Zwei getunte Porsche 911 S

Zwei getunte Porsche 911 S Zwei getunte Porsche 911 S

Zwei getunte Porsche 911 S

— 20.04.2005

Alles andere als artig

Ob in Gangart, Machart oder Tonart: Die getunten 911 S von SpeedArt und TechArt glänzen mit feinen Unterschieden.

Sportlich schlicht gegen protzig dick

Von Hermann J. Müller Brav ist der Elfer inzwischen ja serienmäßig. Aus der einst berüchtigten Heckschleuder haben Fortschritt und Marketing ein völlig problemloses Auto gemacht. Das zwar schneller ist als die meisten anderen, aber von seinem Lenker keine überirdischen Fähigkeiten mehr verlangt. Gegen die heckmotorbedingten Unarten beim Lastwechsel hilft die elektronische Stabilitätshilfe PSM, Kupplung und Getriebe lassen sich bedienen wie in einem Golf – und neuerdings verwöhnt uns der 997 nicht nur mit überraschendem Fahrkomfort, sondern sogar mit verstellbarem Lenkrad.

Genau da aber gehen die Zweifel los. Wollen wir in einem 85.000-Euro-Kracher wirklich an einem blassen Massenlenkrad drehen? Nein, befinden SpeedArt (Gerlingen) und TechArt (Leonberg) und liefern uns interessante Alternativen: Sportlich schlicht die eine, mit gefühlsechtem Alcantara umhüllt und für 390 Euro durchaus wohlfeil. Protzig dick dagegen ist das TechArt-Teil, das in der Hand liegt wie eine Mettwurst für vier Personen. Seinen besonderen Kick verleihen ihm die perlmuttfarbene Carboneinlage und natürlich der Preis: 1386 Euro!

Bösartiges Grollen von TechArt

Weniger kraß fallen die Unterschiede im äußeren Erscheinungsbild aus. Während sich der TechArt hier vor allem durch seine markanten Seitenschweller und den dezenten Dachspoiler profiliert, zeigt der SpeedArt viel Liebe zum Detail an Bug und Heck: Verstellbare Luftleitstege an der Frontspoilerlippe und kleine bündige Lufteinlässe am Heckflügel sind kleine, aber feine Details, die den Laien erstaunen und den Kenner erfreuen.

Starke Kontraste zeigen sich dagegen bei den Rädern: SpeedArt demonstriert mit verchromten 19-Zöllern elegante Bescheidenheit, TechArt hält mit imposanten 20ern dagegen. Dank der schwarzlackierten Speichen wirken sie aber relativ filigran und sorgen im Verbund mit den rotlackierten Bremssätteln für eine ziemlich rennmäßige Optik. Die wiederum andere Erwartungen weckt. Denn von den schnöden 355 Serien-PS des Carrera S will man sich ja schon ein wenig abheben, oder?

TechArt macht es sich da relativ einfach. Ein neues Programm für die Motronic, ein Sportluftfilter und ein Edelstahl-Sportauspuff steigern die Leistung um 20 PS und den Sound auf eine Tonart, die durch die Ohren direkt ans Herz geht: Das beim gemütlichen Dahinrollen dezente Knurren mutiert schlagartig zu einem bösartigen Grollen, wenn der rechte Fuß durchgedrückt wird.

Biestiger Klang von SpeedArt

Noch etwas biestiger klingt der SpeedArt – und das hat seine Gründe. Denn hier beschränken sich die Eingriffe nicht auf Elektronik und Entsorgung, sondern fangen schon bei der Aufbereitung der Ansaugluft an. Die Einlässe am Heckspoiler inhalieren kühle Luft zur Verbrennung, ein Fächerkrümmer und zwei Sportkatalysatoren reduzieren den Abgasgegendruck. Das Resultat sind 31 Mehr-PS und ein spontaneres Ansprechen, was bei den Messungen auch objektiv deutlich wird. Beim Sprint von null auf 200 km/h nimmt der SpeedArt seinem Kontrahenten fast eine volle Sekunde ab. Der Vorsprung hat allerdings seinen Preis – der optimierte Durchsatz kostet fast doppelt soviel wie die TechArt-Lösung.

Höheren Aufwand betrieben die Gerlinger auch beim Fahrwerk. Während sich TechArt auf verkürzte Federn und eine Tieferlegung um 30 Millimeter beschränkt, rollt der SpeedArt auf einem Gewindefahrwerk, das aber bereits in der mittleren Einstellung deutlich ruppiger mit den Insassen umgeht. Querfugen und Schlaglöcher werden lange nicht so elegant geschluckt wie im TechArt-Porsche.

Technische Daten und Meßwerte

Doch das ist relativ egal, wenn es auf die Piste geht. Im Motopark Oschersleben zählen weiche Fahrwerkfedern weniger als schnelle Zeiten. Das Einrollen mit aktivem PSM absolvieren beide Kontrahenten problemlos, doch nach dem Abschalten der elektronischen Stabilitätshilfe zeigt sich schnell, daß auch der 997 kein Naturtalent in Sachen Fahrverhalten ist. Trotz der prallen Reifen an der Hinterachse (SpeedArt: 295er, Tech-Art: 305er) übersteuern beide Kombattanten nach bester alter Elfer-Art dramatisch. Das macht zwar Spaß, wenn man damit umzugehen weiß, trägt aber nicht gerade zu schnellen Rundenzeiten bei.

SpeedArt verleiht Flüüüügel

Weniger lustig ist auch eine Eigenart, die vor allem der weicher gefederte TechArt an den Tag legt: Speziell in Wechselkurven wie etwa der Schikane vor der Gegengeraden wird die Hinterachse extrem unruhig und erfordert schnelle Reaktionen am Lenkrad. Die sich gottlob zügig und präzise umsetzen lassen. Porsche-Lenkungen zählten schon immer zu den besten ihrer Art – und beim 997 ist sie eben noch besser geworden. Die Rückmeldung von der Fahrbahn ist phänomenal.

Genau wie die Bremsen: Perfekt dosierbar, mit wunderbar definiertem Druckpunkt kommen sie bei Bedarf giftig zur Sache und verlieren auch nach zehn schnellen Runden nichts von ihrer Wirkung. Erstaunt hat uns dagegen, daß die 6844 Euro teure Bremsanlage des TechArt im direkten Vergleich keine gravierenden Vorteile gegenüber der Serienbremse des SpeedArt erkennen läßt. Selbst bei der Vollbremsung aus 200 km/h beträgt der Unterschied im Bremsweg weniger als einen Meter – und in Sachen Standfestigkeit wirken sich die deutlich größeren Scheiben, die Achtkolben-Sättel und die Stahlflex-Leitungen auch nicht merklich aus. Minimale Differenzen gibt es auch auf der Stoppuhr: Trotz Mehrleistung und härterem Fahrwerk kommt der SpeedArt nur um drei Zehntel schneller über die Runden.

Wie dem auch sei – der SpeedArt-Fahrer erregt beim Aussteigen in der Boxengasse deutlich mehr Aufmerksamkeit. Der Grund: SpeedArt verleiht neuerdings Flügel – zumindest in Form der Türen. Unser Testwagen war der erste seiner Art, doch in Zukunft dürfte es mehr davon geben. Zum Preis von rund 5000 Euro können die Kunden des Hauses ihren Elfer künftig zum Flügeltürer aufrüsten lassen und damit – so der offiziell verlautbarte Vorteil – in engen Parklücken besser aussteigen. Ob das nun abartig, eigenartig oder großartig ist, überlassen wir ganz dem persönlichen Geschmack.

Fazit, Kontakt und Preise

Fazit von Hermann J. Müller: Ungebührlich laut sind sie beide, unglaublich schnell und unangenehm teuer. Also alles andere als artig. Aber: Zu den Passagieren ist zumindest der TechArt mit seiner komfortablen Federung sogar ausgesprochen nett – der SpeedArt kompensiert sein ansonsten sportlich-hartes Gehabe wenigstens mit einem schmeichelweichen Lenkrad. In beiden Fällen wurde das Ziel, einen Elfer noch attraktiver zu machen, locker erreicht. Trotzdem sprechen sie unterschiedliche Zielgruppen an: Der TechArt dürfte eher die Lifestyle-Klientel überzeugen, der SpeedArt dagegen mehr der sportiven Kundschaft imponieren.

Kontakt: SpeedArt, Telefon 07156/1 79 98 70, www.speedart.de; TechArt GmbH, Telefon 07152/9 33 90, www.techart.de

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