Zwei getunte Audi S3 im Test

Zwei getunte Audi S3 im Test

— 27.03.2007

S-Kultur

Es hat beinahe schon Tradition: Ein Audi S3 hat Allrad und Turbomotor und die Tuner legen wieder richtig nach. B&B und Heron im Test.

Zugegeben, ich gehre zu den Typen, die finden, dass frher vieles besser war beim Thema Auto zumindest. Oder vermissen Sie nicht auch den mittlerweile seltenen Anblick eines pausbckigen Mercedes E 500 oder den einzigartigen Klang des luftgekhlten Porsche-Boxers? Auch von Audi bin ich etwas enttuscht. Denn die Ingolstdter schaffen es mit dem neuen S3 tatschlich, einen kompakten berflieger zu prsentieren, unter dessen Haube zwar ein 265 PS starker Motor tobt, der aber nichts mehr vom martialischen Vorgnger mit den weit ausgestellten Radhusern hat und im faden Einheitslook daherkommt. Die enorme Ausgangskraft erleichtert es den Tunern natrlich ungemein, bereits mit der ersten Ausbaustufe ihrer Modifikationen die magische 300-PS-Marke zu knacken. B&B und Heron waren dabei extrem fix und mssen sich nun im harten Vergleich beweisen. Zumindest auf dem Papier geht der B&B S3 in Fhrung. 306 PS und stolze 410 Newtonmeter Drehmoment zaubert der Veredler aus dem Motor und das fr faire 1198 Euro. Einen Tick gnstiger, aber eben auch nicht ganz so krftig ist das Exemplar von Heron. Fr 999 Euro gibt es ebenfalls ein Ticket fr den 300-PS-Club. Aber es sind eben "nur" 300. Dass der Vierzylinder mit 430 Newtonmetern mehr Drehmoment liefert, drfte bei Stammtisch-Gesprchen weniger interessieren. Abgesehen davon ntzt das auch nichts, wie unsere Messwerte deutlich machen.

B&B S3 animalisches Turbo-Pfeifen inklusive

Schönen Gruß vom Gen-Spender: Tuner Heron bleibt nah an der Serie.

Egal ob bei der Beschleunigung oder bei der Elastizitt, der Heron kommt an den B&B S3 einfach nicht heran. Mit 5,5 Sekunden bis Tempo 100, und 15,8 Sekunden bis 180 km/h, ledert das Siegener Exemplar den Heron gehrig ab. Mit 5,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h liegt der zwar genau auf dem Niveau der Werksangabe, jedoch immer noch eine halbe Sekunde unter der von uns gemessenen Serienversion. Auch in der Leistungsentfaltung ist er der Serie nher: Im obersten Drehzahlbereich fehlt ihm der energische Vortrieb des Exemplars von B&B. Ohne zu schwcheln, dreht dessen Triebwerk bis an den roten Bereich bei 7000 Touren. Wer Turbos mag, wird den Heron lieben den B&B aber vergttern. Nur sein Lader blst so herrlich animalisch den berschssigen Druck ins Freie bei jedem Last- und bei jedem Gangwechsel.

Letztere bereiten brigens deutlich mehr Freude als bei der Serienversion. Auf nochmals krzeren Wegen gleitet der Schalthebel durch die Gassen gewohnt przise, gewohnt leichtgngig. Auf der Rennstrecke hilft das dem B&B (fast) nichts. Zumindest bei Regen. Denn tagelange Niederschlge verwehrten uns ein faires Duell in Oschersleben. So wurde es eher zum Duell der Reifen mit knappem Sieg fr B&B. Der Dunlop SP Sport Maxx hat den moderneren Conti-Pneus nicht viel entgegenzusetzen. Ganz im Gegenteil. Der S3 verlangt damit deutlich mehr Aufmerksamkeit vom Fahrer, wechselt munter vom Unter- zum bersteuern und bietet zudem weniger Grip. Bei 2:02,84 Minuten bleibt die Uhr nach einer Runde stehen. Wesentlich entspannter, aber mit 2:03,71 Minuten kaum langsamer, geht es im Heron um den 3,6 Kilometer langen Kurs.

Selbst der Vorteil der greren Bremsanlage nutzt dem B&B nur bedingt. Denn die sehr harte Fahrwerksabstimmung harmoniert einfach nicht mit dem ABS. Die Rder werden so rigoros eingebremst und blockieren oftmals das kostet Zeit. Reine Geschmackssache ist der Sportauspuff. Fakt ist: Der aufwendige Endschalldmpfer mit Klappensystem adelt den S3 von B&B zum zuverlssigen Wecker der Nachbarschaft. Wer auf einen etwas dezenteren Umgangston steht, sollte der Heron-Lsung den Vorzug geben. Ihr einziger Nachteil: Sie ist 300 Euro teurer, kostet deftige 1499 Euro. Die alltagstauglichere Wahl ist auch das O.Z.-Rad am Heron. Der umlaufende Felgenschutz am Reifen kann hier noch sinnvoll wirken. Beim B&B-Ballermann sieht das ganz anders aus. Mit zehn bis an den Rand reichenden Speichen wirken seine 19-Zller zwar mindestens eine Nummer grer, ragen leider schutzlos ber den Reifen hinaus. Wer sich beim Parken einen Patzer leistet, riskiert die ganze Show. Zumindest das war frher auch nicht anders.

Autor: Dietrich Erben

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