Test getunte Porsche Cayman

Speedart C-RS 325 – Sportec SP 380 Speedart C-RS 325 – Sportec SP 380

Zwei getunte Porsche Cayman im Test

— 12.03.2007

Königsmörder

Seit 44 Jahren sitzt der Porsche 911 fest auf dem Sportwagenthron. Die getunten Cayman von Sportec und Speedart sägen jetzt am Stuhl.

Keine Angst. Dem König geht’s gut. Er ist putzmunter und besetzt seinen Thron mit mehr Macht denn je. Seit mehr als vier Jahrzehnten gilt der Porsche 911 als Maß aller Dinge im Sportwagenbau. Ihn vom Sockel zu stürzen, ist nicht einfach, aber auch nicht undenkbar. Ein möglicher Erbe kommt aus eigenem Haus: Der Cayman ist zwar kleiner und schwächer als der Elfer, punktet aber schon durch die Gunst seiner Herkunft. Dank Mittelmotor ist er perfekt austariert und hat ein straffes Fahrwerk und eine direkte Lenkung. Lediglich ein 30-PS-Defizit hält den Cayman S (60.065 Euro, 295 PS) auf Abstand zum 911 Carrera (79.938 Euro, 325 PS). Was dem kleinen Prinzen fehlt, sind also dicke Muskeln und Erfahrung, um ganz oben in der Hierarchie zu regieren.

Spenderherz aus dem 997 Carrera S

Optisch dezent: Bei Sportec steckt die Leistung unterm Blech.

Zwei "Trainer" nehmen sich jetzt seiner an. Sportec aus der Schweiz und Speedart aus Stuttgart. Die Lehrmethoden der beiden Tuner könnten nicht unterschiedlicher sein. Sportec verzichtet auf lautes Aussehen und setzt ganz auf innere Werte. Lediglich eine vordere Spoilerlippe, Carbon-Heckflügel und 19-Zoll-Rädern machen den Unterschied von außen deutlich. Im Innenraum sind Recaro-Schalensitze und eine Alu-Pedalerie die Vorboten für das, was sich unter der Heckklappe verbirgt: starke 380 PS aus 3,8 Liter Hubraum. Das Spenderherz stammt aus dem 997 Carrera S, das dank angepasster Motorelektronik, geänderter Ansaugluftführung, optimierter Sportabgasanlage und Fächerkrümmer sein scharfes Schwert zückt.

Um auf dem Renn-Parkett die Contenance zu behalten, wird ein Sportfahrwerk mit elektronischer Verstellung, geänderten Federn und Stabis, 30 Millimeter tiefergelegter Karosse und 15 Millimeter breiterer Spur eingesetzt. Für sicheren Halt sorgen die Sechskolbensättel auf 350-Millimeter-Scheiben des GT3. Damit wird er als Thronerbe auf jeden Fall zur Testamentseröffnung eingeladen: Von 0 auf 100 km/h liegt er mit 4,8 Sekunden gleichauf mit dem 355 PS starken Carrera S, bis 200 km/h vergehen 16,4 Sekunden – der Carrera S ist hier gerade mal 0,3 Sekunden schneller. Das ganz große Paket hat auch seinen Preis: rund 114.000 Euro kostet der SP 380. Dafür ist Understatement bei den Schweizern höchstes Gebot.

Speedart setzt mehr auf Prunk

Trägt deutlich dicker auf: Porsche Cayman im Speedart-Trimm.

Sonnenkönig Ludwig XIV. hätte seine wahre Freude an dem Speedart-Cayman: schon von Weitem leuchten die beiden Carbon-Außenspiegel, Frontspoilerlippe und Bremssättel in knalligem Grün. Das Gewindefahrwerk mit verstärkten Stabis passt dabei ins Radhaus zu den polierten RSC-II-Elegance-Rädern in 20 Zoll mit breitem Felgenhorn wie das Zepter in die Hand. Doch schonend sollten die Felgen behandelt werden, denn schon leichte Berührungen am Bordstein verursachen hässliche Macken. Die kleine Leistungssteigerung des CR-S 325 um 30 PS auf 325 PS erzielen die Stuttgarter durch Fächerkrümmer, optimierte Motortronik und ein Sportabgassystem. Die Änderungen kann man hören und fühlen: So klingt der Sechszylinder kräftiger als der bei niedrigen Drehzahlen zurückhaltende Sportec, und auf engen Straßen begeistert er mit dem kleinen Lenkrad, der Schaltwegverkürzung und dem extrem straffen Fahrwerk. Ein kurzer Gasstoß genügt und die Nackenhaare stehen senkrecht. Mehr Aufsehen erregt man auch mit einem Elfer nicht.

Fahren im Speedart ist wie ein Training in der Kadettenschmiede: sehr anstrengend, aber man ist stolz, dabei zu sein. Und das für noch geringe Umbaukosten von 22.595 Euro. Allerdings kann er dem stärkeren Sportec nicht das Wasser reichen: bis 100 km/h ist er 0,4 Sekunden und nach 200 km/h 2,2 Sekunden langsamer. Dafür besitzt er durch die bulligere Front das höhere Überholprestige, schafft auf der Autobahn schnell Platz. Die Messwerte adeln also den Sportec SP 380, der somit bestens gerüstet ist für die Thronfolge. Seine Muskelkraft nutzt er gnadenlos aus, brennt eine Zeit von 1:43,70 in den Asphalt von Oschersleben und lässt den Schönling der Konkurrenz um 3,74 Sekunden hinter sich. Dabei gibt er sich stets überlegen, schüttelt die Zeit ganz locker aus seinem Ärmel und überzeugt mit einem sehr harmonisch abgestimmten Fahrwerk in Verbindung mit Semislicks und leichtgängiger und präziser Lenkung.

Der Boxer des Carrera S hängt scharf am Gas und legt ab 6000 Touren noch eine weitere Portion Kraft auf die Kurbelwelle. Gutmütig und schnell wedelt der Cayman um die Kurven und zeigt keine Spur von Anstrengung. Der Speedart fährt sich dagegen unausgeglichen, kämpft mit seinem harten Fahrwerk. Er übersteuert stark, die Reifen scheuern bei heftigem Kurswechsel im Radhaus und die Lenkung ist zu spitz abgestimmt. Es ist schweißtreibend, im Speedart schnell zu sein – dafür wird der Gegenlenkeinsatz mit spektakulären Drifts belohnt. Genug, um am Hofe zumindest einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen.

Autor: Fabian Hoberg

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