der Bremse. Die ist, bis auf grere Scheiben, serienmig. "Anfangs packt sie das Auto im Wrgegriff, baut dann aber deutlich ab", so Kaufmanns kritisches Urteil. Trotzdem haben sowohl HGP als auch Zender einen neuen Fan. Und Wolfgang Kaufmann wird scheinbar farblose Kompakte ab sofort mit anderen Augen sehen.

Autor: Ben Arnold

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