Cabrio-Sportler im Test

Audi RS4 – Mercedes-Benz CLK 63 AMG Audi RS4 – Mercedes-Benz CLK 63 AMG

Zwei Cabrio-Sportler im Test

— 28.08.2006

Nach oben offene Richterskala

Man muss in diesem Lande schnell sein, um die Sonne zu erhaschen. Mit den beiden V8-Cabrios Audi RS4 und Mercedes CLK 63 AMG bleibt man der Hitze dicht auf den Fersen. Ein Vergleich im Hochdruckgebiet.

Als 1935 im California Institut of Technology Charles Richter und Beno Gutenberg eine Skala zum Vergleichen von Erdbebenstärken entwickelten, hatte bestimmt keiner der beiden eine Vorstellung, dass diese auch auf Cabrios angewendet werden kann. Und wie. Der Seismograph der Richterskala schlägt deutlich nach oben aus, wenn zwei V8-Motoren mit ihrem grummelnden Sound aus vier Auspuffrohren den Asphalt zum Beben bringen. Es sind Vibrationen, die ungefährlich sind, aber süchtig machen. Als Quell der Eruptionen erweisen sich Mercedes-Benz CLK 63 AMG und Audi RS4.

Das Stuttgarter Hubraumgroßmaul mit seinen gewaltigen 6,2 Litern und 481 PS poltert dabei ganz ohne Lader oder Kompressor lässig bis zur maximalen Leistung bei 6800 Umdrehungen. Fließen ein paar Liter Sprit durch den Ansaugtrakt, verteilen acht dicke Pleuel bis zu 630 Newtonmeter Drehmoment auf die Kurbelwelle. Bei sommerlich-weichem Asphalt hinterlässt das breite schwarze Furchen auf der Straße. An dem brutalen Vortrieb ändert das nichts. Bei beherztem Kickdown und aktiver Traktionskontrolle – die man definitiv braucht, um nicht in Rauch zu ersticken – katapultiert sich der Benz in 4,7 Sekunden von null auf 100 km/h und glättet so bequem jede Altersfalte im Gesicht. Für den zügigen Vortritt gen Sonne schaltet die Siebengang-Automatik entweder selbstständig und schnell oder per Wippen am Lenkrad aktiv und spaßig.

Ingolstädter Traktions-Titan: Der Audi RS4 klebt geradezu an der Straße.

Glatte Haut macht auch Audis Traktions-Titan RS4 mit quattro-Antrieb (Kraftverteilung 40:60). Obwohl der Ingolstädter mit 4,2 Litern deutlich weniger Hubraum und mit 420 PS auch weniger Leistung hat, lässt er dem CLK nur 0,2 Sekunden Vorsprung bis zur 100-km/h-Grenze. Ein rein theoretischer Wert, denn die Arbeitsfreude hinter dem griffigen und unten abgeflachten Sportlenkrad mit Leder und Alubeplankung treibt den Ehrgeiz in die Knochen. Beim Tippen der S-Taste (S für Sport) blasen sich die Seitenwangen des Fahrersitzes auf, die Kennlinie des Motormanagements verändert sich, und eine Klappe im Abgastrakt produziert ein Halleluja aus zwei Tüten. Der RS4 beißt nicht, der will nur spielen. Zwar fehlen dem Audi genau 200 Newtonmeter Drehmoment (430 Nm) auf den Mercedes. Dank des eng gestuften Sechsgang-Getriebes fällt das aber weniger ins Gewicht.

Außerdem verbessert häufiges Schalten die Durchblutung um 30 Prozent. Bei 3000 Umdrehungen beginnt das Grollen unter der Motorhaube, und der Allradler brennt die Straße hinauf wie heiße Lava den Berg runter. Auf dem schnellen Weg zur Sonne werden in langen Serpentinenstrecken weder Motor noch Bremsen geschont. Dank vorderer Keramikbremsanlage (5800 Euro) und Sportreifen Pirelli P Zero Rosso in 255/35 R 19 (3900 Euro) bleibt das Vergnügen auch auf der Bergabfahrt. Schlappe Bremsen und Fading nach der zehnten Kurve? Fehlanzeige.

Understatement: Der CLK 63 AMG verpackt seine Muskeln dezent.

Beim 30 Kilogramm schwereren und heckangetriebenen AMG hat die Elektronik mehr zu arbeiten: Der CLK kommt trotz AMG-Sportfahrwerk und Pirelli Rosso 225/40 R 19 früher in seinen Grenzbereich, und das ESP hat zu kämpfen. Dafür arbeitet die 18-Zoll-Anlage auch ohne Keramikbremsen bei Talfahrt tadellos. Angstschweiß bildet sich nicht auf der Stirn, auch wenn die Lenkung direkter abgestimmt sein könnte. Bis auf das kernige V8-Gebrüll (satter als beim RS4) setzt der CLK auf Understatement, versteckt seine Muckis dezent unter dem Smoking. Komfortbetont geht es eher cool durch die Stadt zur Oper, obwohl schnelle Rundenzeiten mit dem integrierten Racetimer gestoppt werden können. Bei einem Basispreis von 92.974 Euro aber ein gewagtes und teures Unterfangen.

Beim Audi RS4 Cabrio spart man nicht nur in der Basis 10.074 Euro, sondern erhält auch im Gegensatz zum CLK einen voll ausgestatteten Racer, der im Overal ständig Sport treiben will. Die Verarbeitung ist bei beiden top: viel Leder, Alcantara-, Alu- oder Carbon-Dekoreinlagen, eng geschnittene Sportsitze und eine verwindungssteife Karosserie. Und der Verbrauch? Nun ja, die Straßen waren frei, heiß und trocken, die Kurven lang. 19,7 Liter Super Plus waren es schon. Trotzdem können beide getrost als Epizentrum des Neids angesehen werden.

Fazit von AUTO BILD SPORTSCARS-Autor Fabian Hoberg: Offenes Verdeck, Sonne auf der Stirn, der Fahrtwind massiert den Kopf, und der V8-Sound kitzelt die Ohrmuscheln. Was gibt es Schöneres, als im RS4 oder CLK 63 AMG zu fahren? Beide Cabriolets verwöhnen mit viel Luft und Leistung. Der CLK 63 AMG darüber hinaus mit mehr Drehmoment, exakter Automatik, Komfort und ausreichend Platz für vier. Beim Audi geht es trotz geringerer Leistung sportlicher zur Sache. Er giert nach Kurven und Beschleunigung, verlangt nach einer schnellen Hand beim Schalten und ist die dynamischere Wahl.

Autor: Fabian Hoberg

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