Getunte 3.0-Liter-TDI

JE Design Touareg V6 TDI – Abt A6 Avant 3.0 TDI JE Design Touareg V6 TDI – Abt A6 Avant 3.0 TDI

Zwei getunte 3.0-Liter-TDI

— 13.10.2005

Ein Motor für alle Fälle

Drei Liter Hubraum, sechs Zylinder in V-Form, Drehmoment und Leistung satt – nicht nur VW und Audi schwören auf den neuen großen Dieselmotor. Auch die Tuningfirmen können ihn richtig gut leiden.

Preise und Ausstattungen

Nicht nur eine neue Liebe – auch ein neuer Motor ist wie ein neues Leben. Zumal ein moderner sechszylindriger Selbstzünder bei Audi und VW lange überfällig war. Markierte doch der altehrwürdige 2.5-TDI-V6-Motor – laut nagelnd und unkultiviert wie eine Affenhorde – alles andere als den aktuellen Stand der Technik. Ingolstadt und Wolfsburg mußten sich zuletzt von der Konkurrenz zeigen lassen, wo der Hammer hängt. Seit 2004 ist alles gut: Der neue Dreiliter-Diesel schlug ein wie eine Bombe und konnte sich vor positiven Kritiken kaum retten.

Nachdem die Maschine im Audi A6 debütierte, kommt sie jetzt endlich im Touareg sowie im neuen A6 Avant zum Einsatz. Für die Tuner ist der Turbo-Motor ein gefundenes Fressen. Beim Anblick des Volkswagen Touareg von JE Design stellt sich uns vorrangig jedoch nicht die PS-, sondern eine andere Frage: Kann es sein, lieber Tuner, daß bei der Entwicklung des Touareg-Bodykits der Begriff "Überholprestige" im Lastenheft ganz weit oben stand? Das vermutet man zumindest beim ehrfurchtsvollen Blick in den weit aufgerissenen Front-Schlund. Das Volkswagen-Emblem opfert der Veredler zugunsten größerer Mengen schwarzen Maschendrahts.

JE Design war schon immer bekannt für seine extrovertierten Umbauten. "Der deutsche Markt ist noch nicht reif für solche Extremlösungen", räumt Firmenchef Jochen Eckelt freimütig ein. "In Osteuropa und im arabischen Raum verkauft sich unser Spoilerkit hingegen wie geschnitten Brot." Wir müssen mit der zivilen Variante vorliebnehmen – die Kotflügelverbreiterungen hat JE Design optimaler Performance zuliebe weggelassen.

Technische Daten im Überblick

Die Designidee für die Brachial-Optik stammt vom Chef persönlich, ist typisch JE Design. Nur bei Detaillösungen adaptiert JE Design auch andere Ideen. So stand bei den vier in die Schürze integrierten Zusatzscheinwerfern und der Unterbodenbeleuchtung durch Lichtspots im Schweller (nur im Stand aktivierbar) ein Mercedes-Tuner aus Bottrop Pate. Und der silbern lackierte Steg auf Auspuffhöhe erinnert an den Touareg W12. Bei einer Sitzprobe denkt der Fahrer hingegen an den VW Phaeton. Durch die ausgeprägte Tieferlegung vergißt man bereits nach wenigen Metern, daß man in einem ursprünglich recht hochbeinigen SUV Platz genommen hat.

Diese Illusion bleibt auch bei forcierter Gangart bestehen – wenngleich der 2,5-Tonnen-Trumm sein wahres Gewicht auch nicht verleugnen kann. Immerhin reduziert das KW-Gewindefahrwerk mit verstellbarer Zug- und Druckstufe die Seitenneigung ganz beträchtlich. Auch der Motor präsentiert sich in Bestform. Wer befürchtet, daß das Aggregat ob des Gewichts und der Stirnfläche des SUV an seine Grenzen stößt, kann aufatmen. Es geht zügig voran, sauber und unangestrengt dreht die Maschine hoch. Erst obenrum wird die Luft dünn: Bei echten 211 km/h ist Schluß.

Der Abt-Kombi zieht auf der Autobahn locker-lässig davon. Kein Wunder: Durchschneidet die A6-Front doch den Wind wie ein gut geschärftes Messer rohes Lammfilet. Folgerichtig rennt das Auto, ohne mit dem Spoiler zu zucken, 247 km/h (Serie: 240 km/h). Aufgrund des um fast 500 Kilogramm geringeren Gesamtgewichts gibt sich der Motor noch lebhafter und spontaner als im Touareg.

Fahrleistungen und Fazit

Darüber hinaus tritt der Abt-A6 als das exakte Gegenteil seines Kontrahenten auf: Er spielt den Feingeist – und bietet optisch (hoffentlich) einen Vorgeschmack auf den nächsten RS6. Der mit Chrom verzierte Sportgrill, die dezenten Spoileransätze und die filigranen 19-Zöller machen ihn optisch zu der Art von Tuning-Auto, mit dem sich auch Akademiker anfreunden könnten.

Zumindest beim Motortuning liegen die Tuner auf einer Wellenlänge. Beide verzichten auf eine externe Powerbox und setzen auf einen Eingriff ins Steuergerät. JE Design holt dadurch 61, Abt 40 zusätzliche PS raus. Das Drehmoment steigt bei JE Design um 50, bei Abt um 100 Newtonmeter. Damit stemmen sie je 550 Newtonmeter – der A6 hat ab Werk nämlich 50 Newtonmeter weniger zu bieten als der Touareg. In der Praxis funktionieren beide Autos hervorragend. JE verbessert sich beim 100-km/h-Sprint trotz monströser 22-Zöller gegenüber der Serie um eine glatte Sekunde.

Abt fährt den gleichen Vorsprung heraus. Bis 200 km/h nimmt der Abt-A6 dem Serienmodell fast acht Sekunden ab. Auch der heutzutage unabdingbare Rußtest fällt versöhnlich aus: Der Touareg mit Partikelfilter hinterläßt keinerlei sichtbaren Dreck, der Abt A6 ohne Filter erfreulich wenig. Sauber- statt Biedermann: Schön, daß auch die Ökobilanz des tollen Triebwerks stimmt.

Fazit von AUTO BILD SPORTSCARS-Autor Ben Arnold: Schöne neue Dieselwelt: Beide Tuner verwenden zwar dieselbe Motorbasis – die Resultate könnten unterschiedlicher jedoch kaum ausfallen. Der Touareg von JE Design räumt mit seiner martialischen Optik souverän die linke Spur frei. Und beweist auf den zweiten Blick, daß hinter der Brutalo-Fassade grundsolides German Engineering steckt. Der A6 Avant von Abt empfiehlt sich als Edel-Lastesel für Kilometerfresser, die uneingeschränkte Alltagstauglichkeit in Verbindung mit schicker Optik und guten Fahrleistungen wünschen.

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